Schwerpunkt: Jugendliche in Tansania - Sexuelle Gewalt - 11/2015

Aus Tansania Information
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Mehr Fälle werden bekannt

Einer Studie des Gesundheitsministeriums von Anfang 2015 zufolge erfahren 30% der Mädchen und 17% der Jungen unter 18 Jahren sexuelle Gewalt. Besonders gefährdet sind Mädchen vom Land, die in städtischen Haushalten arbeiten. Sie gelten als weniger HIV-gefährdet und werden nicht selten von Arbeitgebern missbraucht.

Eine ILO-Studie weist darauf hin, dass die gewerbsmäßige sexuelle Ausbeutung von Kindern in den städtischen Zentren zunimmt. Besonders Straßenkinder sind davon betroffen. Die Polizei auf Sansibar geht Hinweisen nach, dass ein kommerzieller Ring Mädchen vom Festland für sexuelle Dienstleistungen anwirbt. Mit zunehmenden Touristenzahlen steigt offenbar die Nachfrage.

Plan International führt in den Distrikten Kibaha und Kisarawe (Küstenregion) ein Zwei-Jahresprogramm „Gewalt gegen Kinder“ durch. Dabei stellte sich heraus, dass wesentlich mehr Mädchen sexuell missbraucht wurden als bisher bekannt. Während 2014 zehn Fälle angezeigt wurden, waren es 2015 59 Fälle. Viele Missbrauchsfälle ereignen sich während der traditionellen Tänze der Wazaramo. Hinzu kommt der Aberglaube, dass Verkehr mit Minderjährigen venerische Krankheiten einschließlich AIDS heilen könne. Regierungsvertreter auf Sansibar forderten die muslimischen Geistlichen auf, aktiv gegen die zunehmende Vergewaltigung von Kindern und Frauen vorzugehen. Alle Täter müssten vor Gericht gestellt werden.

Die Direktorin des Menschenrechtszentrums sagte, jährlich würden in TZ etwa 800 Fälle von Kindesmissbrauch vor Gericht gebracht. Fast immer seien nahe Verwandte oder Lehrkräfte die Täter (92,4%). Die Dunkelziffer muss aber beträchtlich sein, da ungefähr 8.000 Schülerinnen jährlich den Schulbesuch wegen Schwangerschaft abbrechen. Je näher der Täter dem Opfer steht, desto seltener wird Anzeige erstattet.

DN 07.08.22.09.; 18.11.; 08.,30.12.14; 08.04.15; Citizen 13.07.; 12.09.; 17.10.15; Guardian 22.11.14

Zusammenfassung

Sexuelle Gewalt richtet sich überwiegend gegen Mädchen, während Jungen in erster Linie unter wirtschaftlicher Ausbeutung leiden. Betroffene akzeptieren das Unrecht weniger als früher und suchen Hilfe.

Es gibt zwei Ursachenkomplexe:

  • Kommerzielle Ausbeutung im wachsenden Markt für (Zwangs-) Prostitution
  • Ein Geflecht von Stammestraditionen, die männliche Dominanz sichern sollen; Diese unterstützt eine reaktionäre Theologie, vor allem unter Muslimen, teilweise aber auch unter Christen.

Abhilfe:

* Gesetzliche Maßnahmen sind notwendig, genügen aber nicht.

  • Aufklärung aller Beteiligten und Allgemeinbildung leisten einen wichtigen Beitrag (Kirchen, NRO, Medien). Dabei verspricht ein dialogischer Ansatz Erfolg, der die Verunsicherung traditioneller Gesellschaften berücksichtigt.
  • Entscheidend ist, ob das westliche Konzept der Rechte des Individuums, auch des Kindes, von allen Altersstufen und Geschlechtern aufgenommen werden kann, ohne in Regellosigkeit und Willkür auszuarten (Beispiele: Drogen, Promiskuität, Kriminalität). Hierzu können die Religionsgemeinschaften einen wichtigen Beitrag leisten.

[Redaktionelle Zusammenfassung]