Probleme, Aufgaben, Chancen der Frauen - 01/2011

Aus Tansania Information
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Zur Gleichberechtigung

Präsident Kikwete sagte, überholte Traditionen und Bräuche behinderten die wirtschaftliche Befreiung der Frauen, sie trügen zur Belästigung der Frauen bei. Gesetze, die Mädchen unterdrücken, wurden revidiert, damit mehr Schülerinnen in der Schule gehalten werden können, und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen aufrechterhalten wird. Kikwete betonte, einige Eltern seien schuld, wenn Schülerinnen schwanger werden; sie behinderten den Kampf gegen die Männer, die Mädchen schwängern. Bisweilen böten diese Männer den Eltern an, die Sache im Verborgenen zu regeln. (DN 9.3.10; Guardian 9.3.10)

Bei einem Forum der für frauen- und geschlechtsspezifische Fragen zuständigen Minister der Region der Großen Seen (GLR), Vertreter internationaler Organisationen und Aktivisten sagte Premierminister Pinda, um nachhaltigen Frieden und Sicherheit zu erreichen, sollten Diskriminierung, Folter, Gewalt und sexueller Missbrauch von Frauen verringert, letztendlich abgeschafft werden. Mehr als ein Jahrzehnt sei die Region von Konflikten, Kriegen und Völkermord bestimmt worden. Vor allem Frauen und Kinder hätten darunter gelitten. Er lobte die Errichtung eines Regional Women's and Gender Research and Documentation Centre in der GLR. Auf Landesebene wird Tansania dafür das Community Development Tengeru Institute umwidmen. (Guardian 20.12.10)

Bank der Frauen

Die Frauen-Bank erhielt von der Regierung als Kapitalhilfe 4mrd/- TSh. Jedes Jahr werde die Regierung im Budget 2mrd/- TSh vorsehen, um die Frauen wirtschaftlich zu befähigen, sagte Präsident Ki-kwete. Er wies alle Distrikträte an, 5 % ihrer Einnahmen als Kapitalhilfe für die Bank bereitzustellen. (DN 9.3.10; Guardian 9.3.10)

Zu Mikrokrediten

Seit ihrer Gründung unterstützte die Nichtregierungorganisation (NGO) SERO Lease and Finance (SELFINA) mehr als 8.000 Frauen mit insgesamt 7mrd/- TSh Darlehen. In Tansania war sie Pionier für Mikrokredite. Sie spielt daher eine führende Rolle beim Gewähren von Kleinkrediten und Darlehen an Witwen und junge Frauen, die sonst kein Geld leihen können, weil sie keine Sicherheiten haben. Eine SELFINA-Leiterin berichtete, SELFINA habe begonnen, Unternehmerinnen, die bei der Rückzahlung zuverlässig waren und - voraussichtlich erfolgreich - ihr Unternehmen ausbauen wollen, längerfristige, größere Darlehen zu gewähren. "In Tansania machen es Sitten und Traditionen normarleweise sehr schwierig für Frauen, Land und Vermögen zu besitzen. Deshalb gelten sie bei Finanzinstituten nicht als kreditwürdig, weil ihnen nennenswerte Sicherheiten fehlen", erklärte sie. SELFINA sei ein einheimisches Mikrofinanzinstitut, das Frauen helfen will, für sich und ihre Familien eine solide wirtschaftliche Basis zu schaffen. Das sei ein praktischer Weg zu wirtschaftlicher und sozialer Frauenemanzipation. Mehr als 37.500 Menschen hätten davon profitiert. Durch unterschiedliche Darlehen seien 15.000 Arbeitsplätze geschaffen worden. Eine neue Generation von selbständig tätigen Frauen sei entstanden, berichtete sie. (DN 9.3.10)

Zur Schwangerschaft von Schülerinnen

Auf Druck der UNICEF verabschiedete die Regierung ein neues Gesetz, das jungen Müttern erlaubt, ihre Schule weiterhin zu besuchen.

Bisher untersagte das Gesetz, nach der Entbindung wieder zum Unterricht zu kommen. Einige besuchten deshalb berufsbildende Einrichtungen. Solche Zentren gibt es im ganzen Land. Die Mädchen lernen ein Handwerk, werden z. B. Friseurinnen oder Schneiderinnen. Einige besuchen eine Abendschule.

Trotz allem bleibt die Rückkehr in die Schule schwierig, vor allem wenn familiäre Unterstützung fehlt.

