Zum Volk der Maasai - 04/2011

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Auswirkungen der Dürre '09

Die lang anhaltende Dürre '09 war eine Lehre für die Maasai. Die meisten verkleinerten ihre Herde so, dass sie Gewinn abwirft. Sie wandten sich, neben der Viehzucht und dem halbnomadischen Lebensstil, auch anderen Tätigkeiten zu. Nach einem Ausbildungsprogramm, an dem Dorfleiter, Aktivisten und andere teilnahmen. sagte einer: "Die Maasai lernten viel. Sie benötigen keinen akademischen Grad, um die Zahl ihrer Rinder zu reduzieren, denn sie litten 2009 unter der Dürre", ähnlich der von 1914, als Menschen, Rinder und Vieh starben. Bei einem Maasai, der 4.000 Rinder besaß, seien nach kurzer Zeit nur 1.200 übrig geblieben. Einige hätten noch immer Hunderte von Rindern, gab er zu. Aber wegen der Klimaveränderung würden sie sich ändern. '09 nahmen sich einige das Leben, weil sie viel Vieh verloren hatten. Der Preis für ein Rind sank von 400.000/- auf 7.000/- TSh. "Glücklicherweise verteilte die Regierung Notrationen", erzählte eine Frau. (Guardian 30.8.10)

Zur Lage der Frauen

Bei einer Bildungsveranstaltung der in Arusha beheimateten Nichtregierungsorganisation (NGO) Hakikazi Catalist (HKC) sagten Frauen, weil die Männer bei den Maasai die Vorherrschaft haben, lebten die Frauen weiterhin in Armut. Sie hätten keinen Zugang zu den Gütern der Familie, weil sie kein Eigentum haben. Die Frauen könnten nicht über das, was sie erarbeiten, bestimmten. "Wir sind wie Sklaven, weil wir nichts von unserer Arbeit haben", klagte eine Frau. Eine Aktivistin forderte die Männer auf, ihre Einstellung zu verändern und ihre Ehefrauen wie Partner zu behandeln. Es sei höchste Zeit, dass die Maasai-Frauen aufwachen und ihre Ehemänner davon überzeugen, dass sie gleichberechtigt sind. (Guardian 2.9.10)

Zwölf Repräsentantinnen der Organisationen Ereto- und Enjipai Maasai Women Artists Network versprachen nach einem viertägigen Seminar zum Thema Kleinbetriebe und Unternehmertum, sie würden in ihrer Umgebung die Kampagne für die Befähigung der Frauen fortführen und wirtschaftliche Chancen ausbauen.

In Loliondo hatten sich mehrere Frauengruppen zusammengeschlossen, um die erwähnten Organisationen zu gründen. Das Maasai-Wort Enjipai bedeutet Freude. "Wir schaffen enge Beziehungen zwischen heimischen und internationalen Organisationen, Künstlerinnen und Reiseunternehmen. Unsere Aufgabe ist, die Fähigkeiten der Gemeinschaft zu fördern, damit sie ihren Lebensunterhalt steigern und ihr Geschäft gemeinsam dauerhaft betreiben", heißt es in einer Presseerklärung. Zu Enjipai gehören mehrere Frauengruppen, die ihre Produkte an Touristen verkaufen und in ihrem Gebiet Kleinunternehmen betreiben.

Nun wollen sie ihren Markt im In- und Ausland stärken, um die Qualität ihrer Arbeit verbessern und neue Unternehmen starten zu können. "Mit Hilfe von Kunst und Zusammenarbeit ermutigen die Frauen ihre Umgebung, Information zu suchen über dringende Probleme, Versorgung der Kinder, HIV/ AIDS und andere Frauenfragen", erklärte eine Verantwortungsträgerin.

In Rahmen des Seminars besuchten die Frauen mehrere Kunst- und Kunsthandwerksmärkte, um mehr zu erfahren über Qualität, Stilrichtungen, Preisgestaltung und Vermarktung.

Das Enjipaa Network erhielt Unterstützung von internationalen NGOs, Tourismusunternehmen, Regierungseinrichtungen u. a. Interessierten. (DN 4.1.11, Arusha Times 15.1.11)

Zu Entwicklungsprojekten

Mit mehr als 200m/- TSh unterstützte die Ngorongoro Conservation Area Authority (NCAA) in den Distrikten Karatu, Loliondo, Meatu und Monduli, Gebieten rings um das Ngorongoro Schutzgebiet (NCA), Entwicklungsprojekte. Für die innerhalb des NCA lebenden Menschen wurden 4mrd/- TSh ausgegeben für Schulbau, Unterstützung von 1.048 Schülern, Schülerinnen und Studierenden, sowie Verbesserung des Viehs. (Citizen 11.1.11)

Als sozialwirtschaftliches Projekt plant die NCAA ein Werk für Milch- und Fleischverarbeitung, um den Viehhaltern im Schutzgebiet, deren Großteil zum Volk der Maasai gehören, bei der Wertsteigerung ihrer Produkte zu helfen. Die Anlage soll außerhalb des NCA errichtet werden.

