Schwerpunkt: Jugendliche II: Berufliche Perspektiven - 12/2015

Aus Tansania Information
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Düstere Aussichten

Tansanias Bevölkerung wächst jährlich um 1,2 Mill. Menschen. Nach einer Erhebung von „Restless Development“ (www. restlessdevelopment.org) 2013 wird es in Tansania bei anhaltend hoher Geburtenrate und abnehmender Kindersterblichkeit für die nächsten 30 Jahre eine „Jugendschwemme“ geben.

Bereits jetzt drängen jährlich 900.000 Jugendliche, darunter 150.000 Universitätsabsolventen, neu auf den Arbeitsmarkt, wo jedoch nur etwa 50.000 neue Arbeitsplätze entstehen. In Dar-Es-Salaam suchen 20% der Jugendlichen mit Sekundarschul-Abschluss eine Anstellung, auf Sansibar sind es gar 56%. Die Zahl ausgebildeter Jugendlicher, die keine Arbeit finden ist hoch und wächst schnell. Dies nutzte ein 27-Jähriger aus. Er gab sich als Kommandant der Polizeiakademie Moshi aus und versprach, gegen ein Bestechungsgeld Ausbildungsplätze bei der Polizei zu beschaffen. Er betrog Eltern von arbeitssuchenden Jugendlichen um TZS 11 Mill. Statistiken der ILO zeigen, dass lukrative Jobs überwiegend mit jungen Leuten aus wohlhabenden Familien besetzt werden.

Die „Internationale Organisation für Immigration“ (IOM) warnte Jugendliche in DSM davor, illegal in Europa einzuwandern. Mit Hilfe der IOM zurückgekehrte Jugendliche berichteten, wie ihre Pläne gescheitert waren.

Die Ostafrikanische Gemeinschaft gab bei einer Jugendkonferenz bekannt, Tansania habe die meisten Arbeitsplätze in der Region geschaffen (Zuwachs 19% jährlich). Jugendliche hätten Berufsaussichten vor allem in Informatik und Telekommunikation.

Citizen 09.12.14; DN 14.05.; 06.08.15; Guardian 30.,31.01.; 22.02.; 03.05.15

Landwirtschaft

Obwohl in städtischen Zentren mehr junge Menschen eine Ausbildung haben, gibt es dort mehr Arbeitslose als auf dem Land, wo die Meisten informell in der Landwirtschaft arbeiten. Diese Arbeit wird jedoch von Vielen als schmutzig, wenig ergiebig und perspektivlos betrachtet. Fruchtbares Ackerland ist für Jugendliche kaum zu bekommen. Daher wandern Viele in die Städte, wo sie meist ein prekäres Leben als Straßenhändler führen. Bei der „Meru Farmers Fair“ wurde bedauert, dass viele Jugendliche die Landwirtschaft aufgeben, um mit Motorrad-Taxis (boda boda) zu arbeiten. Dies sei hoch gefährlich und besonders bedenklich, wenn sie Familienland verpfänden, um kurzlebige Motorräder zu kaufen.

Ein Experte der Sokoine-Landwirtschafts-Universität sagte, viele Jugendliche mit landwirtschaftlicher Ausbildung könnten produktiv arbeiten, wenn die Regierung ihnen in großem Stil Land zuweisen und Kredite gewähren würde. Generell sollte das Leben auf dem Land attraktiver werden durch bessere Versorgung mit Wasser, Elektrizität und Kommunikationswegen.

Arusha Times 21.11.15; Guardian 03.12.14; Restless Development Report 2013

Berufliche Förderung Jugendlicher

In Tansania gibt es derzeit 501 anerkannte Berufsbildungs-Einrichtungen. Allerdings wird unterschiedlich beurteilt, wie realitätsnah ihre Lehrpläne und Methoden sind. „Soft skills“ wie Sozialkompetenz, kritisches Denken, Innovationsfreudigkeit und Kreativität werden noch kaum gefördert.

Die Schweizer „Stiftung für Technische Bildung“ (www.ftefoundation.org) schult seit 2004 Jugendliche in Arusha, Iringa und Mafinga in Elektronik und Informatik. Ihre Fachleute beraten auch landesweit Berufsschulen (VETA-Centres), deren Absolventen wegen der theorie-lastigen Lehrpläne Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden.

Die IPP-Mediengruppe veranstaltet regelmäßig Wettbewerbe für Geschäftsideen, um junge Menschen zu ermutigen, eigene Unternehmen zu gründen. Nur so könne das stetig wachsende Heer arbeitsloser Akademiker verringert werden und aus Job-Suchern Job-Anbieter werden. Monatlich kann ein Bewerber eine Starthilfe von TZS 10 Mill. gewinnen.

Die „Cambridge Development Initiative“ bietet Unternehmer-Kurse für Uni-Studierende an. Die Besten erhalten $ 9000 Startkapital.

