Probleme der Albinos, Hilfen für Albinos - 06/2011

Aus Tansania Information
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Gefährdung

Laut Bericht der Tanzania Albino Society (TAS) ist die Tötung von Albinos, deren Körperteilen man besondere Kräfte für Zaubermittel zuschreibt, noch immer ein Problem. Die Mörder seien noch nicht festgenommen, man habe keine dauerhafte Lösung gefunden. (Guardian 4.1.11)

Aus Angst vor Verfolgung verließen in Burundi, Kenia und Tansania Tausende von Albinos ihr Dorf, versteckten sich oder zogen in die Stadt, weil sie sich dort sicher fühlen.

In Tansania wurden seit 2007 neun Albinos verstümmelt, 59 getötet, in Kenia mindestens sieben. Auch Burundi, Guinea, Südafrika, Swaziland und die DRCongo berichten von Tötungen. Doch viele Morde wurden nicht bekannt gemacht.

Der TAS-Vorsitzende sagte, die Regierung Tansanias habe ihren Schutz in den Dörfern verstärkt, dadurch dafür gesorgt, dass die Tötungen von Albinos eingestellt werden.

Er berichtete, die TAS habe 7.124 Mitglieder. Die Zahl der Albinos sei wahrscheinlich höher. (IRIN 11.2.11)

Gesundheitsprobleme und -versorgung

Die TAS der Tanga-Region beklagt, noch immer stürben ihre Mitglieder infolge von Hautkrebs, weil sie nicht mit Schutzöl versorgt werden, keine Klinik sich mit ihren Problemen befasst. (Guardian 4.1.11)

Weil sie im Tarime-Distrikt (Mara-Region) kein Spezialöl bekommen, müssen Albino-Schulkinder dem Unterricht oft wegen Hautverletzungen fernbleiben. Meistens ist das Öl nicht vorrätig, wird es geliefert, ist es sehr teuer. "Einmal konnte ich welches aus Kenia kaufen - für 60.000/- TSh", klagte eine Frau.

Die meisten Albino-Schüler können an der Tafel nichts lesen. Sie bräuchten eine Brille. (DN 27.1.11)

Wenn die Fabrik der Hands of Africa Tanzania (HAT) in Dodoma die Produktion einer besonderen Hautschutzlotion aufnimmt, müssen die Albinos nicht mehr unter Hautkrebs leiden. Sie bekommen sehr leicht einen Sonnenbrand, was oft zu Hautkrebs führt. Eine niederländische Gesellschaft ist bereit, Geräte zu schicken, die eine Reihe von Lotions herstellen. Die Society for Threatend People, eine deutsche Organisation, spendete 1.000 Flaschen einer Lotion, je zwei für 500 Personen. HAT ist der tansanische Zweig der Hands of Africa Foundation (Niederlande). Sie stellt für Albinos mehrere soziale Dienste zur Verfügung, incl. Bildung und Gesundheitsfürsorge. (DN 23.3.11)

Albinos, die Hautkrebs haben, kommen wegen weiter Entfernung meistens erst in sehr fortgeschrittenem Stadium zur Behandlung. Diese ist nur erfolgreich, wenn die Patienten frühzeitig behandelt werden. (DN 5.5.11)

Unterstützung

Der Rat des Mpanda-Distrikts (Rukwa-Region) errichtet eine Primarschule und ein Wohnheim, ausschließlich für Albino-Kinder aus Tansania. (DN 26.2.11)

In Zusammenarbeit mit Under the Same Sun (UTSS) untersucht UNICEF die Probleme und Bedürfnisse der Albino-Kinder in neun speziellen Zentren (in sechs Regionen). In den meisten fehlt es am Nötigsten. Manche sind überbelegt. Es gibt z. B. Schlafsäle für 30 Kinder, in denen bis doppelt so viele untergebracht werden. Es fehlt an Lehrkräften. (Guardian 13.4.11)

Das in den USA beheimatete International Centre for Albinism organisiert zusammen mit UTSS Augen-Kliniken für Albinos. Man will sie nacheinander in einigen Regionen stationieren. Angeboten werden Untersuchung, Behandlung und Versorgung mit dem Nötigen. Alle Albinos haben Sehschwierigkeiten. (Guardian 4.5.11)

UTSS unterstützte während der letzten beiden Jahre die Bildung von 318 Albinos - sei es im Kindergarten oder in der Universität. Die Organisation sorgte in neun Zentren und Schulen für Verbesserungen. (DN 5.5.11)

Geschichten Einzelner

In der Rukwa-Region suchten Polizisten, Soldaten und Dorfbewohner Personen, die kürzlich einen 3-jährigen Albino-Jungen entführten, als dessen Eltern auf dem Feld waren. Nach drei Tagen fand man den Jungen unverletzt in einem dichten Wald. Wahrscheinlich hatten die Entführer Angst vor dem Suchteam.

Der Junge und seine Schwester, auch Albino, wurden nach Sumbawanga in ein Waisenhaus gebracht. Sind sie alt genug werden sie in der Malangali Primarschule mit anderen Albino-Kindern leben. (DN 19./21/23.2.11)

Weil sich der District Commissioner von Muheza (Tan-ga-Region) einschaltete, wurde eine junge Albino-Frau, die drei Jahre lang gefesselt in einem kleinen Zimmer verbracht hatte, befreit.

Als die Albino-Morde überhand nahmen, hatte ihr Vater sie eingesperrt, weil sie psychische Probleme hatte, sich aus dem Haus stehlen, in einer Bar betrunken gemacht und sexuell missbraucht werden könne. Mehrmals sei sie vergewaltigt worden. "Es war zu ihrem eigenen Schutz", betonte die Mutter.

Auch ihre anderen fünf Kinder sind Albinos. (Guardian 10.3.11)

Samwel, ein neunjähriger Albino-Junge, der einzige Albino der Schule, gilt als der Klügste in der dritten Klasse einer Primarschule im Tarime-Distrikt (Mara-Region).

"Mein Traum ist, Arzt zu werden wie mein Großvater", sagte er. Er könnte noch besser sein, hätte er keine Haut- und Augenprobleme, heißt es. Obwohl er in der ersten Reihe sitzt, muss er aufstehen, um an der Tafel lesen zu können. Er benötigte eine Brille.

Immer muss er zum Schutz vor der Sonne eine Kappe und ein langärmeliges Hemd tragen. Manche Mitschüler und Mitschülerinnen lassen sich von Samwel helfen, wenn sie Mathematik oder sonst etwas nicht kapieren. "Wir mögen ihn, weil er nicht selbstsüchtig ist", sagte eine Mitschülerin.

Doch auf seinem 10 km langen Schulweg rufen ihm manche "Albino" nach oder "Dili", <deal: Geschäft, weil Albino-Körperteile oft verkauft wurden>. "Ich bitte die Regierung, solche Leute zu ermahnen oder mir zu helfen, in eine gute Internatsschule zu kommen", sagte Samwel.

Eine Mitschülerin betont, wer Samwel Deal nennt, müsste, wie von der Regierung versprochen, verhaftet und angeklagt werden.

Ein Mitschüler erzählte, er begleite Samwel, um ihn zu beschützen.

Samwels Vater sagte, die Stigmatisierung sei absurd, nachdem alle über Albinismus und die Rechte der Albinos aufgeklärt worden seien.

Der Tarime-Distrikt hat 36 Albino-Schulkinder. (DN 3.5.11)