Schwerpunkt: Jugendliche in Tansania - Traditionelle Gewalt gegen Mädchen - 11/2015

Aus Tansania Information
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Mehr als die Hälfte der tansanischen Bevölkerung ist jünger als 24 Jahre (Das Jugendministerium gibt 35% an). Da immer noch viele Unter-18-Jährige bereits Kinder bekommen (23%), wird sich der Anteil der Jugendlichen weiter vergrößern.

DN 23.22.14; 01.04.15

Genitale Verstümmelung

Nach dem UNICEF-Bericht von 2014 leben in Tansania etwa 7,9 Mill., d.h. 15% der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren, mit Genitalverstümmelung (1996 noch 18%). Besonders betroffene Regionen sind: * Manyara mit 71% der Frauen und Mädchen

  • Dodoma 64%
  • Arusha 59%
  • Singida 51%
  • Mara 40%
  • Kilimanjaro 22%
  • Morogoro 21%
  • Tanga 20%
  • Iringa 13%

Geringe Raten von 1% oder weniger finden sich in den Regionen Kagera, Kigoma, Lindi, Mbeya, Mwanza, Rukwa und Shinyanga. Völlig frei von dem Übel sind die Regionen Mtwara, Pemba und Süd-Sansibar.

Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien (Female Genital Mutilation – FGM) wurde in traditionellen Gesellschaften als Initiation in das Leben als erwachsene Frau und die Werte des Volkes begangen. Heute gilt sie offiziell als Erniedrigung von Mädchen und Frauen mit schwerwiegenden gesundheitlichen und seelischen Beeinträchtigungen, häufigen Todesfällen, sowie deutlich erhöhter Sterblichkeit von Müttern und Neugeborenen.

In Tansania ist die genitale Verstümmelung seit 1998 gesetzlich verboten und mit fünf Jahren Gefängnis bedroht. Da das Verbot in TZ weniger konsequent durchgesetzt wird als in Kenia, lassen sogar kenianische Mütter und Tanten ihre Mädchen in Tansania „beschneiden“.

Erfreulicherweise nehmen die öffentliche Aufmerksamkeit und die Zahl der Anzeigen stetig zu. Allerdings hatte dies zur Folge, dass die Praxis in den Untergrund gedrängt wurde. Mehr und mehr werden nun Säuglinge unter einem Jahr der Prozedur unterzogen (ihr Anteil wuchs nach UNICEF-Bericht von 28% auf 32%). „Amref Health Africa“ bezeichnete es als besorgniserregend, dass inzwischen 18% der „Beschneidungen“ illegal und gegen jegliche Berufsethik von Hebammen und Chirurgen vorgenommen werden.

In von Wakurya bewohnten Vierteln Dar-Es-Salaams verstümmeln arme Seniorinnen alljährlich im Dezember junge Mädchen für je TZS 20.000 (€ 4,30). Angesichts der vielfachen Gefährdungen Jugendlicher in Städten und Großstädten klammern sich viele Familien an alte Traditionen, auch wenn sie unzeitgemäß sind. Andere Begründungen für die Verstümmelung wie die imaginäre Krankheit „lawalawa“ (Juckreiz) in Zentraltansania werden mit zunehmender Hygiene gegenstandslos.

DN 27.10.14; 06.,08.,09.02.: 15.07.; 27.09.15; Guardian 21.02.15; Star 23.04.15

Kampf gegen FGM, erste Erfolge

In den tansanischen Medien nehmen Berichte und Stellungnahmen gegen die weibliche Genitalverstümmelung einen festen Platz ein. Jährlich am 06. Februar wird der „Tag der Null-Toleranz für FGM“ begangen.

Die Witwe des früheren südafrikanischen Präsidenten Mandela, Graca Machel, besuchte die Distrikte Tarime und Serengeti, um den Kampf gegen die FGM zu unterstützen. Sie lobte die Mädchen, die sich in Schutzzentren geflüchtet hatten: „Ihr seid Heldinnen wie unsere Anführer, die den Kolonialismus abserviert haben“. Machel beglückwünschte auch Beschneiderinnen („Ngariba“), die ihre Werkzeuge öffentlich niederlegten und versprachen, ihre Praxis aufzugeben.