Laut Statistik sind 25 % der Tansanierinnen unter 18 Jahren bereits Mutter. 2007 wurden 20 % der Sekundarschülerinnen schwanger und schlossen die Schule nicht ab. Eine Hauptursache ist, dass sie nicht an Mittel zur Empfängnisverhütung kommen. Eine andere ist sozialer Art. In der Shinyanga-Region drohen Eltern ihren Töchtern an, sie aus dem Haus zu werfen, falls sie die Sekundarschule besuchten. Andere bitten ihre Töchter, in der Schule zu versagen, um möglichst bald heiraten zu können. In manchen abgelegenen Gegenden werden Kinder im Alter von elf Jahren schwanger. Für manche Eltern ist der Brautpreis eine wichtige Einnahmequelle. 80 % der Geringverdiener auf dem Land haben nicht die Mittel, um ihre Kinder in die Sekundarschule zu schicken. Wenn sie mit 13 oder 14 Jahren die Primarschule abschließen, bleiben die Mädchen zu Hause im Dorf und werden schwanger. (Catholic Information Service for Africa 12.3.10)

Von einem Frauenhaus

Im House of Peace in Dar-es-Salaam, einem anonymen Ort, 2007 gegründet, können Frauen, die Opfer sexueller Gewalt sind, und ihre Kinder bis zu drei Monaten wohnen. Eine der 33 Frauen, die mit ihren 17 Kindern dort leben, berichtete, ihr Mann habe darauf bestanden, dass sie die Wohnung verlasse. Andernfalls werde er sie umbringen. "Er schlug mich, bis ich bewusstlos war. Ich hatte kein Geld, um nach Hause zu fahren und keinen Ort zum Schlafen." Ihr Kind sei krank geworden. "Ich wollte mich umbringen, als das Geld alle war, das ich für meinen Ehering bekommen hatte, um Essen für mein Kind zu kaufen. Ich wurde ins Büro der Tanzania Women Lawyers Association (TAWLA) geschickt. Sie fragten mich, ob ich das House of Peace kenne. Sie gaben mir Geld für den Bus und schickten mich hin. Ich habe nun Ruhe, um die nächsten Schritte zu planen", erzählt sie. Das House of Peace ist für Frauen in Dar-es-Salaam das einzige Krisenzentrum. Sie und ihre Kinder bekommen dort Unterkunft, juristische und medizinische Hilfe, Nahrung und Kleidung. Geschickt werden sie von Menschenrechtsorganisationen und Einrichtungen wie TAWLA, Tanzania Media Women Association (TAMWA), Polizei, Amana und Muhimbili National Hospital. Nach drei Monaten müssen sie sich eine andere Unterkunft suchen. "Aber eingedenk des Zustands, in dem diese Frauen kommen, ist es für uns schwierig, sie nach drei Monaten wegzuschicken. Manche wurden so sehr verprügelt, dass wir sie behandeln, beraten und mit Mitteln für einen neuen Anfang ausstatten müssen", berichtete eine Sozialarbeiterin des Hauses.

Sexuelle Gewalt, wie Vergewaltigung in der Ehe, gilt bei Männern und Frauen noch immer als kulturell akzeptabel. (DN 8.7.10)

Zu häuslicher Gewalt

Laut Kivulini, einer NGO, die in Mwanza für die Rechte der Frauen kämpft, sind in den Regionen Singida, Kagera, Mwanza und Mara 82 % der Frauen häuslicher Gewalt ausgeliefert. Bei einer Arbeitstagung der Tunajali-Kampag-ne, einem Programm zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, sagte eine Kivulini-Mitarbeiterin, wenn Frauen ihre Ehemänner verlassen, sei das meistens die Folge häuslicher Gewalt. Seit Beginn der Tunajali-Kampagne 2008 seien mehr als 300.000 Personen über die Auswirkungen der Gewalt gegen Frauen unterrichtet worden. Ein Teilnehmer sagte, die Regierung gebe viel Geld aus für die Behandlung der Opfer häuslicher Gewalt. Eine Folge derselben sei auch, dass immer mehr Kinder auf der Straße leben, weil sie weglaufen, wenn es zu Hause keinen Frieden gibt. (Guardian 30.8.10)

Frauen und HIV/AIDS

Eine 21-jährige Frau wurde von jungen Männern zusammengeschlagen, weil sie "unanständig angezogen" sei. Sie berichtete Journalisten: "Sie sagten, ich solle mich entkleiden, denn so wie ich angezogen sei, meine man, ich wolle nackt herumlaufen."