Das NCA wurde 1979 UNESCO-Welterbe. Es ist das einzige Schutzgebiet Tansanias, in dem außer dem Wild Menschen leben dürfen. Aber man führt Kontrollen durch, um negative Folgen dieses Zusammenlebens für das Wild auszuschließen.

Trotz viel Viehs sind die Lebensbedingungen der Menschen nicht gut, weil sie ihre Produkte nicht verarbeiten können. Zum Schutz des Gebietes ist es ihnen untersagt, Landwirtschaft zu treiben, und sei sie noch so klein. (Citizen 11.1.11)

Zum Tourismus

Seit vielen Jahren sind die Touristen, die Nationalparks und Wildschutzgebiete im Norden Tansanias besuchen, von Kultur und Lebensstil der Maasai fasziniert. Aber diese hatten nichts davon. Im Ngorongoro ist das nun anders. Für 25 US$ kann man eine der sieben ausgewiesenen Bomas, den Heimstätten der Maasai, besuchen. Es gibt ein Rotationssystem: Ausgewählte Familien dürfen nach je zwei Jahren in einer der Bomas leben und etwas verdienen. Sie fertigen Armreifen, Kopf- und Halsschmuck. Wenn Touristen kommen, tanzen Maasai-Krieger durch den Eingang ihrer Boma; dann geleiten sie die Besucher hinein. Der Chef lädt sie in eine der Rundhütten ein. Ein Dolmetscher erklärt, wie die Maasai leben.

Die ausgewiesenen Bomas sind Eigentum der Einwohner, die NCAA profitiert nichts von diesem Unternehmen, berichtete einer ihrer Mitarbeiter. "Die Maasai kennen ihre Kultur besser als sonst jemand. Deshalb helfen wir ihnen, damit sie Touristen ihre Geschichte und ihre Tätigkeiten erklären können", sagte er.

Neben der Viehhaltung haben die Maasai als gewinnabwerfende Unternehmen nun den Tourismus; außerdem verkaufen sie Milch, Häute, Honig und traditionelle Waffen.

Die meisten Touristen begeistert, dass die Maasai freundlich und hilfsbereit sind und gerne über ihre Kultur und die Interaktion mit dem Wild berichten.

Dank der guten Kontakte zur NAAC nahm die Wilderei rund um das NCA ab. (Citizen 17.1.11)

Vereinbarung zwischen Maasai und Iraqw

Mehr als 120 Älteste und Repräsentanten der Maasai- und der Iraqw-Ethnie, die lange Zeit Rivalen waren, sowie Regierungsvertreter trafen sich in Dorf Mbulu-Mbulu (Karatu-Distrikt, Arusha-Region). Ein Verantwortungsträger sagte: "Mit der Vereinbarung, den Viehdiebstahl der beiden Ethnien zu beenden, machten wir uns 1997 auf den Weg, das Kriegsbeil zu begraben."

"Doch die Iraqw und die Maasai wollen auch gegenseitige Beziehungen pflegen, so dass sie untereinander heiraten können", erklärte der Vorsitzende des Ngorongoro Pastoralist Council und Interimsvorsitzender des Maasai-Iraqw Ältestenrates. Ein anderer Repräsentant betonte, die Feindschaft zwischen den beiden Ethnien mache den lokalen Verantwortungsträgern die meisten Kopfschmerzen. "Der Konflikt kostete viele Menschenleben, behinderte die Entwicklung und belastete die Umwelt, weil die Leute die Häuser, Felder und Eigentum der anderen in Brand steckten." Die Maasai glaubten, alle Rinder seien ihr Eigentum; deshalb stahlen sie das Vieh, berichtete einer. "Die Iraqw schickten daraufhin bewaffnete Jugendliche, um die Tiere zurückzuholen. Wir töteten einander. Das war sehr schrecklich." Ein Maasai sagte, die Iraqw zogen ihre Kinder in dem Glauben auf, die Maasai seien keine menschlichen Wesen sondern Tiere, die, wenn immer möglich, vernichtet werden müssten. Bis vor Kurzem lebte kein Maasai in Karatu.

Das Gebiet der NCAA liegt zwischen Karatu, dem Land der Iraqw, und den Maasai-Siedlungen im Ngorongoro. Ein NCAA-Mitarbeiter sagte: "Wir unterstützen nicht nur das Friedensabkommen, sondern finanzieren die weiteren Bemühungen." (DN 14.1.11, Arusha Times 22.1.11)

Zur Zukunft der Maasai

Bei einer Konferenz sagte der Stellvertretende Minister für Viehzucht und Fischfang, er fürchte, die Viehzucht sei in Gefahr, denn viele junge Leute der Hirten-Gesellschaften, ließen ihre Rinder im Stich, gingen in die Städte, um sich als Wächter zu verdingen. Ein Problem sei die Klimaveränderung: Infolge langer Dürreperioden verendeten viele Rinder. Auch Krankheiten und lange Wege auf der Suche nach Weideland machten ihnen zu schaffen. Oft würden Tiere beschlagnahmt, weil sie angeblich Grenzen überschritten. Die Eigentümer müssen dann pro Rind 200.000/- bis 500.000/- TSh bezahlen. Wer das nicht aufbringen kann, muss die Tiere zurücklassen.

