Schwerpunktthema Investitionen und Handel: Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit - 07/2014

Aus Tansania Information
Wechseln zu: Navigation, Suche

Entwicklungsstand: Einschätzungen

Der Weltwährungsfonds (IMF) hebt in seinem jüngsten Bericht das schnelle Wirtschaftswachstum Tansanias hervor, bedauert aber, dass die Armen praktisch nichts davon verspürten. Mehrere Kommentatoren sehen Fortschritte in der Armutsbekämpfung direkt von Verbesserungen in der Landwirtschaft abhängig.

Die Präsidentin des Ostafrikanischen Parlaments (EALA), N. Zziwa, erinnerte daran, dass 7 von 10 Tansaniern arbeitslos seien und 6 von 10 in Slums (informellen Siedlungen) lebten. Wenn die Armutsschwelle bei Tshs 36.500 (€ 17,30) pro Monat und Erwachsenem liegt, leben noch etwa 12 Mill. Tansanier/innen in Armut. Dies ergab eine Studie zu aktuellen Haushaltseinkommen.

Der Staatsminister im Präsidentenbüro sieht ein Jahrtausend-Ziel der Regierung erreicht: trotz Massenversagen in Sekundarschulen, akutem Lehrermangel und verbreitetem Analphabetismus in Grundschulen sei immerhin die Zahl der Schüler angestiegen.

Guardian 05.,15.,25.11.13; 01.05.14;

Entwicklungsstrategien - NGOs

Chinesische, niederländische und tansanische Experten diskutierten bei einem workshop der „Forschung zur Armutslinderung“ (REPOA – www.repoa.or.tz) über Entwicklungsstrategien. Man überlegte, ob wenig entwickelte Länder vorhandenen Modellen folgen sollten, wie dem westlichen oder dem chinesischen, oder ob jedes Land seinen eigenen Weg entwerfen und gehen müsse. Chinesische Teilnehmende hoben hervor, dass die Einstellung zur Arbeit und eine gemeinsame Vision und Willenskraft entscheidend seien. Wichtig sei auch politische Stabilität und eine starke Mittelklasse, die den Eliten selbstbewusst gegenübertreten könne.

Intensiv diskutierte man, ob finanzielle Unterstützung hilft oder hemmt. Der Vergleich dreier Länder weist darauf hin, dass die Kraft zu Eigenfinanzierung durch andauernde Finanzhilfe eher geschwächt wird. So steht in Sambia einem Steueraufkommen pro Kopf von USD 219 eine offizielle Entwicklungshilfe (ohne private Programme) von USD 93 pro Kopf gegenüber. In Tansania ist das Verhältnis USD 71 (Steuer) zu 58 (Hilfe). Das schwächste Land, Mosambik, bringt nur USD 66 an Steuern auf und empfängt USD 93 an Hilfe (alle Zahlen von 2008, pro Kopf der Bevölkerung).

Vizepräsident Dr. Bilal erklärte beim 10-jährigen Jubiläum der „Stiftung für Zivilgesellschaft“ (FCS – www.thefoundation.or.tz), die Regierung schätze den Beitrag der Nichtregierungsorganisationen, werde aber nicht dulden, dass ein negatives Bild Tansanias im Ausland gezeichnet werde, nur um an Hilfsgelder zu kommen.

Die Regierung will Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte weitgehend in Partnerschaft mit privaten Unternehmen voranbringen. Da sich das 2010 verabschiedete PPP-Gesetz (Public-Private-Partnership) als kontraproduktiv erwies, soll es nun modernisiert werden.

DN 01.,08.04.; 18.06.14; Guardian 14.11.13;

Projekte verschiedener Geber

Dänemark vergibt Tshs 10 Mrd. an tansanische Wissenschaftler, die für selbstgewählte Problemfelder in Landwirtschaft, Industrie oder Gesundheitswesen Lösungsansitze entwickeln wollen.

Schweden fördert mit Tshs 115 Mrd. ein dreijähriges Lesen-Schreiben-Rechnen-Programm für Grundschüler/innen. Schwerpunkt ist die Fortbildung von Lehrkräften in Vorschulerziehung, Grundschulen und Erziehungszentren für Schulaussteiger. Derzeit können nur 8% aller Elementarschüler/innen sinnerfassend lesen; bis 2019 sollen es 40% sein.

Japan finanziert Konstruktion und Reparatur von landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen mit Tshs 54 Mrd. Mit Tshs 78 Mrd. wird die Stromversorgung in Dar-Es-Salaam ausgebaut und die neue vierspurige Straße Dar-Es-Salaam – Bagamoyo gebaut.

China stellt Tshs 89 Mrd. für Bildungsförderung und Wasserversorgung zur Verfügung.

England speist den Fonds für Menschliche Entwicklung (HDF) mit Tshs 83 Mrd. für Bildung, Gesundheit und Hygiene. Laut Vizepräsident Dr. Bilal ging durch das hohe Bevölkerungswachstum seit dem Jahr 2000 die Zahl der städtischen Haushalte mit Wasserversorgung von 90% auf 79%, auf dem Land sogar von 46% auf 40%.

Die EU steuert Tshs 195 Mrd. bei für Infrastruktur und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. USD 10 Mill. stellt die EU zur Verfügung, um Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Tshs 136 Mrd. sollen die staatliche Finanzverwaltung und das Investitionsklima verbessern. Weitere Tshs 160 Mrd. von der EU fließen in das Schul- und Gesundheitswesen Tansanias.

Deutschland unterstützt Konservierungs- und Reparaturmaßnahmen im Serengeti Nationalpark mit Tshs 122 Mrd. - 30.000 Dorfbewohner bei Moshi werden mit Trinkwasser versorgt. Sie tragen 5% der Kosten (Tshs 1 Mrd.) selbst. - Mit € 14 Mill. unterstützt Deutschland die Hochschule für Medien und Kommunikation der Aga Khan Universität, die Journalisten und Medienfachleute ausbildet.

Italien gab € 2,7 Mill. an drei Ingenieurs-Hochschulen in Arusha, Dar-Es-Salaam und Mbeya. Neben modernster Ausstattung werden damit Stipendien finanziert, vor allem für weibliche Studierende. Dank des Online Stellenvermittlungsprogramms (TELMS – www.telms.org) stieg der Anteil der weiblichen Studierenden an den drei technischen Hochschulen von 3% auf fast 30%.

DN 17.12.13; 01.,21.01.; 09.,16.,22.05.14; EA Business Week 01.12.13; Guardian 06.11.; 21.12.13; 07.04.; 12.,13.;“!:05.14; Sabahi 25.10.13

Probleme bei Entwicklungsprojekten

Sechs Länder, darunter Deutschland, forderten insgesamt mehr als Tshs 600 Mill. zurück. Das Geld sei von korrupten Staatsdienern durch Fantasiepreise, exorbitante Tagesgelder und undurchsichtige Gebühren gestohlen worden. 2009 bis 2012 hatten die Geber für das „Reformprogramm für Lokale Verwaltungen“ € 16 Mill. zur Verfügung gestellt.

Der sansibarische Finanzminister erklärte, die Region hinge noch stark von ausländischer Finanzhilfe ab. Diese sei jedoch zurückgegangen. Bedrohlich sei das ungebrochen starke Bevölkerungswachstum. Daher müsse Familienplanung Vorrang in der Entwicklungskonzeption haben.

Citizen 26.11.13; DN 13.06.14

Themen der nächsten Ausgaben: Bevölkerungswachstum, Stadtentwicklung, Verkehr; Wasserversorgung; Kriminalität - Justiz