Primar- und Sekundarschulen - 06/2008

Aus Tansania Information
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Zur Lage

Der Besuch der Primarschule ist kostenlos. (ThisDay 4.3.08)

Der Mangel an Schulbänken ist für die Primarschulen eine der größten Herausforderungen. In einer Primarschule Dar-es-Salaams sitzen von den ca. 3.000 Schulkindern 800 auf dem Fußboden. Eltern und Stadtverwaltung steuerten 14m/- TSh bei; weitere 29m/- TSh würden benötigt, sagte der Schulleiter. (Guardian 29.4.08)

07 verließen in der Manyara-Region 443 Mädchen und 322 Jungen die Sekundarschule vorzeitig. Es sind vor allem Jugendliche der nomadisierenden Hirtenvölker. Manche leben dann bis zu 70 km entfernt von der Schule. Gibt es keine Wohnmöglichkeit, sind die Schüler gezwungen, die Schule zu verlassen, die Mädchen häufig auch wegen Schwangerschaft oder weil sie zur Heirat gezwungen werden. Die Manyara-Region hat 100 Sekundarschulen. (Arusha Times 26.4.08)

Zur Entwicklung

Seit 2000 stieg der Anteil der Kinder, die die Schule besuchen, von 60% auf 97 %. Das sei der Abschaffung des Schulgeldes zu verdanken, sagte der Premierminister. In den Ländern südlich der Sahara besuchen im Durchschnitt nur 70 % der Kinder die Schule.

Der Anteil der Schüler und Schülerinnen, die eine Sekundarschule besuchen, stieg 07 auf 51 %. 05 wurden 9.000 Schüler und Schülerinnen in einer Sekundarschule aufgenommen; 08 schon 43.000. Von 03 bis 07 wurden zusätzlich 40.000 Primarschullehrer eingestellt. Der Anteil der Schüler/innen, die die Prüfung nach Klasse 7 bestanden, stieg zwischen 00 und 07 von 22 % auf 62 %. 06/07 stieg die Zahl der Sekundarschulen von 2.300 auf 3.500.

Während der letzten fünf Jahre wurden 10.968 Lehrerhäuser errichtet. 08/09 will die Regierung 21.936 Häuser für Lehrkräfte und 10.758 Klassenzimmer bauen. Weil letztere noch nicht ausreichen, gibt es vielerorts Schichtunterricht. (Guardian 23.4.08; Observer 4.5.08; Citizen 7.5.08; ThisDay 4.3.08)

Kommentar: Die beiden Bildungsprogramme, Primary und Secondary Education Development Programme (PEDP und SEDP) waren, was die Zahlen angeht, erfolgreicher als erwartet. Mit mehr als 80 % Schulbesuch steht Tansania in Afrika an der Spitze. Im vergangenen Jahr konnten alle, die die Prüfung nach Klasse 7 bestanden, in einer staatlichen Sekundarschule aufgenommen werden. Aber die meisten werden nicht einmal bis Form III kommen. Was die Qualität der Bildung angeht, war man kompromissbereit. Ausbildung qualifizierter, motivierter Lehrkräfte, Labors, Büchereien u. a. wurden hintangestellt. Wieder einmal experimentiert man mit einmonatigen Schnellkursen für Sekundarschulabsolventen, die praktisch keinen effektiven Unterricht halten können. <Vergl. Tans.Inf. 9/07 S. 4> Es ist unmöglich, Qualität und Quantität gleichzeitig voranzutreiben. (Guardian 16.1.08)

Sekundarschule: Aufnahme in 'Form I'