Ein Verantwortungsträger sagte, die nomadisierenden Viehhalter würden in die Ecke gedrängt, denn es fehle an Weideland. Investoren hätten ihr Land und ihre Quellen besetzt. Die Hirten gälten als lästige Eindringlinge, wohin sie auch gehen. Bald seien sie eine bedrohte Spezies. In einigen Jahren werde es in Tansania keine Rinder und Ziegen mehr geben. Man müsse sie einführen - genau wie die bedrohten Nashörner, fürchtet er. Die meisten nomadisierenden Hirten sind in der Arusha- und der Manyara-Region zu Hause.

Tansania ist nach Äthiopien und Sudan das Land Afrikas mit den meisten Rindern, aber die Produktion von Fleisch, Häuten und Fellen ist gering. (DN 23.1.11; Guardian 19.1.11, Arusha Times 22.1.11)

Laut Gesetz ist der Minister für Naturschätze und Tourismus ermächtigt, ein Gebiet zu einem Korridor für Wildtiere zu erklären, wenn das Leben derselben in Gefahr ist.

Die in Loliondo (Ngorongoro-Distrikt, Arusha-Region) lebenden Maasai baten die Regierung inständig, sie nicht aus ihrem Gebiet zu vertreiben, um einen Korridor für das Wild zu schaffen.

Der Minister sagte, findet man keinen anderen Weg, den geschützten Wald zu erhalten, sei die Regierung gezwungen, die Maasai einiger Dörfer auszuweisen. Aufgrund der Aktivitäten der Maasai sei der Wald dabei, zu verschwinden. Eine elfköpfige Arbeitsgruppe soll untersuchen, wie Maasai und Wildtiere in diesem Gebiet weiterhin miteinander leben können. (Citizen 9.2.11)

Zu Vertreibungen im Gebiet von Loliondo

Weil Verhandlungen mit der Regierung nichts gebracht hatten, beschloss das Legal and Human Rights Centre (LHRC) und sieben weitere NGOs beim Arusha High Court Klage gegen die Regierung zu führen wegen der Vertreibung von Hirten aus ihren Ländereien in Loliondo (Arusha-Region). Es handle sich um einen Verfassungsbruch. Deshalb solle das Gericht diese Entscheidung für null und nichtig erklären und die Regierung anweisen, den Opfern ihr Land zurückzugeben und sie für den zugefügten Schaden entschädigen. (Citizen 4.12.10)

Der neue Landnutzungsplan für das Loliondo-Wildschutzgebiet für die Jahre '10 bis '20 bedroht die Lebensgrundlage der in diesem Gebiet lebenden Maasai. Der Vorsitzende des Ngorongoro-Distrikt-Rates sagte, die Einwohner seien beim Entwurf dieses Planes nicht beteiligt worden. Das sei ein Verstoß gegen das Gesetz von 1999, demzufolge die Dorfbewohner jegliche Veränderung der Nutzung ihres Landes entscheiden sollen. Er hoffe, es werde nicht wieder wie '09 zu einer unrechtmäßigen Vertreibung der Maasai und dem Niederbrennen ihrer Häuser kommen. Damals wollte man Platz schaffen für einen arabischen Investor. <Vergl. Tans.-Inf. 11/09 S. 8> Die Maasai leben in diesem Gebiet, seit sie 1959 aus dem Serengeti-Nationalpark vertrieben wurden. Ein Sonderabkommen zwischen den Maasai und der britischen Kolonialregierung besagt, danach würden sie nie wieder zwangsweise ausgewiesen.

Seit vielen Jahren ist das Gebiet von Loliondo ein Konfliktherd, um das sich unterschiedliche Spieler rangeln, Ansässige, Investoren, Umweltagenturen und Regierung. (Guardian 17.2.11; Arusha Times 26.2.11)

Streit zwischen Maasai und Sonjo

Zweimal innerhalb einer Woche kämpften im Ngorongoro-Distrikt (Arusha-Region) Maasai und Sonjo mit Gewehren und traditionellen Waffen. Zwei Maasai wurden getötet, einige Sonjo verletzt. Man brachte sie in ein Krankenhaus. Viele Einwohner flohen, manche bis nach Kenia. Die Polizei sorgte für Ruhe und Frieden und nahm die Suche auf nach Personen, die den Streit vom Zaun gebrochen hatten. Es ging um Land, das seit 1970 von den Sonjo verwendet, später von den Maasai beansprucht wurde. Drei Monate vorher sollen Maasai-Krieger einen jungen Sonjo erschossen haben, weil er in diesem Gebiet ein Feld bestellte. Die Sonjo sind Landwirte und Viehhalter. Ein Maasai-Repräsentant bat die Regierung, das Gebiet neu aufzuteilen, endgültige Grenzen zu ziehen. (Guardian 17.2.11; Arusha Times 19.2.11)