Schulische Bildungsarbeit - 06/2012

Aus Tansania Information
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Qualität der Schulbildung

Viele Beobachter berichten, die Qualität der Schulbildung sinke in Schulen aller Art, vor allem in den staatlichen. Es gehe nun mehr um Quantität als um Qualität. Sogar sog. internationale, englischsprachige und andere Privatschulen mit hohen Schulgebühren, die früher ausgezeichnete Schulbildung gewährleisteten, schienen nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein. (Guardian 9.4.12)

Im Bunda-Distrikt (Mara-Region) können mindestens 860 Schüler und Schülerinnen, die für die Sekundarschule ausgewählt worden waren, nicht lesen und schreiben. Der Bildungsbeauftragte des Dis-trikts sagte, das sei unerträglich, denn die Lehrkräfte der Sekundarschulen wüssten nicht, wie sie diesen Jugendlichen helfen könnten, dem Unterricht zu folgen.

Rätselhaft, wie sie die Abschlussprüfung der Primarschule schafften. Die Eltern beaufsichtigen die Kinder kaum. Die meisten sind viele Stunden auf dem Fischmarkt, um Geld zu verdienen. (Guardian 27.4.12)

Katholische Schulen

Um die Zahl der Schüler und Schülerinnen zu steigern und das akademische Niveau der Schulen und Zentren beruflicher Bildung zu heben, startete die römisch-katholische Diözese von Moshi einen Vierjahresplan. Sie hat 11 Vor- und Primarschulen, 29 Sekundarschulen, 15 Zentren beruflicher Bildung und 6 Colleges/Universitäten.

Das Schulgeld beträgt in den Sekundarschulen pro Jahr 3.000/- TSh, in den Zentren beruflicher Bildung 1.500/- TSh. (DN 10.4.12)

Einschulung und Dauer der Primarschule

Die Regierung schlug vor, für Kinder im Alter von fünf Jahren den Besuch von Vorbereitungsklassen (Kindergarten), im Alter von sechs Jahren den Besuch der Primarschule verpflichtend zu machen. Im Alter von zwölf Jahren sollten sie nach sechs Jahren die Primarschule abschließen. (Bisher waren es sieben Jahre.)

Die Abgeordneten lehnten diesen Vorschlag ab. Ein Staatsminister sagte, Kinder, die mit zwölf Jahren die Schule abschließen, können nichts tun. Er schlug vor, wieder die achtjährige Primarschule einzuführen. Ein Abgeordneter betonte, auch im derzeitigen System könnten einige, wenn sie die Schule abschließen, weder lesen noch schreiben. (Guardian 14.11.11)

Kinder zum Einschulungsalter

John (7): Die Kinder sollten mit vier Jahren in die Schule kommen. Dann können sie sich schon früh an die Schule gewöhnen. Manche Schulkinder laufen weg, weil sie sich schon erwachsen fühlen. Dann lügen sie ihre Eltern und Lehrkräfte an.

Norman (10): Mädchen sollten mit fünf, Jungen mit sieben Jahren eingeschult werden, weil Mädchen schneller als Jungen erwachsen werden. Sind sie so alt, können die Mädchen und Jungen auf sich selber Acht geben, ohne Diskriminierung, wenn es darum geht, Schulsachen, Bücher, Toiletten u. a. gemeinsam zu benützen.

Debora (10): Eltern, die ihre Kinder in die Schule schicken, ehe sie sieben Jahre alt sind, tun ihnen nichts Gutes, weil die Kinder dann nicht die Fürsorge der Eltern bekommen.

Evan (12): Gehen Kinder schon in die Schule, wenn sie sehr jung sind, können sie noch nicht auf sich selbst aufpassen, z. B. wenn sie auf Übungshefte u. a. Schulsachen achtgeben und ihre Kleidung sauber halten sollen, oder wenn sie auf die Toilette gehen.

Joan (12): Wenn es genug Platz gibt, ist es nicht schlecht, die Kinder schon ehe sie sieben sind, in die Schule zu schicken. Weil wir auch außerhalb der Klassenzimmer viel lernen, sollte die Regierung dafür sorgen, dass es genug Angebote gibt.

Brian (7): Ich denke, es ist Zeit- und Geldverschwendung, Kinder schon frühzeitig in die Schule zu schicken. Ehe Eltern ihre Kinder in die Schule schicken, sollten sie dafür sorgen, dass sie sich ausdrücken können.

Lilian (7): Ich denke, jedes Alter passt, weil die Kinder viel fragen und viel aufnehmen können. Manche Kinder lernen schon, wenn sie fünf Jahre alt sind, Lesen und Schreiben, weil ihre Eltern sie in einen Kindergarten bringen.

