Nachwachsende Energielieferanten, Techniken, Förderorganisationen - 12/2007

Aus Tansania Information
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Anbau von Agrokraftstoffen

Der Stellvertretende Minister für Versorgungssicherheit, Landwirtschaft, Kooperative plant den Anbau von nachwachsenden Energielieferanten, Baumwollsamen, Cashewnüssen, Jatropha, Kokospalmen, Ölpalmen, Sesam, Sonnenblumen, in großem Stil. Er sagte, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Arbeitsdienst (JKT) plane er, auf 600 ha Jatrophasamen zu ziehen. Diese würden dann an die Landwirte verteilt. (DN 12.4.07)

Experten warnten davor, Agrokraftstoffe in großem Stil anzubauen. Die Vorteile müssten verglichen werden mit den Nachteilen. Diese seien u. a. Vertreibung der Landwirte, Einführung genmanipulierter Pflanzen, Anlage von Monokulturen, Rodung von Wäldern, Mangel an Nahrungsmitteln und Wasser, Verteuerung des Maises. Berichten zufolge hat Tansania Investoren aus Schweden und den USA für den Anbau von Agrokraftstoffen mehr als 40.000 ha Land im Tal des Wami-Flusses und im Gebiet des Rufiji zugeteilt. (Citizen 26.9.07)

Zum Landerwerb

Investoren, die Land benötigen, müssen die Einheimischen entschädigen. Nazir Karamagi, Minister für Energie und Bodenschätze, sagte, man müsse langwierige Verhandlungen und Beratungen mit denen führen, die das Land besitzen. Drei ernstzunehmende Firmen, eine südafrikanische, eine schwedische und eine US-amerikanische, hätten ihr Interesse an der Entwicklung von Thermalstrom geäußert. Weil sie kein Land bekommen konnten, seien alle entmutigt worden. Andere Firmen hätten andernorts in den Anbau von Zuckerrohr investieren wollen. Doch für die meisten habe sich der Erwerb von Land problematisch gestaltet. (Guardian 2.7.07)

Angesichts des Eindringens ausländischer Firmen baten Landwirte verschiedener Regionen die Regierung, sie möge heimischen Investoren, vor allem denen, die Treibstoff aus Agrarprodukten herstellen, mehr Beachtung schenken. Man nehme ihnen ihr Land weg und gebe es ausländischen Investoren, die Pflanzen anbauen, aus denen Treibstoff hergestellt wird. Wenn die Regierung Biotreibstoff produzieren und verwenden will, müsse sie sorgsam vorgehen, denn das habe Konsequenzen. "Der Anbau muss in großem Stil geschehen und wenn man nicht aufpasst, haben wir am Ende keine Versorgungssicherheit mehr", sagte ein Fachmann. "Die kleinen heimischen Landwirte werden mehr denn je verarmen, zu Bettlern werden." Der Stellvertretende Minister für Versorgungssicherheit, Landwirtschaft, Kooperative versicherte: "Kein Tansanier, keine Tansanierin wird von seinem oder ihrem Feld vertrieben, ehe anderes Land gefunden wurde." (Guardian 29.7.07)

Tansania habe genug Land für den Anbau von Bio-Treibstoff, betonte Landwirtschaftsminister Wasira. Man müsse keine negativen Auswirkungen des Ölpalm- und Jatrophaanbaus befürchten. (Guardian 30.8.07)

Jatropha

2005 hatte Sun Biofuels Tanzania Ltd., eine Firma, von deren Aktien Großbritanniens Biofuels Pic 88 % hält, für den Anbau von Jatropha 20.000 ha beantragt. Doch nur 9.000 ha Land wurden ihr nun angeboten. Die Firma sieht für Entschädigungszahlungen an 11.277 Einwohner von elf Dörfern des Kisarawe-Distrikts (Küsten-Region), die wegziehen müssen, 826m/- TSh vor. Sie vereinbarte mit der Bevölkerung, die Menschen anzuleiten, sie mit Jatropha-Saatgut zu versorgen und ihre Ernte zu kaufen. Laut Tanzania Investment Centre (TIC) müsse noch ein langer Weg zurückgelegt werden, ehe dem Investor mehr Land zugesprochen werde. Der für Entschädigung vorgesehene Betrag reiche nicht aus. Erst müsse der Wert der Ländereien festgestellt werden. Manche Familien der betroffenen Dörfer leiden unter Lebensmittelknappheit, denn die leistungsfähigsten Dorfbewohner zogen weg, weil sie bei der Sun Biofuels Tanzania Ltd. Arbeit fanden. (Guardian 2./8.8.07; The East African 6.8.07)

