Thema: Frauen und Männer / Genderfragen: Berufstätige Frauen - 01/2018

Aus Tansania Information
Version vom 6. Januar 2019, 21:22 Uhr von imported>Sysop (1 Version importiert)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Initiativen - Erfolgsgeschichten

Jennifer Shigoli vertrieb nach ihrem Jura-Studium selbstgekochte Flüssigseife an Schulen. Dabei fielen ihr die großen Schwierigkeiten der Schülerinnen auf, die oft den Unterricht verpassten, weil sie keine erschwinglichen Hygiene-Artikel fanden. Shigoli entwickelte eine preisgünstige und wiederverwendbare Monatsbinde mit umweltfreundlicher Baumwoll-Einlage. Ihre Firma „Malkia Investment“ beschäftigt 20 Angestellte; in zwei Jahren sollen es 200 sein. Die Unternehmerin wurde mit dem „Afrikanischen Unternehmens-Preis“ ($ 150.000) ausgezeichnet.

Die frühere Schönheitskönigin Helen Dausen entwickelte eine Kosmetik-Linie aus natürlichen Ingredienzien wie Baobab, Kakao, Pflanzenölen und Kräutern. Wegen ihres Unternehmenserfolges wurde sie unter die 30 erfolgreichsten U-30-Afrikaner der Forbes-Liste aufgenommen.

Die 30-jährige S. Nyange entwickelte eine eigene Schmuck-Linie, die sie erfolgreich über Instagram vertreibt.

Beim Gender-Festival im September berichteten Frauen von ihren Erfahrungen als Bergbau-Unternehmerinnen. Sie hatten jeweils etwa 20 Angestellte und mussten hart um ihren Erfolg kämpfen. Als besondere Erschwernisse nannten sie: Frauen erhalten weniger leicht Kredite; sie müssen oft jahrelang um eine Lizenz kämpfen; Geräte und Maschinen wurden gestohlen. Eine Minenbetreiberin meinte: „Wir müssen akzeptieren, dass wir Frauen sind, aber uns wie Männer verhalten müssen.“

Eine Gruppe von HIV-Infizierten und Witwen verarbeitet in Schlachthöfen große Mengen von Blut zu Vieh- und Geflügelfutter. Das Blut, das bisher in einen Fluss entsorgt wurde ist nun sehr begehrt. Eine Unternehmerin verkauft täglich 200 kg Tierfutter und exportiert monatlich 18 t nach Uganda und Kenia. Sie konnte sich ein Haus bauen und ihre Kinder zur Schule schicken.

Citizen 07.06.16; 20.03.; 10.09.17; Guardian 13.09.17; East African 28.03.17

Auszeichnungen

Das diesjährige Tansanische Gender Festival stand unter dem Motto „Die Umformung repressiver Systeme zugunsten von Geschlechtergleichheit und nachhaltiger Entwicklung“. Es wurde von mehr als 2000 Teilnehmenden aus vielen Ländern besucht. Dabei wurden fünf Tansanierinnen geehrt: Die frühere Parlamentspräsidentin Anne Makinda, Dr. Ester Makenda (erste Promovierte der Uni DSM), Gertrude Mongella (erste Präsidentin des Panafrikanischen Parlaments), die Abgeordnete Ester Bulaya und Taarab-Sängerin Bi Kidude, +2013.

Die Unternehmerin Maida Waziri wurde mit dem siebten „All Africa Business Leaders Award“ (http://www.aablawards.com) für Ostafrika ausgezeichnet und konkurriert damit mit den west- und südafrikanischen Siegern um den gesamtafrikanischen Unternehmer-Preis. Die Preisträgerin ist Vorsitzende der „Voice of Women Entrepreneurs Tanzania“ (www.vowet.org), die Unternehmerinnen fördert, weiterbildet, vernetzt und alljährlich einen „Gipfel der engagierten Geschäftsfrauen“ veranstaltet. Dieser vermittelt Einsteigerinnen Kontakte und bietet ihnen ein Forum für ihre Ideen und Produkte.

Maida stammt aus einer armen Familie und wurde von „Women Advancing Africa“ des Graca Machel Trust gefördert und arbeitet mit diesem zusammen. Nach einem YMCA-Schneiderinnen-Kurs baute sie in acht Jahren eine Firma mit 15 Angestellten auf. Heute besitzt sie die Hoch- und Tiefbau-Firma Ibra Contractors Ltd. und weitere Unternehmen in den Branchen Textil, Transport und Lebensmittel.

