Schwerpunkt: Wirtschaftliche Entwicklung und Arbeitswelt: Unternehmen - 03/2016

Aus Tansania Information
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Mit einem Aufschwung bei Hochbau und Straßenbau wurden in den vergangenen 10 Jahren viele Firmen gegründet. Derzeit sind etwa 11.000 Unternehmen zugelassen. Weil sie Mindestanforderungen (Umweltschutz, Unfallschutz, Sozialleistungen, Steuern) nicht erfüllten, wurde 2015 385 Firmen (darunter 5 ausländischen) die Zulassung entzogen.

Guardian 08.03.15

Kleinbetriebe (SME)

Seit 20 Jahren fördert die „Entwicklungsorganisation für Klein-Industrien (SIDO) die Gründung kleiner und mittlerer Firmen (SME – Small and Medium Enterprises). Bisher wurden TZS 49 Mrd. als Investitionskredite an mehr als 74.000 SME-Gründer vergeben; 52% der Kreditsumme gingen an Frauen. 49.000 Kleinfirmen entstanden im städtischen, 25.000 im ländlichen Bereich in den Branchen Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung, Fischfang und Bergbau. Produktionsfirmen zahlen 18%, Dienstleister 22% Zinsen.

Kanada finanziert mit $ 11 Mill. ein Fünf-Jahresprogramm der SIDO für 1.760 SME in den Regionen Mwanza, Iringa, Lindi und Mtwara. Es soll 2.500 dauerhafte Arbeitsplätze schaffen

Die Kapitalmarkt-Aufsichtsbehörde lizensierte einen Aktienfonds (Umande Unit Trust), der Anlegergeld an Kleinunternehmen ausleiht.

Die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (Tochter der KfW) vergab einen Kredit von $ 20 Mill. an die tansanische Exim Bank, um günstige Kredite an SME zu fördern.

Die Frauenbank (TWB) bietet jungen Unternehmen eingetragene Grundstücke auf Kredit an, die sie in Raten abzahlen und als Sicherheit für Bankkredite nutzen können.

Mehrere junge Frauen erhielten Förderpreise für Internetportale, die kommerziell oder sozial Bildungsinhalte vermitteln:* www.ubongokids.com: bietet Lernstoff in Form von Comics, Trickfilmen und Liedern für 3- bis 6-Jährige.

  • www.shuledirect.co.tz: Sekundarschul-Lehrstoff für Schüler und Lehrkräfte.
  • www.ourcries.com: Beschwerden an die Verkehrsaufsicht für Mädchen, die von Buspersonal belästigt wurden.
  • www.appsandgirls.com; führt Mädchen in die Programmierung einfacher Anwendungen ein.
  • „Afya slice“: berät telefonisch zu Ernährungsfragen.


Ein Buchhalter wandte sich dem Gartenbau zu und verdiente mit Tomatenzucht auf einem halben Hektar in drei Monaten mit TZS 11 Mill. das Vierfache seines bisherigen Lohns.

Teilnehmende an einer Erfindertagung der Weltbank zu Energiefragen („Negawatt“) beklagten, dass Behörden und Staatsunternehmen kein Interesse an Innovationen zeigten. Der Entwickler eines Wasserzählers, der automatisch Wasserverluste meldet, schrieb diverse Stellen an, blieb aber ohne Antwort. Die Zähler werden weiter im Ausland gekauft.

Das Finanzamt gibt elektronische Erfassungsgeräte an 200.000 Kleinunternehmen (Umsatz zwischen TZS 14 und 99 Mill.) aus, um sie zur Steuerzahlung heranzuziehen.

Selbständige Straßenhändler in DSM fühlen sich, einem Wahlversprechen Magufulis entsprechend, weniger von Ordnungsbehörden beeinträchtigt. Ein Verkäufer von Kokosnüssen verdient zwischen TZS 20- bis 50.000 täglich.

Citizen 15.,19.12.15; 23.01.; 04.,17.02.16; DN 31.08.15; Guardian 01.07.; 25.12.15; 06.,17.,23.02.16

Große Unternehmen

Beispiel für eine gelungene Privatisierung ist die Kilombero Sugar Company unter südafrikanischer Leitung. Mit 130.000 t jährlich produziert sie 40% des tansanischen Zuckers, sowie 12 Mill. l trinkbaren Alkohol. Sie hat 10.000 ha eigene Pflanzungen und kauft Zuckerrohr von 17 Pflanzergenossenschaften. Die KSC zahlt pro Jahr TZS 22 Mrd. Steuern. Sie beschäftigt 4.000 Angestellte und 6.000 Gelegenheitsarbeiter. Die Firma wurde wiederholt für ihre Arbeitnehmer-Freundlichkeit ausgezeichnet und stiftete ein Krankenhaus.

Auch die Mazava-Textilfabrik in Morogoro erlebte unter chinesischer Leitung einen Aufschwung und beschäftigt nun 2.400 Mitarbeidende, überwiegend Frauen.