Initiativen von Kirchen / Religionen

FGM ist in den nordwest-tansanischen Distrikten Tarime, Serengeti und Butiama besonders verbreitet. Der „Tansanische Christenrat“ (CCT) geht seit 2014 energisch dagegen vor (Bericht in englischer Sprache auf: www.cct-tz.org/the-terrible-december). In mehrtägigen Kursen werden Jungen und Mädchen eingehend über Auswirkungen der FGM und die einschlägige Rechtslage informiert. Im Religionsunterricht an Grundschulen werden Klubs zur offenen und kritischen Diskussion der FGM gebildet. Besonders wirksam ist die Aufklärung Erwachsener im Rahmen der kirchlichen und gemeindlichen Sparkassen (Vicoba). Mutige Mitglieder verhinderten Verstümmelungen und ermöglichten die Verhaftung von Schuldigen (Fotostrecke auf: www.cct-tz.org/fgm-caught-red-handed-in-pics).

Die Schutzzentren in Masanga / Tarime (kath. Kirche) und Mugumu / Serengeti (anglikanische Kirche) gewähren schutz-suchenden Mädchen Zuflucht. Während ihres Aufenthalts werden die Mädchen über die Problematik von FGM, traditionellen Ehen zwischen alten und jungen Frauen, Frauen-Vererbung und HIV/AIDS unterrichtet. Weitere Themen sind Menschenrechte, Sexualkunde, traditionelle Werte der Wakurya-Gesellschaft. Der Aufenthalt endet mit einer Zeremonie, die den blutigen traditionellen Ritus ersetzen soll. Die Schutzzentren werden aus Europa, von den Distrikten und von der Mara-Goldmine finanziell unterstützt. Wegen finanzieller Engpässe müssen die Mädchen spätestens nach drei Monaten nach Hause zurückkehren. Einige Mädchen, die aus Angst erneut zum Zentrum kamen, konnten wegen Nahrungsmangels nicht aufgenommen werden und wurden schließlich doch noch verstümmelt.

Zivilgesellschaftliche Kampagnen

Neben den Kirchen engagierten sich im Kampf gegen die FGM das „Children's Dignity Forum“ (CDF), der UN-Population Fund, der „Graca Machel Trust“ und „Forward UK“ in dem gemeinsamen Programm „FGM beenden“. Das Children's Dignity Forum (www.cdftz.org) hat nach eigenen Angaben 18.000 Mädchen in der Mara-Region vor Verstümmelung und etwa 5000 vor Frühverheiratung bewahrt. Dabei bewährten sich besonders 45 Mädchenclubs, die Information und Zusammenhalt vermitteln. Zur Zeit läuft in der Mara-Region die Kampagne „Mara – kinderehenfreie Region“.

„Plan International“ (PI) klärt mit EU-Finanzierung im Tarime-Distrikt 1800 Jugendliche über Sexualfragen und Frauenrechte auf. PI arbeitet in diesem 2-Jahres-Programm mit den Fußball-Organisationen Tanzania Football Federation und TackleAfrica (www.tackleafrica.org) zusammen, um auch männliche Jugendliche zu erreichen.

Das CDF konnte erstmals 60 Älteste des Wakurya-Stammes zu einem Seminar über die gesundheitlichen, sozialen und rechtlichen Aspekte der FGM versammeln. Nach eingehenden Diskussionen beschlossen die Teilnehmer, die laufenden Kampagnen gegen FGM zu unterstützen, jedoch, ohne sich auf einen Zeitrahmen festzulegen. Das grausame Ritual soll durch einen symbolischen Übergangsritus (Traditionelle Unterweisung, Festmahl und Gesichtsbemalung mit Mehl) ersetzt werden. Mädchen sollen sich dieser modernisierten Initiation mit 17 Jahren, nach Abschluss ihrer Schulzeit, unterziehen. Damit soll auch die Verheiratung Minderjähriger eingeschränkt werden.

Das CDF organisierte auch erstmals ein Treffen von religiösen Anführern (Tarime Interfaith Forum) und traditionellen Ältesten. Alle würdigten dieses Ereignis als historisch und erhoffen sich einen Durchbruch im Kampf um die Menschenrechte der Frauen und Mädchen.

Anti-FGM-Aktive erreichten, dass in den Regionen Kilimanjaro und Manyara 200 Beschneiderinnen ihre Tätigkeit aufgaben und ihre Werkzeuge öffentlich niederlegten. (Ähnliche öffentliche Berufsverzichte wurden aus Dodoma [83], Ruvuma [202] und Singida [96] gelmeldet.) Das „Netzwerk gegen FGM“ (www.nafgem. com) führte in den Distrikten Hai, Romba, Same und Simanjiro Kinderlager für 800 Schüler/innen durch, um über die FGM zu unterrichten. Die Organisation erreichte, dass auf einem Treffen von Maasai-Ältesten die FGM-Praktiken verurteilt wurden.