Die 26-jährige Molekularbiologin Aneth David wurde zur „Next Einstein Forum Botschafterin“ ernannt. Sie erhielt ein Promotionsstipendium für Bioinformatik in Schweden. Sie bescheinigte ihren männlichen Kollegen faires Verhalten und forderte die afrikanischen Staaten auf, über die Mittel der Geberländer hinaus selbständig in die Naturwissenschaften zu investieren.

Lilian M. Rabi gewann die Erfinder-Herausforderung 2016 des Weltwirtschaftsforums. Sie entwickelte „bimaAFYA“, eine Krankenversicherung, die ohne Papiere komplett über Mobiltelefon funktioniert. Dadurch können sich Einkommensschwache und informell Wirtschaftende preisgünstig versichern.

Die Journalistin und frühere Direktorin der Albino-Fürsprache-Organisation „Under the Same Sun“ Vicky Ntetema erhielt den Internationalen Preis für couragierte Frauen des amerikanischen Außenministeriums. Sie hatte inkognito als vorgebliche Käuferin von Albino-Gliedmaßen für Zauberzwecke Netzwerke von Zauberdoktoren auffliegen lassen und viele Morddrohungen erhalten.

Die Autorin Anne Manyanza errang 2016 den Mabati-Cornell-Preis für afrikanische Literatur ($ 5.000) für ihren Roman „Penzi la Damu“ (Verlangen des Blutes). Sie spricht vor allem Frauenthemen an wie Gewalt, Polygamie, Mädchenbildung. Sie hält Frauen für besonders konkurrenz-orientiert.

Drei Tansanierinnen wurden vom Afrikanischen Forum für Innovation und Unternehmertum (www.awieforum.com) ausgezeichnet, darunter die Direktorinnen der Gartenbau-Vereinigung und der Frauenbank.

Die frühere Miss Tanzania N. Sumari erhielt einen Preis von $ 20.000 der Mobilfunk-Firma Tigo für ihre Programme, die Kinder in digitales Lernen einführen (www. facebook.com/JengaHub).

Besonders kreative Bäuerinnen werden von Oxfam alljährlich mit dem Titel „Ernährungs-Heldin“ ausgezeichnet und können ihre Erfahrungen auf einer großen Konferenz weitergeben. Der Wettbewerb soll auch immer wieder auf den wichtigen Beitrag der Kleinbäuerinnen zur Ernährung der Bevölkerung aufmerksam machen.

Citizen 17.05.; 09.07.16; 30.08.; 04.09.17; DN 02.07.16; Guardian 12.05.16; 13.,29.09.; 27.11.17; East African 28.03.17;

Frauen in der Landwirtschaft

Das „Geschlechter-Netzwerk“ (TGNP-Mtandao) hebt einige Faktoren hervor, die landwirtschaftlich tätige Frauen benachteiligen:

  • Unzureichende Preise wegen hoher Spannen der Zwischenhändler
  • Saatgut und Düngemittel sind zu teuer und nicht rechtzeitig verfügbar
  • Unberechenbare Regenfälle können kleine Landwirte kaum ausgleichen
  • Frauen ohne Landbesitz bekommen nur schwer Kredite
  • Kulturelle Traditionen sorgen dafür, dass wichtige Entscheidungen (Investitionen, Verkäufe) eher von Männern als von Frauen getroffen werden

Insgesamt sei die Landwirtschaftspolitik weniger auf Kleinbauern als auf Großproduzenten ausgerichtet. Dies zeige sich auch an den häufigen Landkonflikten. Ferner würden Männer regelmäßig bei der Landzuteilung bevorzugt. Frauen müssten sich mit wasserarmen Feldern begnügen oder Land pachten. Nur 5% (andere Quelle: 10%) der Bäuerinnen besitzen den von ihnen bearbeiteten Boden selbst.

Das Förderungszentrum für Bäuerinnen (www.cawat.de) wurde vier Jahre lang von US-AID finanziert und sucht jetzt neue Sponsoren.

Citizen 02.,10.08.16; DN 19.,31.01.17; Guardian 23.07.16

Frauen in technischen Berufen

Eine Frau, die als Motorradfahrerin bei einem Kurierdienst arbeitet, ist ein beliebtes Fotomotiv. Seit ihrer Kindheit wolle sie beweisen, dass Frauen „genauso gleich“ seien wie Männer und jede männliche Tätigkeit ausführen könnten. Als Kurier sei sie erfolgreich wegen ihrer Pünktlichkeit und Professionalität. Sie macht jetzt den Führerschein für LKW und Bus.