08 können 90 % der Schüler und Schülerinnen, die die Prüfung nach Klasse 7 bestanden, in eine Regierungssekundarschule aufgenommen werden, (170.844 Mädchen, 248.354 Jungen); in der Kilimanjaro-Region sind es 100 %. Das ist das Ergebnis einer landesweiten Schulbau-Kampagne und der betrüblichen Tatsache, dass 07 nur 45,39 % der Mädchen und 62,52 % der Jungen, 54,2 % insgesamt, die Prüfung bestanden. 06 waren es 70 %. Schlecht waren die Ergebnisse vor allem in Englisch und Mathematik. Bei 455 Jungen und 423 Mädchen wurde die Prüfung wegen Betrugs nicht anerkannt. 40.692 der Schüler und Schülerinnen, die die Prüfung bestanden, sind wegen Mangels an Klassenräumen in staatlichen Schulen auf eine Privatschule angewiesen. (DN 19./ 20.12.07; Guardian 19.12.07; Citizen 19.12.07)

Der Erziehungsbeauftragte der Mtwara-Region wies die Schulen der Region an, alle berechtigten Schüler aufzunehmen. Im vergangenen Jahr meldeten sich 1.600 Schüler und Schülerinnen nicht in ihrer Schule, weil sie nicht in der Lage waren, eine Schulbank mitzubringen. Das hatte man von ihnen verlangt. Viele wurden heimgeschickt, weil sie keine Schuluniform, andere weil sie kein Schulgeld hatten. Er bat die District Commissioner, dafür zu sorgen, dass niemandem die Chance des Schulbesuchs entgeht, weil er/sie keine Uniform hat. (DN 28.1.08)

Der Direktor einer Schule ersuchte das Erziehungsministerium, wieder besondere Unterrichtsfächer einzuführen, Landwirtschaft, Wirtschaft und Technik; das sei die einzig mögliche Lösung für die Arbeitslosigkeit der Schulabsolventen. Doch weil es an qualifizierten Lehrkräften fehlt, sieht sich die Regierung außerstande, wieder spezialisierte Sekundarschulen einzurichten. 1990 hatte das Ministerium diese abgeschafft. Deshalb schließen die meisten Jugendlichen die Schule ab ohne brauchbare Techniken für ihr zukünftiges Leben. (Guardian 16.1.08)

Einige private Sekundarschulen nehmen verbotenerweise Schüler auf, die Klasse 6 und 7 übersprangen, keine Abschlussprüfung gemacht hatten, denn sie haben nicht genug Schüler, weil die Privatschulen wie Pilze aus dem Boden schießen, manche gewinnorientiert sind. Bei der Anmeldung in einer Sekundarschule müssen ein Brief des Rektors der besuchten Primarschule und das Zeugnis samt Prüfungsnummer vorgelegt werden.

In der Primarschule können Klasse 2, 3 und 6 übersprungen werden. (Guardian 3.3.08)

Sekundarschule: Prüfung nach 'Form IV' und 'Form VI'

85 % der 192.127 Schüler und Schülerinnen, die die Prüfung nach Form IV (Klasse 11) ablegten, bestanden; 06 waren es nur 82 %. Wieder übertrafen die Privatschulen die staatlichen. 526 Prüfungsergebnisse wurden wegen Betrugs für ungültig erklärt. In Mathematik waren die Ergebnisse nicht befriedigend, in Swahili dagegen sehr gut. (DN 31.1.08; Guardian 1.2.08)

Die Zahl derer, die die Prüfung nach Form VI (Abitur) ablegten, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 12.250; die Ergebnisse verbesserten sich um 2,37 %. Besonders gut schnitten die Mädchen ab. Von den Jungen scheiterten 7,28 %, von den Mädchen nur 6,71 %. In einer Presseerklärung der Tanzania Media Women's Association (Tamwa) heißt es, es habe sich wieder einmal gezeigt, dass die Mädchen in diesem Land bereit sind, durch harte Arbeit ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. (DN 6.5.08; Guardian 6./8.5.08)