Nancy (6): Wir sollten mit sieben Jahren in die Schule kommen. Die Regierung kann das doch nicht unüberlegt so festgesetzt haben. (Guardian 1.12.09)

Lehrplan

Die Regierung plant, Swahili in Primar- und Sekundarschulen als Unterrichtssprache einzuführen, jedoch nicht an Universitäten. (Guardian 3.2.12)

Seit es in Tansania Internationale und englischsprache Schulen gibt, schicken immer weniger Eltern ihre Schulkinder ins Ausland. Der Leiter der Hazina International Primary School sagte, die Eltern sollten ihre Kinder in tansanischen Schulen einschulen, damit sie in tansanischer Umgebung aufwachsen und vertraut werden mit dem, was im Land geschieht. "Wenn wir die Kinder unterrichten, flößen wir ihnen Patriotismus ein und Liebe zu ihrer eigenen Kultur. Deshalb raten wir den Eltern, ihre Kinder in heimische Schulen internationalen Standards zu schicken, deren Lehrplan dem gleicht, der in Ostafrika und in anderen Ländern verwendet wird "

Die Hazina International Primary School ist englischsprachig; im Augenblick wird sie von 320 Kindern besucht. (DN 2.4.12; Guardian 2.4.12)

Premierminister Pinda sagte, um der sich verändernden Technologie gewachsen zu sein, wolle die Regierung, in jeder Region naturwissenschaftliche Sekundarschulen einrichten. Der Stellvertretende Minister für Erziehung und berufliche Bildung berichtete, zusätzlich zu den vorhandenen 7.000 Primarschulen seien seit 2005 weitere 9.000 errichtet worden. (DN 29.3.12)

Diskriminierung

In einigen Schulen wird bei Kindern, die mit HIV/AIDS leben oder Gesundheitsprobleme haben, an der Schulter der Schuluniform ein roter Streifen angebracht. Wegen dieser Stigmatisierung verließen einige Schüler und Schülerinnen die Schule.

Der National Council of People living with HIV/AIDS (Nacopha) macht sich Sorgen wegen negativer psychologischer, mentaler, akademischer und sozialer Auswirkungen dieser Maßnahme. Die Regierung verurteilt diese Praxis als Vergehen gegen die Menschenrechte. (DN 20.4.12; Guardian 23.4.12)

Lage der Dorfschulen

Bei einer Untersuchung in der Tanga-Region stellte man fest, dass die Eltern dem Bestreben der Regierung, Sekundarschulen in die Dörfer zu bringen, im Weg stehen, weil sie sich weigern, einen Betrag für das Mittagessen ihrer Kinder zu zahlen. In einer Sekun-darschule mit mehr als 600 Schülern hatten nur 29 die 25.000/- TSh pro Semester bezahlt, in einer anderen mit 500 Schülern nur 10. Das Schulkomitee hatte die Eltern gebeten, pro Semes-ter je 30 kg Bohnen und 4 Kanister (á 20 l) Mais beizutragen. Die Lehrkräfte meinen, die führenden Leute der Gemeinden sollten den Eltern beibringen, wie wichtig die Bildung für ihre Kinder ist. Ein Schulleiter aber betonte: "Wir haben ca. 12 ha Land. Wir sollten Mais und Bohnen anbauen, statt endlos auf die Eltern zu warten".

Die Eltern jammern, die Abgaben überforderten sie. "Die Jahresgebühr beträgt 20.000/- TSh, Form 11-Examen kosten 35.000/- TSh, für Mahlzeiten, Uniformen, Schultische werden 50.000/- TSh verlangt. Wo nehmen wir das Geld her?" fragte ein Landwirt. Die Schüler und Schülerinnen klagen, es sei nicht leicht, im Unterricht aufmerksam zu sein, wenn der Magen leer ist. Einige schleichen sich aus der Schule und suchen nach Minijobs. (DN 21.2.12)

Laut einer Untersuchung wären die Leistungen der Dorfschulen besser, hätten sie mehr Lehrkräfte, vor allem für naturwissenschaftliche Fächer, genug Schulbücher und eine für das Lernen günstige Umwelt, Strom, Wasser, Schlafräume, Freizeitangebote und Mahlzeiten. Die Regierung müsste Lehrkräfte zur Verfügung stellen; die Eltern sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder mindestens einmal am Tag eine Mahlzeit bekommen. Man sollte Selfreliance-Projekte starten. Früher hatten die Schulen ihren Gemüsegarten, in dem die Schüler Gartenbau lernten. Sie verkauften ihre Erträge oder verwenden sie selbst. Schulen, in trockenen Gebieten, sollten Mais, Bohnen und Hirse anbauen; andere könnten Hühner oder Kleinvieh halten. (DN 23.2.12)