„AMREF Health Africa“ startete in der Tanga-Region ein Drei-Jahres-Projekt „Alternative Übergangsriten“ (ARP). Mit einem Budget von TZS 1,4 Mrd. (finanziert von der niederländischen Postleitzahl-Lotterie) wird der Wamaasai-Bevölkerung die Problematik der FGM und ein alternatives Initiationsritual aufgezeigt, das in Loitokitok und Samburu (Kenia) bereits praktiziert wird. Älteste (laigwanan), traditionelle Hebammen (ngariba) und junge Männer (moran) besuchten die Feiern in Kenia und zeigten sich bereit, neue Initiationsformen aufzugreifen. Stabilisierende Aspekte der Tradition werden dabei bewahrt, destruktive dagegen aufgegeben. Die Initiation der Mädchen (ndito) soll möglichst nach Abschluss der Primarschule stattfinden, um Frühehen zu vermeiden und so den Mädchen ermöglichen, im Bildungsbereich aufzuholen. Im Kilindi-Distrikt durchliefen seit 2013 810 Wamaasai-Mädchen das ARP-Programm. Es wird jeweils mit spektakulären Gesängen und Tänzen gestaltet.

Die Ministerin für Geschlechterfragen und Kinder unterzeichnete für die tansanische Regierung die Charta des „Internationalen Mädchen-Gipfels“, den die UNESCO 2014 in London veranstaltet hatte. Dies unterstreiche, dass sich Tansania dem internationalen Kampf gegen das Übel anschließt.Die Charta hat zum Ziel, FGM, sowie Früh- und Zwangsheirat innerhalb einer Generation zu beenden. Die neue Verfassung werde die Rechte von Mädchen und Frauen festschreiben und schützen, so die Ministerin.

Die Interparlamentarische Union und der UNICEF verliehen Sansibar den Zukunfts-Preis für Kinderrechte 2015 für seine neuen Kinderschutzgesetze und die Einrichtung von Kinderschutz-Komitees, Gerichten für Kinderschutz und konsequente Schulung von Polizei und Wohlfahrtsbeamten in Fragen des Kinderschutzes.

Citizen 30.10.14; 17.05.15; DN 20.06.; 09.,31.10.14; 09.,26.01.; 06.,11.02.; 13.,27.03.; 09.04.; 08.05.; 19.06.; 15.07.; 07.08.; 21.,27.09.15; CCT-Portal 10.12.14; 22.01.15; Guardian 09.,11.02.; 24.10.15

Früh- und Zwangsheirat

Tansania ist das Land mit den meisten Heiraten von minderjährigen Mädchen. 37% aller Mädchen werden verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind (2004 noch 41%), in der Shinyanga-Region sind es sogar 59%, in Tabora 58%, Mara 55%, Dodoma 53%, Lindi 48%, Mbeya 45%, Morogoro und Singida 42%, Rukwa 40%, Ruvuma 39%, Mwanza 37%, Kagera 36%, Mtwara 35%, Manyara . 34%, Küste 33%, Tanga, Arusha, Kilimanjaro 27%.

Die Rechtslage ist unklar: Das Gesetz zu Sexualverbrechen definiert Kinder unter 16 als minderjährig. Das Kindergesetz (2009) stellt alle unter 18 Jahren unter seinen Schutz. Das Ehegesetz von 1971 erlaubt jedoch Mädchen ab 15 Jahren mit Zustimmung der Eltern zu heiraten, mit Erlaubnis eines Gerichts sogar ab 14 Jahren. Es widerspricht damit auch mehreren panafrikanischen und UN-Abkommen, denen TZ beigetreten ist. Das Gesetz zu Lokalen Gebräuchen von 1963 erlaubt jeder ethnischen Gruppe, ihren Gebräuchen zu folgen. Auf Sansibar ist es zwar untersagt, Minderjährige zur Heirat zu zwingen. Allerdings bestimmt das Gesetz von 1982 eine lächerliche Geldbuße von TZS 3500 (€ 1,50) und ist damit völlig wirkungslos. Vielfach wird gefordert, die einschlägigen Gesetze zu revidieren und internationalen Normen anzupassen.