Experten raten Tansania, für Bio-Treibstoff ausschließlich Jatropha anzubauen, keine anderen Pflanzen. Er gedeihe auch in trockenen Gebieten, könne von den Landwirten selbst, wie seit langer Zeit üblich, als lebender Zaun um das Gehöft, den Garten oder die Felder verwendet werden. Der Name 'mbono makaburi' weist darauf hin, dass man ihn um Grabstätten pflanzte. "Warum soll man ausländischen Gesellschaften gutes Land für den Anbau von Jatropha geben", fragte der Direktor der Ngara Jatropha-Stiftung. Die Ausländer sollten die Samen kaufen und verarbeiten. (Guardian 15.11.07; Citizen 4.10.07)

Die Export Trading Company Ltd. behauptet, sie habe in eine 12.000 ha-Jatropha-Pflanzung im Mbarali-Distrikt (Mbeya-Region) ca. 25 Mio US$ investiert. Ein Verantwortungsträger der Firma sagte, man spreche mit der Regierung über weitere 50.000 ha, werde mehr als 5.000 Menschen anstellen und dafür sorgen, dass "wir bis 2010 oder danach den gesamten Treibstoffbedarf des Landes decken können." (Guardian 15.11.07)

Müll

Die Mtoni-Saba-Saba Müllhalde (Dar-es-Salaam) wird geschlossen. Eine italienische Vertragsfirma will nun das Mtoni Landfill Electricity Generation Project beginnen, etwa zehn Jahre lang Strom produzieren. Man wird die umliegenden Häuser mit Strom versorgen, den Rest ins landesweite Netz einspeisen. Ist dieses Projekt erfolgreich, zeigt sich, dass Nutzung der städtischen Müllhalden überall in Tansania möglich ist. (DN 4.2.07; Guardian 6.7.07)

Rizinus

Dr. Christine Inshengoma, Regional Commissioner der Küsten-Region, forderte die Einwohner der Insel Mafia auf, für Biodiesel Rizinus als Exportprodukt anzubauen. Experten würden die Landwirte unterstützen. Die regionalen Behörden sollten Pflanzgärten anlegen. (Guardian 25.4.07)

Sisal-Abfälle

Seit 1992 erforschte die CAMARTEC in Arusha, die Universität von Dar-es-Salaam, die Bio-Energy Berlin GmbH (BEB) u. a. die Verwendung von Sisal-Abfällen für die Gewinnung von Biogas und Dünger. 2001 installierte man auf der Muheza-Sisalfarm (Muheza-Distrikt, Tanga-Region) einen 60 m; Faulbehälter und einen Gastank. Auf der Hale-Sisalfarm (Korogwe-Distrikt, Tanga-Region) wurde nun erstmalig eine Biogas-Anlage, die Strom produziert, errichtet. Die Ausrüstung lieferte die BEB. Den Bau führten chinesische und deutsche Ingenieure in Kooperation mit der Katani Ltd. und dem Tansanischen Verteidigungsheer (TPDF) aus. Bisher erhielten 14 Tansanier in China eine Biogas-Ausbildung. (Guardian 1.5./8.8.07)

Sisalproduzenten aus der ganzen Welt trafen sich in Tanga zu einem Workshop, um zu untersuchen, wie Sisalabfälle für die Produktion von Biogas, Elektrizität und Treibstoff eingesetzt werden können. Man diskutierte über die Erfolge der Biogasanlage der Hale-Sisalfarm (Korogwe-Distrikt, Tanga-Region). (Guardian 4.8.07)

Das Pilotprojekt Cleaner Integral Utilisation of Sisal Waste for Biogas and Biofertilizer der Hale-Farm zeigt, dass aus Sisal-Rückständen Strom hoher Spannung und hochwertiger Dünger gewonnen werden können. Die Ergebnisse sollen auch an andere interessierte Sisal anbauende Länder weitergegeben werden. Bis vor kurzem wurden nur 2 % der Sisalpflanze genutzt. Seit man synthetische Fasern verwendet, schwand das Interesse an Sisalfaser. Nun muss man neue Wege der Verwendung von Sisal suchen. (East African Business Week 1.10.07)

Wind

In den Städten Singida (Singida-Region) und Makambako (Njombe-Distrikt, Iringa-Region) plant die Wind Energy Tanzania Ltd. ein Windenergie-Projekt. Den dort er-zeugten Strom wird man ins landesweite Netz einspeisen. (Guardian 6.7.07)

Zuckerrohr für Ethanol

Damit sie Ethanol für den Export produzieren kann, erhielt die Kilombera Sugar Company (KSC) Ltd. für eine Destillieranlage, die anfallende Melasse verarbeitet, und ein Heizkraftwerk, das mit Zuckerrohrabfall betrieben wird, 299.780 US$. Der Strom soll von der Firma selbst verwendet und ins Netz eingespeist werden. Bisher verwendet die KSC, die größte Zuckerfirma Tansanias, teures Schweröl, genau wie alle anderen Zuckerfabriken. Außerdem kann die Entsorgung von Melasse und Zuckerrohrabfällen ökologisch bedenklich sein. (Eastafrican Business Week 19.2.07)