Die Großbrauerei TBL („Kilimanjaro Premium“, „Safari Lager“) will ihre Produktion und damit ihre Steuerzahlungen in den nächsten fünf Jahren verdoppeln. Bisher führen Tanzania Breweries jährlich TZS 400 Mrd. an die Staatskasse ab und sind damit der größte Steuerzahler. Das Unternehmen, das 2.100 Angestellte beschäftigt, wurde vom Unternehmerverband zum besten Unternehmen gewählt und mehrfach für Management, Qualitätsbewusstsein, Produktivität und Sozialleistungen ausgezeichnet. Es führt seinen Erfolg auf ein ausgeklügeltes Motivations-System zurück. Die Firma wurde auch vom Internationalen Institut für Spitzenqualität (Brüssel) ausgezeichnet. - Die letzte Regierung hatte den verbliebenen 4%-Anteil des Staates an TBL verkauft, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Tansania verfügt über acht große Zementhersteller mit einer Kapazität von 6 Mill. Jahrestonnen. Die größte Fabrik ist die des nigerianischen Milliardärs Dangote in Mtwara (3 Mill. t jährlich). Im Inland werden etwa 4 Mill. t abgesetzt. Tansanischer Zement wird nach DR Kongo, Burundi und Ruanda exportiert. Die Produzenten konkurrieren aber auch mit Importen aus dem Mittleren Osten und klagen über hohe Energie- und Transportpreise in Tansania. Die Zementindustrie entrichtet jährlich etwa TZS 100 Mrd. Steuern. Die größten Zementwerke gehören mehrheitlich ausländischen Firmen (Nigeria, Frankreich, Deutschland, Mauritius).

Citizen 14.12.15; 09.01.16; DN 06.,25.08.; 13.10.; 22.12.15; 01.02.16; EA Business Week 26.07.15; Guardian 11.08.; 17.10.15

Staatliche Unternehmen

514 privatisierte, vormals staatliche Firmen müssen dem staatlichen Vermögensverwalter detaillierte Berichte darüber vorlegen, wie weit die Vereinbarungen zur Rehabilitierung eingehalten wurden, und Angaben zu Gewinnen, Beschäftigung, Steuer- und Versicherungszahlungen machen. Bei Vertragsbrüchen droht die Wiederverstaatlichung. Es zeigt sich bereits, dass viele Betriebe ausgeschlachtet, vernachlässigt, aufgegeben oder zweckentfremdet wurden. Z.B. gibt es auf dem Gelände einer großen Geflügelfarm in DSM kein einziges Huhn, aber ein blühendes Vergnügungsviertel mit zahlreichen Bars, Discos, Sportstätten, Geschäften und Restaurants, die sich zu einem „Mekka der Schweinebraten-Liebhaber“ (Guardian) entwickelt haben.

Viele Käufer erwarben die bankrotten Staatsfirmen billig, und zwar nicht in der Absicht, sie zu entwickeln, sondern, um als Grundbesitzer an günstige Kredite zu kommen. Dabei spielten sehr oft Korruption und Vetternwirtschaft eine Rolle.

Der Nationale Arbeitsdienst (JKT) schloss mit der polnischen Traktorenfabrik Ursus einen $-55-Mill.-Vertrag zum Aufbau eines Montagewerks für Traktoren. 2.500 Mitarbeiter sollen jährlich 2.500 Traktoren aus angelieferten Komponenten montieren.

Die nationale Gefängnisverwaltung verfügt über große Ackerflächen und Betriebe, die allerdings stark heruntergekommen sind (u.a. Holz-, Leder-, Textilverarbeitung). Die Gefängnisbetriebe (TPS) suchen nun nach privaten Investoren, die Kapital und technisches Wissen einbringen. So hofft man, kostendeckend zu arbeiten und von Subventionen unabhängig zu werden. Ursprünglich sollten sich die Gefängnisse selbst finanzieren. Dies gelingt nur selten, wie in Morogoro-Idete, wo die Gefangenen 2014 mit der Zucht von Reis-Saaten TZS 255 Mill. erwirtschafteten.

Eine privatisierte Teefabrik in Bumbuli / Lushoto wurde nach jahrzehntelangen Querelen mit den Lieferanten und offenen Schulden provisorisch vom Staat übernommen, bis ein neuer Investor gefunden ist.

Der Staat kaufte für $ 1 Mill. 26% der Anteile an der Reifenfabrik General Tyres von der deutschen Continental zurück. Die Firma soll zunächst von der staatlichen Entwicklungskörperschaft in Partnerschaft mit privaten Unternehmern fortgeführt werden und 400.000 Reifen jährlich produzieren.

Auch 35% Anteile an der angeschlagenen staatlichen Telekommunikationsfirma TTCL will Tansania für $ 7 Mill. von der indischen Bharti Airtel zurückkaufen, um die unter-kapitalisierte Firma arbeitsfähig zu halten. Sie steht in Konkurrenz mit Vodacom (mehrheitlich Südafrika), Airtel (Indien), Tigo (Schweden) und Zantel (Dubai). TTCL vereinbarte mit der chinesischen Huawei, auch entlegene Ortschaften mit modernen Funknetzen (LTE- Technik) zu erschließen.

Die neue Regierung will zur besseren Kontrolle eventuelle Gewinne von Staatsbetrieben nicht durch diese reinvestieren lassen. Die Finanzverwaltung soll sie einziehen und benötigtes Kapital ausreichen. Die Opposition befürchtet, dass dies nur die Bürokratie fördern wird.Business Times 16.01.15; Citizen 20.11.15; DN 07.06.; 23.10.; 19.11.15; 03.,04.02.16; Guardian 28.01.; 22.08.15; 03.01.16;