Eine Untersuchung der „Tansanischen Medienfrauen“ (TAMWA) auf Sansibar ergab, dass Kampagnen gegen geschlechterbezogene Gewalt zwar Zwangsheiraten, nicht aber Kinderehen zurückgedrängt haben. Letztere würden mit der islamischen Tradition gerechtfertigt, derzufolge ein Mädchen mit Eintritt der Pubertät verheiratet werden könne. Eine frühe Heirat verhüte unmoralisches Verhalten. Akademische Islamlehrer treten dieser Auffassung heute entgegen. Sie weisen darauf hin, dass Kinderehen instabil sind und die Mädchen keine Bildungschance erhalten. Die Medienfrauen sehen das Grundproblem darin, dass Mädchen und Frauen Menschenrechte vorenthalten werden, die für Männer selbstverständlich sind.

Typische Frühheirats-Opfer sind Mädchen ohne Schulbildung (61% von ihnen heiraten unter 18 Jahren, mit Grundschulbildung (39%), sowie aus armen und ländlichen Herkunftsfamilien. Wirtschaftliche und Bildungsarmut werden damit quasi vererbt. Daher fördert die Regierung Mädchen, die Sekundarschulen besuchen und erlaubt nun auch Schwangeren und Müttern, die Schule weiter zu besuchen.

„Children's Dignity Forum“ (CDF) und „Plan International“ führen derzeit eine Umfrage durch, um Ursachen, Meinungen und Auswirkungen der Verheiratung Minderjähriger in Tansania zu erforschen. Eine Studie von „Human Rights Watch“ in 12 Distrikten identifizierte als Hauptursachen der Frühehen: Brautgeld, Kinderarbeit, Schulversagen, Frühschwangerschaften, Missbrauch und Vernachlässigung von Mädchen. (Videoclip zur Thematik: www.youtube.com/ watch?v=jQvoNQsl6uU). Besonders häufig werden Waisen von ihren Betreuern zu früher Ehe gezwungen, um schnell einen Brautpreis für sie zu erhalten. Manche jungen Frauen flüchten auch aus schwer erträglichen Arbeitsverhältnissen in eine Ehe.

Im Tarime-Distrikt wurden allein im ersten Halbjahr 2015 984 Kinder zur Heirat gezwungen. Eine Mutter berichtet, ihr Ehemann habe zwei ihrer Töchter (8 und 11 Jahre alt) zur Heirat mit kinderlosen, alten Frauen gezwungen, um Geld für ein Motorrad und eine Zweitfrau zu bekommen. Als sie ihre Kinder verteidigte, verletzte sie ihr Mann mit einem Pfeil.

Die Wakurya-Ältesten im Tarime-Distrikt versprachen bei verschiedenen Treffen mit CDF, Plan International (PI) und dem Interreligiösen Forum, am Kampf gegen Frühschwangerschaften und Verheiratung von Kindern mitzuwirken. Sie verboten in diesem Zusammenhang Jungen und Mädchen, aufreizende Kleidung zu tragen.

PI berichtet von einer 16-Jährigen im Kisarawe-Distrikt, die von ihrem Vater für 150 Rinder einem alten Mann zur Ehe gegeben worden war. Mit Unterstützung hilfsbereiter Menschen konnte sie fliehen und besucht nun wieder die Schule.

Das „Netzwerk gegen FGM“ (NAFGEM) rettete im Siha-Distrikt (Kilimanjaro) 15 Maasai-Schülerinnen vor der bevorstehenden Verheiratung. NAFGEM organisierte ein Kinderfestival, bei dem Schüler/innen Lieder, Gedichte, Szenen und Plakate gegen sexuelle Gewalt und für das Recht auf Schulbildung präsentierten. Eine 15-Jährige hielt eine bewegende Ansprache: Häufig sicherten sich Männer mit einer kleinen „Anzahlung“ (einige kg Zucker und Teeblätter) die Option, eine Schülerin demnächst zu ehelichen. Auch für die 15 geflüchteten Schülerinnen sei bereits der Brautpreis hinterlegt und zum Teil verbraucht worden.

Die Delegierte der Schülerinnen überreichte der Distrikts-Sekretärin eine Liste von Mädchen, die verheiratet wurden und den Schulbesuch abbrechen mussten. Eine weitere Liste enthält die Namen von Eltern, die ihre Töchter demnächst beschneiden und verheiraten wollen. Die Rednerin lobte die Lehrkräfte, die sich mutig für ihre Schülerinnen einsetzten, auch gegen Drohungen und Bestechungsversuche. Sie bat um Telefonnummern unbestechlicher Geschlechter-Beauftragter im Distrikt.