Tansania soll das erste Land Afrikas sein, das Ethanol verwendet. Die schwedische Firma SEKAB plante, im Sept. 07 in Bagamoyo (Küsten-Region) versuchsweise Ethanol aus Zuckerrohr herzustellen. Für Produktion in großem Stil will man ins Rufiji-Tal (Küsten-Region) umziehen. Das Scania-Werk in Kibaha (Küsten-Region) wird Fahrzeuge herstellen, die mit Ethanol betrieben werden. Es ist schwierig, für den Anbau von Zuckerrohr genügend Land zu bekommen. 800 ha wurden für das Ethanol-Projekt ausgewählt, doch die Firma benötigt 50-mal so viel. Es heißt, 700.000 Menschen fänden hier Arbeit, sobald der Betrieb auf vollen Touren läuft. (Guardian 22.2./2.7.07)

Biogas

In Nairobi wurde die von zwölf internationalen Organisationen unterstützte Biogas for Better Life Africa Initiative offiziell gestartet. Unter den Teilnehmenden waren 150 Vertreter aus 35 Ländern Afrikas und von verschiedenen internationalen Organisationen, die sich mit Biogas-Technologie befassen. Während der kommenden zehn Jahre sollen 2 Mio. Biogasanlagen gebaut werden, wobei GTZ und SNV, eine niederländische Organisation, und die Regierung von Nepal kooperieren. Man will auf Stadt- und Dorfebene arbeiten. Auch Tansania wird unter den Begünstigten sein. In Nepal wurden pro Jahr 1.700 Biogasanlagen errichtet; nun gibt es dort 170.000 Einrichtungen. Die Kosten sind etwas hoch", gab der CAMARTEC-Generaldirektor zu. "Man benötigt u. a. Backsteine, ca. elf Sack Zement, Sand und Kies. (Guardian 28.6.07)

In Tansania gibt es 6.000 Biogasanlagen, mehr als in den anderen Ländern Afrikas. Die Regierung ermuntert dazu, diese Technologie in den Haushalten zu nutzen. Stromerzeugung aus Biogas sei noch nicht möglich, sagte der Stellvertretende Minister für Energie und Bodenschätze. (Guardian 26.7.07; Citizen 24.7.07)

CAMARTEC

Die CAMARTEC (Centre for Agricultural Mechanisation and Rural Technology) setzt sich ein für die technische Nutzung der Sonnenenergie, für moderne Herde und für Biogasanlagen, in denen Mist verwendet wird. Ca. 1.000 Stück dieser Sorte baute sie im In- und Ausland. Der Regional Commissioner von Arusha sagte, das sei zu wenig, man müsse sich mehr anstrengen. (Alasiri 11.4.07)

KAKUTE

Kakute Ltd., vor 10 Jahren gegründet, ist eine in Arusha beheimatete Firma, die für die Verbreitung von technischen Möglichkeiten verantwortlich ist. Sie soll u. a. angewandte Techniken aufzeigen, die für die Einwohner von Arusha erschwinglich sind. Im Blickpunkt stehen NGOs, Regierungsstellen und Einwohner. Die KAKUTE Ltd. gründete eine Unterorganisation, die Jatropha Products Tanzania Ltd.. Sie empfiehlt Jatropha-Öl als Alternative für Diesel. Ca. 8 l reichten für 400 km, sagte der KAKUTE-Direktor. (Arusha Times 31.3.07)

SUDERETA

2001 wurde die SUDERATA (Sustainable Development through Renewable Energy in Tanzania) von der Evang.-Luth. Kirche in Tansania (ELCT) als NGO ins Leben gerufen, denn durch Verwendung erneuerbarer Energie, wie Sonnenenergie und Biogas, soll die Entwaldung verringert werden. Dank eines SUDERETA-Umlauffonds kann jeder auf Darlehensbasis eine Solaranlage für sein Haus erwerben. Vorher konnten sich ganz wenige Dorfbewohner Solarpanele leisten. Bisher gibt es dieses Projekt in den Regionen Arusha, Kilimanajro und Manyara. (Arusha Times 7.4.07)

TaTEDO

Die TaTEDO (Tanzania Traditional Energy and Environment Organisation), eine in Dar ansässige Organisation, die sich der Entwicklung nachhaltiger Energieversorgung ländlicher Gebiete widmet, startete ein Projekt der Stromversorgung von Dörfern. Die Generatoren können mit Diesel oder Jatrophaöl betrieben werden. Für das Pilotprojekt hatte man Engaruka (Monduli-Distrikt, Arusha-Region) ausgewählt. Im Monduli-Distrikt wird viel Jatropha angebaut. Weil das Projekt gut läuft, will man es nun auch im Arumeru-Distrikt (Arusha-Region) bekannt machen. (Guardian 25.1.07)

WODSTA

In einem neuen Zentrum für alternative Energie lehrte die WODSTA (Women Development for Science and Technology Association) in einem Zweiwochenkurs die Einwohner von zwei Dörfern des Arusha-Distrikts die Herstellung sparsamer Herde. (Arusha Times 30.6.07)