Zunehmend arbeiten Autobesitzerinnen als private Taxifahrerinnen mit der Online-Plattform Uber. Häufig sind es junge Akademikerinnen, die dieser Arbeit in Teil- oder Vollzeit nachgehen. Sie können damit monatlich zwischen TZS 1 bis 3 Mill. verdienen.

Zur Feier des Weltfrauentags im März wurde ein Flug der Malawi Airlines von Lilongwe nach Dar-Es-Salaam ausschließlich von Frauen durchgeführt, inklusive aller Boden-Dienste wie Check-in, Kontrollen und Lotsendienste.

Die Vizepräsidentin S. Hassan forderte die Frauen in Ingenieurberufen auf, sich nicht gegenseitig zu behindern, sondern einander zu fördern und Netzwerke zu bilden. Von den 17.122 in Tansania zugelassenen Ingenieuren sind 1.294 Frauen. Norwegen wird über fünf Jahre 150 Ingenieurinnen beruflich voranbringen. Seit 2010 durchliefen bereits 300 Ingenieurinnen dieses Förder-Programm.

Sechs Frauen aus der Lindi-Region wurden in Indien zu „Barfuß-Solaringenieurinnen“ ausgebildet. Sie installieren und warten dörfliche Solarstrom-Anlagen. Dadurch hat sich ihre wirtschaftliche, aber auch ihre soziale Situation wesentlich verbessert.

Citizen 05.07.16; 30.09.17; DN 03.,13.08.16; Guardian 13.08.16; 29.10.17; Graca-Machel-Trust 22.03.17;

Probleme im Berufsleben

Die Vertretung der Lehrerinnen beklagte, dass weibliche Lehrkräfte oft weit von ihrer Familie entfernt eingesetzt würden. Dies gefährde ihre Ehen und Familien und raube ihnen die für ihre Arbeit erforderliche Gelassenheit.

Frauenorganisationen kritisierten, dass Straßenbaufirmen sich nicht an die Vorgabe hielten, mindestens 25% Frauen zu beschäftigen. Frauen würden für nicht robust genug gehalten; wegen Problemen mit Kindern und Ehemännern fielen sie oft aus.

Vizepräsidentin S. Hassan zeigte sich erfreut darüber, dass 47% der tansanischen Richter weiblich sind (England 15, Indien 9%). Eine noch zu bewältigende Aufgabe sei es, die sexuelle Erpressung von Frauen im Bildungswesen, im Berufsleben und vor allem auch in der Justiz auszurotten.

Präsident Magufuli ordnete an, die Tansanische Frauenbank schnell zu restrukturieren oder zu schließen. Die Bank ist zu 97% in Staatsbesitz und wurde wegen finanzieller Schieflage unter Zwangsverwaltung gestellt. Die meisten ihrer Kreditnehmer sind männlich und sehr viele Kredite notleidend. Die Bank soll eigentlich Frauengruppen beraten und mit günstigen und langfristigen Krediten versehen.

Im Parlament wurde ein eigener Raum für stillende Abgeordnete eingerichtet, um der Richtlinie des Gesundheitsministeriums zu entsprechen, dass Säuglinge bis zu zwei Jahren gestillt werden sollten.

Citizen 13.05.; 28.06.17; DN 07.01.; 09.12.17; Guardian 23.10.17; Mwanahalisi 05.08.17

Frauen in der Politik

Die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) erstellte eine umfassende vergleichende Studie zu Situation und Partizipation der Frauen in den Mitgliedsstaaten: „EAC Pilot Gender Barometer Report 2017“. Obwohl die Frauen durchaus in Entscheidungsgremien vertreten seien, sei ihr tatsächlicher Einfluss noch unverhältnismäßig gering.

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den ostafrikanischen Ländern: Beispielsweise sind 64% der ruandischen Parlamentsmitglieder weiblich (Platz 1 weltweit), in Tansania sind es 37% (Rang 23), in Kenia 20% (Rang 98). Von den 141 Frauen im tansanischen Parlament wurden aber nur 26 gewählt, 115 wurden auf „special seats“ berufen. Die Politik-Professorin R. Meena, DSM errechnete, dass es ohne Änderungen 155 Jahre und 31 Wahlperioden dauern werde, bis ein 50:50-Verhältnis erreicht sei.

Der Studie zufolge stehen der Gleichstellung der Geschlechter einerseits lückenhafte Gesetze entgegen, andererseits werden bestehende Gesetze, etwa zum Erbrecht, umgangen. Die Herausgeberin und Leiterin der „School of Women and Gender Studies“ (Makerere, Uganda) meint, die politisch aktiven Frauen hätten paradoxerweise formale Macht ohne viel echten Einfluss.