Ein Dorfältester sagte, die beste Möglichkeit, die Ausbreitung von HIV/AIDS zu verringern, sei, zu den alten kulturellen Werten zurückzukehren. Er und andere Älteste ermutigten die Einheimischen, "unpassend" gekleidete Frauen zu bestrafen. Fangen die Frauen an, sich anständig anzuziehen, muss sie niemand anschauen und die Leute haben nur ihre Ehefrauen. "Warum verteilen sie Kondome, wenn wir zu unseren alten Sitten zurückkehren können?", fragte einer. "Die Art, wie sich die Frauen heute kleiden, führt die jungen Männer auf Abwege." Ein anderer meinte: "Wenn ein Mann mit vielen Frauen schläft, ist das, weil diese Frauen sie angezogen haben."

Die lokale Verwaltung der Gegend bekämpft diese Einstellung. "Zu allererst sind wir selbst dafür verantwortlich. Das muss man den Menschen sagen. Wir versuchten, den Menschen beizubringen, dass Kleidung nie eine Einladung zum Sexualverkehr ist." Die HIV/AIDS-Komitees luden Gesetzesexperten und Polizisten ein, damit sie Ältesten und Einwohnern die Konsequenzen der Gewalt gegen Frauen verdeutlichten. (DN 10.9.10)

Zur Brustkrebsuntersuchung

In Tansania sterben jährlich etwa 600.000 Frauen infolge von Brustkrebs.

In Zusammenarbeit mit Regierungseinrichtungen, dem Mnazi Hospital in Sansibar u. a. führte das Aga Khan Hospital 2010 Aufklärungs- und Untersuchungsprogramme durch. 1.000 Frauen ließen sich auf Brustkrebs untersuchen. Man wolle noch viel mehr erreichen, sagte der Programmdirektor. Studien zeigten, dass die Zahl der Opfer in alarmierender Weise zunimmt. "Für viele Frauen kommt die Diagnose zu spät, für andere ändert sie das Leben total.

Im Oktober organisierte das Aga Khan Hospital kostenlose Untersuchung für die Frauen in Dar-es-Salaam und in der Stadt Sansibar. Viele können sich das normalerweise nicht leisten. (DN 30.9./3.10.10; Citizen 28.9.10)

Zur Fruchtbarkeitsrate

Im Lauf von 20 Jahren ging die Fruchtbarkeitsrate pro Frau von 6,3 Geburten auf 5,4 zurück. 2010 gebaren Frauen auf dem Land im Durchschnitt 6,1 Kinder, in der Stadt 3,7.

Eine Demographin sagte, der Rückgang lasse erwarten, dass Tansania die Entwicklungspläne erfüllt.

29 % der Bevölkerung verwenden Methoden der Empfängnisverhütung, 5 % traditionelle, 24 % moderne, 9 % von ihnen Spritzen, 5 % Pillen, 4 % Kondome. 34 % der verheirateten Frauen verwenden Empfängnisverhütungsmittel, 7 % traditionelle, 27 % moderne. (DN 6.10.10)

Übergewicht bei 15-49jährigen Frauen

Laut Statstik sind sind 22 % übergewichtig oder fettleibig - höchste Zahl in Dar, niedrigste in Dodoma und Lindi. (DN 2.1.11)

Erwachsenenunterricht

Auf der Insel Pemba besuchten 947, auf der Insel Sansibar 319 auf dem Land lebende Frauen Unterricht, in dem sie Lesen, Schreiben und einfache Mathematik lernen. Eine 20-Jährige berichtete, ihre Eltern hätten sie nicht in die Schule geschickt, weil sie meinten, Bildung für Mädchen sei Geldverschwendung. Die meisten Mädchen besuchen nie eine Schule und werden in sehr jungen Jahren verheiratet. Eine Frau, die mit 18 verheiratet wurde, sagte, nur zögerlich habe ihr Ehemann sie zur Frauengruppe gehen lassen. Dort profitiere sie nicht, es gebe nur Tratsch und Gezänk. Aber ihre dauernde Bitte habe gefruchtet. Eine andere erzählt, die anderen Frauen verspotteten sie, sagten, wir sollten annehmen, was das Schicksal uns bescherte. Aber nun könne sie lesen und schreiben, und gebe dem Druck der anderen Frauen nicht nach. (DN 4.11.10)

Frauen in der Regierung

In der neuen Regierung sind 22 Minister und sieben Ministerinnen, 18 Stellvertretende Minister und drei Stellvertretende Ministerinnen. (Guardian 30.11.10)