Zur Beteiligung der Eltern

Im Kisarawe-Distrikt (Küsten-Region) startete eine Gruppe von Eltern, von denen die meisten Kinder in einer Sekundarschule haben, einen Bildungsfonds, weil sie einander hinsichtlich der Bildungskosten ihrer Kinder unterstützen wollen. Insgesamt brachten sie bisher 200.000/- TSh auf. Der District Commissioner gratulierte den Eltern. "Was die Bedeutung angeht, stellt diese Aktion die Sitte, für Hochzeiten und heimische Tänze Beiträge zu leisten, in den Schatten", sagte er und organisierte für den Fonds eine improvisierte Sammlung. Sie erbrachte 54.500. (Guardian 21.3.08)

Das Erziehungsministerium wies die Leiter der Primarschulen an, Berichte zu veröffentlichen, die zeigen, wie die von den Eltern geleisteten Beiträge verwendet wurden. Die Primarschulen seien kostenfrei. Aber die Eltern trügen etwas zur Entwicklung der Schulen bei. Die Regierung wisse, dass das eine Last für die Eltern ist, sagte der Stellvertretende Minister. (Guardian 12.4.08)

Die Lehrkräfte des Lushoto-Distrikts (Tanga-Region) beklagen, Hunderte von Kindern schwänzten die Schule, verließen sie vorzeitig oder nähmen die Chance, die Sekundarschule zu besuchen, nicht wahr, weil sie von ihren Eltern gezwungen werden, Waren zum Markt zu bringen, auf Teefarmen zu arbeiten oder Arbeit als Hausangestellte zu übernehmen. (Citizen 19.4.08)

Internationale Schulen

Es gibt in Tansania 17 registrierte anerkannte internationale Schulen, die den internationalen Lehrplänen folgen. Die Stellvertretende Erziehungsministerin sagte: "In diesen Schulen ist Swahili Wahlfach. Aber ich bitte die Eltern dringend, ihren Kindern das Lernen des Swahili und anderer traditioneller Dinge, wie Tänze, Gedichte und Lieder, zu ermöglichen, wenn sie außerhalb der Schulmauern sind." Solche Schulen seien vor allem für Kinder von Ausländern, die als Diplomaten, Mitarbeiter internationaler Organisationen und UN-Agenturen in Tansania bestimmt. (DN 2.2.08)

Privatschulen

Das Erziehungsministerium beauftragte die Tanzania Association of Managers and Owners of Non-Governmental Schools and Colleges (Tamongsco), vor der formellen Anerkennung private Schulen und Colleges zu beobachten und ihre Lehrkräfte auszubilden. Man betrachte die Eigentümer privater Schulen als Unternehmer. Deshalb benötigten sie eine entsprechende Ausbildung und Überwachung, wenn sie Schulen gründen. (Guardian 18.4.08)

Der Stellvertretende Erziehungsminister wies die Eigentümer privater Schulen an, der Bildungspolitik Tansanias entsprechend Kuratorien zu berufen, was häufig noch nicht geschehen sei. Er kritisierte, dass die meisten das Schulgeld ohne Beratung mit dem Ministerium anhoben. Dieses müsse seine Zustimmung geben. (Guardian 7.5.08)

Schule für Körperbehinderte

Terre des Hommes Niederlande errichtete in Usa River (Arusha-Region) auf dem Gelände einer Primarschule ein Zentrum für körperbehinderte Kinder. Sie können hier Lesen, Schreiben u. a. lernen. Eigentlich sollten in jeder Klasse nicht mehr als fünf Kinder sein. Aber noch fehlt es an qualifizierten Lehrkräften. Im Augenblick leben 26 Kinder im Zentrum. (Guardian 29.3.08)

Schüleraustausch

Im Rahmen der langjährigen Freundschaft zwischen U3V, einer schwedischen NGO, und der Barbro Johansson Mädchensekundarschule in Dar-es-Salaam weilen vier Schülerinnen dieser Schule 40 Tage in Schweden, um Swahili zu unterrichten und für den Tourismus zu werben. Seit vier Jahren tauschen U3V und Lehrkräfte der Joha School in Seminaren Gedanken über Lehrmethoden aus. (Guardian 1.2.08)