Mädchen, die eine Dorf-Sekundarschule besuchen, sagten, ihre schulischen Leistungen wären besser, könnten sie eine Internatsschule, weit weg von zu Hause, besuchen. Sie baten die Regierung Aufenthaltsräume und Schlafsäle für sie zu errichten. Die Mädchen seien im Allgemeinen klug und fleißig. Sie wollen wie Schülerinnen in Regierungsschulen behandelt werden. Sie bringen gute Leistungen, weil ihnen genug Zeit zum Lernen zur Verfügung steht und wichtige Dinge wie Schlafsäle, Bibliotheken und Mahlzeiten. Manche Mädchen müssen 10 km in die Schule und von der Schule zurück laufen; manche fallen bösen Männern zum Opfer, außerdem gibt es Schlangen. Einige müssen ein Zimmer mieten, oder sie wohnen bei Verwandten. "Meine Tante ist sehr streng. Sie verlangt, dass ich mich um den Haushalt kümmere, wenn ich daheim bin", erzählt eine Schülerin. Manche werden vom Lehrer schikaniert, wenn ihre Antwort nicht richtig ist, oder er lässt sie nicht weiterkommen. Unter den Schülerinnen gibt es welche, die sich ein Mittagessen leisten können, und welche, die keine Mittel haben. Nur wenige Dorf-Sekun-darschulen haben ein Internat für Mädchen. (DN 23.2.12)

Jedes Dorf hat eine Primarschule. Einige von diesen wurden in Dorf-Sekundarschulen verwandelt. Eines der Hauptprobleme der Dorf-Sekundarschulen ist der Lehrkräftemangel. Manche weigern sich eine solche Stelle anzunehmen oder sie kehren sofort wieder um. Schuld ist die mangelhafte Infrastruktur in den Dörfern. Einige der 3.500 SchülerInnen, die 2006 nach Form VI (Klasse 13) zu einer einmonatige Ausbildung zur Sekundarschullehrkraft geschickt wurden, nahmen nach einiger Zeit ein Universitätsstudium auf oder wandten sich einer anderen Arbeit zu. (DN 19.5.12)

Probleme und Erfolge der Lehrkräfte

Die Schüler und Schülerinnen des Mwanga-Distrikts (Kilimanjaro-Region) schnitten bei der Primarschul-Abschlussprüfung im landesweiten Vergleich am besten ab. Um die Lehrkräfte weiterhin zu motivieren, plant man eine Exkursion in den Arusha National Park. (DN 25.3.12)

Im Singida-Distrikt stürmten 80 Lehrkräfte, die am 1.2.12 eingestellt worden waren, ins Büro des Distriktrates, um ihr seit zwei Monaten ausstehendes Gehalt zu fordern. Sie sperrten die Mitarbeiter von 12.30 bis 14.00 Uhr ein, weigerten sich, jemanden herauszulassen, es sei denn man verspreche, dass ihr Gehalt plus Fahrgeld und Umzugskosten bezahlt werden. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes informierte die Polizei. Sie vereinbarte mit den Lehrkräften ein Treffen mit den führenden Leuten des Distriktrates. Diese baten die Lehrkräfte, sich zu beruhigen, ihr Lohn und andere Zahlungen würden von der Regierung bearbeitet. Es gebe Probleme mit den Unterlagen einiger Lehrkräfte.

Die Schatzmeisterin des Distriktrates erklärte, jede Lehrkraft erhalte ein Darlehen in Höhe von 150.000/- TSh, um der Regierung Zeit zur Bearbeitung der Forderungen zu geben. Eine Lehrerin sagte: "Ich bereue wirklich, dass ich diesen Beruf gewählt habe. Was sollen uns 150.000/- TSh helfen?" (Guardian 2.4.12)

Im Hai-Distrikt (Kilimanjaro-Region) drohen Lehrkräfte der dortigen Sekundarschule einen Boykott an, nachdem sie herausgefunden hatten, dass ohne Erklärung jeweils etwa 90.000/- TSh vom Monatslohn abgezogen worden waren. Außerdem schuldet ihnen der Staat Zahlungen aus anderen Jahren. Angestellte des Distriktbüros haben das gleiche Problem. (Guardian 9.4.12)

Fernbleiben

Das Büro des Regional Commissioner der Arusha-Region wies die Bildungsbeauftragten der Distrikte an, festzustellen, wo sich die Jugendlichen aufhalten, die für den Besuch einer Sekundarschule ausgewählt worden waren, aber nicht erschienen. Einige verschwanden einfach, manche besuchen eine private Schule, andere bleiben zu Hause.

Ein paar meldeten sich in der betreffenden Schule, verschwanden später jedoch, um die Beschneidungs-Rituale der Maasai mitzuerleben. Sie finden alle sieben Jahre statt. (DN 21.5.12)

Erwachsenenbildung

94 % der Einwohner des Mwanga-Distrikts (Kilimanjaro-Region), die älter als 13 Jahre sind, können lesen, schreiben und rechnen. Um das Analphabetentum zu beenden, hatten die Verantwortlichen des Distrikts unterschiedliche Programme gestartet, eines für Jugendliche bis 18 Jahre, die keine Primarschule besucht hatten.

Die Intergrated Community Basic Adult Education ist für Erwachsene bestimmt, die Primarschulbildung haben, nun jedoch neue Kenntnisse brauchen, um erfolgreicher zu werden. (DN 25.3.12)