Die frühere Abgeordnete Dr. Maria Kamm sprach sich gegen eine formale Frauenquote von 50% im Parlament aus. Das Geschlecht als solches sei keine ausreichende Qualifikation. Die Parteien müssten führungsstarke und kreative Persönlichkeiten aufstellen. Diese Eigenschaften könne man nicht erst nach der Wahl ins Parlament erwerben.

Das Menschenrechtszentrum LHRC erhob, dass die Parteien bei der letzten Wahl 2015 nur wenige Kandidatinnen aufgestellt haben: Chadema 6%, CCM 9%, ACT-Wazalendo und CUF je 11%. Diese Zahlen entsprächen nicht dem 1979 geschlossenen UN-Abkommen gegen die Diskriminierung von Frauen (Elimination of All Forms of Discrimination against Women - CEDAW).

Die erste Präsidentin des Panafrikanischen Parlaments, Dr. Gertrude Mongella betonte, dass Frauen einen wichtigen Beitrag zur Friedenssicherung leisten könnten, indem sie bei Konflikten die meist männlichen Kontrahenten zum Dialog anhielten. Frauen hätten bewiesen, dass sie Frieden, Versöhnung und Entwicklung voranbringen können. Die Afrikaner müssten ihre Konflikte selbst bearbeiten, unabhängig von den UN. Dabei sollten sie auch die Grenzen des Nichteinmischungs-Prinzips ausloten.

Die Vorsitzende der feministischen „Sahiba Sisters“ (www.sahibasisters.blogspot.de) vermutete, die Zurückhaltung der Präsidentengattin Janet Magufuli sei nicht ganz freiwillig (JPM hatte die Kantine seines Amtssitzes aufgelöst und dazu bemerkt, für ihn koche seine Frau). Die Ehefrauen vorhergehender Präsidenten hatten eigene Projekte verfolgt (Frauenförderung, Malaria- und AIDS-Bekämpfung). Frau Magufuli folge eher dem Beispiel der ebenfalls zurückhaltenden Maria Nyerere.

Citizen 05.11.16; 15.06.; 04.11.17; DN 11.08.16; 04.11.17; EAC-Pilot-Gender-Barometer.pdf; East African 11.05.17; Guardian 03.08.16; Monitor, Uganda 04.5.17

Moderne Zeiten

Das Nationale Statistikbüro meldete, dass sich die Ehescheidungsrate in den letzten sechs Jahren auf 2,1% (Stand 2015) verdoppelt hat. Laut dem Interreligiösen Komitee geht diese Entwicklung darauf zurück, dass sich Paare mehr und mehr über Internet-Netzwerke (Tanzania Dating, FirstMet, InterracialDatingCentral etc.) kennen lernten und daher keine familiären, traditionellen oder religiösen Hilfen für ihre Beziehung hätten. Sie seien dadurch hilflos im Umgang mit Konflikten. Viele Nutzer/innen berichten zudem von massiven Lügen und geschönten Fotos in Online-Profilen.

Prostituierte berichteten, dass sie zur Anbahnung ihrer Aktivitäten vermehrt Internetplattformen und Dating-Foren wie „Badoo“ verwenden. Seit die Regierung in den bekannten Bars strenger gegen ihr Gewerbe vorgehe, sei das Smartphone zum wichtigsten Weg der Kontaktpflege geworden. Es ermögliche den „Zwielicht-Mädchen“, landesweit auf Kundenfang zu gehen und korrekte Bezahlung zu sichern. Ein Eheberater teilte mit, dass auch Homosexuelle und Ehefrauen vermehrt auf diesem Weg diskrete Kontakte suchten. Dies gefährde so manche Ehe, weil solche Seitensprünge auf dem Telefon eindeutig dokumentiert seien.

60 Frauen aus 10 Ländern erstiegen im Juni den Kilimajaro und richteten in 5.731 m Höhe ein 90-minütiges Fußballspiel aus, das 0:0 endete. Anschließend erklommen sie den Uhuru-Gipfel in 5.895 m Höhe. Das tansanische Frauen-National-Team „Twiga Stars“ war zwar eingeladen, sich zu beteiligen, sagte aber in letzter Minute ab.

Im Nationalmuseum in Dar-Es-salaam fand die zehnte „Swahili Modewoche“ statt. Mehr als 30 Modeschöpfer/innen, darunter 13 international Tätige, präsentierten ihre Kollektionen. Erstmals traten dabei auch Frauen in Normalgrößen als Modelle auf.

Citizen 22.08.; 08.,17.12.17; DN 29.05.16; Guardian 28.06.17