Mit einem Gesetz von 1993 wurden in allen Distrikten revolvierende Fonds eingerichtet, die Investitions-Kredite an Jugendgruppen vergeben sollen. Das Büro des Premierministers gab zu, dass bei weitem nicht die vorgeschriebenen 10% der Gesamteinnahmen für diesen Zweck reserviert werden. Zudem tilgen die Schuldner ihre Kredite kaum. 2013 wurde nur ¼ der Kreditsumme zurückgezahlt, so dass der Zweck des Fonds nicht erreicht wurde. Die Distriktschefin von Mbinga kritisierte die Anspruchshaltung mancher jungen Leute: sie wollten Schulungen nur besuchen, wenn sie Tagungsgelder bekämen.

Die „Kommission für Universitäten“ (TCU) entwickelte ein Fünf-Jahres-Programm, das Studierenden in den Bereichen Landwirtschaft, Energie, Tourismus, Logistik und Öl/Gas praktische Fähigkeiten vermitteln soll. Man hofft, dass die Weltbank das Programm finanziert.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) fördert mit ihrem „Jugend-für-Jugend-Fonds“ (Y2YF) Gruppen von Jugendlichen mit aussichtsreichen Geschäftsideen mit jeweils TZS 20 Mill. Sie hofft, in Ostafrika 800.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die ILO-Organisation „Kazi nje nje“ (Arbeit im Freien) half in den vergangenen drei Jahren, 37.000 Kleinunternehmen junger Leute zu gründen. Dadurch fanden etwa 70.000 Jugendliche Arbeit.

In Mwanza will die „Bega kwa Bega Microfinance“-Gesellschaft 125.000 Jugendliche durch 2.500 eigens geschulte Künstler zu eigenen wirtschaftlichen Unternehmungen motivieren und sie dazu beraten.

Die Geita Goldmine schulte etwa 100 junge Leute, die nun in drei Kooperativen selbständig Obst und Gemüse für die Angestellten der Mine produzieren.

Nach einer Studie von Plan International Tanzania (PI) in der Geita-Region hängen die vielen Fälle von schwerer Kinderarbeit im Goldbergbau mit der Familiengröße zusammen. Familien mit 10 und mehr Kindern sind nicht selten. In solchen Familien müssen alle Kinder im Kleinbergbau mitarbeiten, erleiden gesundheitliche Schäden und versäumen den Schulunterricht. PI will daher in der Geita-Region ein umfassendes Programm zur Familienplanung durchführen, von der EU finanziert. In der ersten Phase des PI-Programms gegen Kinderarbeit im Kleinbergbau hatte sich gezeigt, dass das Problem nicht allein durch Verbote und Zwangsmaßnahmen gelöst werden kann.

Das „Tansanische Unternehmenszentrum“ (TECC) und der „Wirtschafts-Befähigungsrat“ (NEEC) starteten das Programm „Kijana jiajiri“ (Junger Mensch, arbeite als Selbständiger). Es soll berufsethisches und unternehmerisches Wissen anbieten, sowie erfahrene Mentoren und Verbindungen zu Kreditinstituten vermitteln.

Die Regierung will im laufenden Finanzjahr TZS 5 Mrd. aufwenden, um selbständige Arbeit Jugendlicher zu fördern. Schwerpunkte sind Kurse, Infrastrukturförderung auf Distriktsebene und Krediterleichterungen für junge Geschäftsgründer/innen.

Das „Zanzibar Technology and Business Incubator -Zentrum“ (ZTBI) fördert Jugendgruppen, die Unternehmen gründen wollen, durch Kurse, Training, Beratung, finanzielle und technische Unterstützung, sowie Vermarktung. Z.B. lernen Interessierte, mit solar-betriebenen Anlagen Früchte, Gemüse, Seetang und Fische durch Trocknen zu konservieren und weiter zu verarbeiten. Kleinunternehmen werden auch in den Bereichen Tourismus und Datenverarbeitung gefördert.

Die Sozialversicherung (NSSF) forderte Universitätsabsolventen auf, Teams zu bilden und Geschäftspläne aufzustellen. Damit könnten sie beim NSSF Startkredite von TZS 50 Mill. bis zu 1 Mrd. beantragen.

Der Nationale Arbeitsdienst („Nationale Aufbau-Armee“ JKT) betonte, dass er Patriotismus, sowie soziale und berufliche Basiskenntnisse vermitteln will, keinesfalls jedoch denen, die an dem zweijährigen Training teilnehmen, eine Anstellung garantiert. Viele JKT-Absolventen hoffen auf eine Übernahme in Armee, Polizei oder Geheimdienst. Eine Demonstration von ehemaligen JKT-Angehörigen, die eine Anstellung beim Staat forderten, wurde aufgelöst und die Anführer verhaftet.

Das Jugendministerium startete das $ 500 Mill. schwere Programm „Unternehmens-Entwicklung für Jugendliche“. Die Teilnehmenden erhalten Kurse in Unternehmensführung und Startkredite. Schwerpunkte sind zunächst Arusha, Ilonga und Mbeya.

Business Times 07.08.15; Citizen 29.01.; 19.02.; 18.06.; 23.11.15; DN 24.12.14; 13.02.15; DN 14.05. 07.07.; 15.07.; 24.08.15; Guardian 06.,16.,21.,22.02.; 01.,17.03.; 17.05.; 31.07.; 04.08.; 11.09.; 07.10.; 23.11.15