Viele als Minderjährige verheiratete Frauen berichten von Gewalt- und Ausbeutungserfahrungen durch den Ehemann und die Schwiegerfamilie. Die Wenigsten können eine Ausbildung abschließen. Da viele frühzeitig vom Ehegatten wieder verlassen werden, können sie ihre Kinder nur mit Mühe ernähren. Die Kinder wiederum wachsen in Armut und Bildungsferne auf. Dadurch und durch Anfälligkeit für Krankheiten, sowie erhöhte Mütter- und Kindersterblichkeit entstehen der Gesellschaft hohe Kosten.

Die frühere First Lady in Mosambik und Südafrika, Graca Machel, warb bei einem offiziellen Besuch in Tansania für eine Allianz von Gesetzgebern, Regierungsstellen, traditionellen und religiösen Führungspersonen, Lehrkräften und NRO, um das Übel der Früh- und Zwangsheiraten zu beenden.

Citizen 02.,30.11.14; 12.09.15; DN 07.08.; 25.10.14; 12., 14.01.; 11.02.; 21.02.; 11.03.; 25.05.; 19.06.; 30.09.15; Guardian 23.01.; 11.02.; 30.06.15; HRW Press Release 29.10.14

Minderjährige Schwangere

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird die Hälfte aller Kinder von minderjährigen Müttern geboren. Besonders hohe Raten weisen die Regionen Dodoma, Mbeya, Manyara und Mara auf. 40% der Frauen haben als Teenager eines oder mehrere Kinder, 13% wurden als Kinder sexuell belästigt. Allein in Dar-Es-Salaam wurden 2013 21.042 Kinderschwangerschaften registriert. Mit 123 auf 1000 Geburten hat Tansania weltweit die höchste Fruchtbarkeitsrate Heranwachsender (15 bis 19 Jahre).

Neuerdings werden Kinder-Schwangerschaften dadurch begünstigt, dass zwar viele Mädchen Sekundarschulen besuchen, am Schulort aber ohne Aufsicht in gemieteten Zimmern wohnen. So wird ihnen gerade der Bildungsweg zum Verhängnis, der ihnen ein unabhängigeres und selbstbestimmtes Leben ermöglichen sollte. Weitere Ursachen unerwünschter Schwangerschaften sind: weite Schulwege, Fehlen von Schul-Mahlzeiten, Unwissenheit, traditionelle Tänze und Verführung durch wohlhabende Männer.

Die Folgen der vielen Teenager-Schwangerschaften sind verheerend: Gefährliche Abtreibungen, wegen Schulabbruchs ungebildete Mütter, Geburtskomplikationen (häufig Fistula), zu viele, schlecht ernährte und vernachlässigte Kinder, verlassene Kinder, erhöhte Mütter- und Kindersterblichkeit.

Die Präsidentengattin Salma Kikwete startete eine neue Kampagne gegen Kinderschwangerschaften „Schütze dich, damit du deinen Traum leben kannst“. Sie forderte Eltern und Erzieher auf, besonders ihre Mädchen eingehend aufzuklären und dies nicht den Schulen allein zu überlassen.

Das Projekt „Tansanische Männer als ebenbürtige Partner (TMEP) erreichte in der Rukwa-Region, dass die Kinder-Schwangerschaften in Grundschulen um 50%, in Sekundarschulen um 48% zurückgingen. Lehrkräfte wurden geschult, um ihren Schüler/innen sexualkundliche und rechtliche Informationen zu vermitteln.

Vodacom um USAID fördern das von T-MARC (www.tmarc.or.tz) in der Mtwara-Region realisierte Projekt „Hakuna Wasichoweza“ („Mädchen können alles“). Speziell geschulte Lehrkräfte, traditionelle Hebammen und Schülerinnen veranstalteten Kurse für etwa 6.000 Mädchen im Grundschulalter. Damit sollen Teenager-Schwangerschaften, Schulabbrüche und AIDS-Infektionen vermieden werden. Das Projekt soll auf die Lindi-Region ausgedehnt werden, wo ebenfalls viele Schülerinnen wegen Menstruationsproblemen Schultage versäumen.

Business Times 20.02.15; Citizen 13.07.15; DN 09.04.; 11.06.; 28.07.; 20.10.15; Guardian 14.06.; 03.11.14; 25.02.; 28.08.15