Konflikte zwischen Großfamilien des Kurya-Volkes (Tarime-Distrikt, Mara-Region) - 02/2009

Aus Tansania Information
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Wegen Viehdiebstahls, Landstreitigkeiten und dem Anbau von Haschisch kommt es zwischen Familien der Kurya-Ethnie wiederholt zu Zusammenstößen. 07 wurden bei einer der schlimmsten Streitigkeiten zehn Menschen getötet.

Anf. Sept. 08 entführten Leute der Mera-Großfamilie einen Jugendlichen der Hunyaga-Großfamilie, weil er Vieh gestohlen habe. Ein Jugendlicher wurde von einem Pfeil tödlich getroffen, einer verletzt. Strohgedeckte Häuser gingen in Flammen auf. Mehrere Familien wurden vertrieben.

Wenig später starben bei neuerlichen Konflikten zwischen Leuten der Nchari-Großfamilie und der Renchoka-Großfamilie vier Menschen. 31 Häuser und elf Speicher wurden angezündet.

Ende Sept. 08 drangen Rinder der Mera in Felder der Hunyaga ein und taten sich an Maniokblättern gütlich. Deshalb steckten die Hunyaga 60 Häuser und 17 Speicher in Brand.

In den zu Konflikten neigenden Dörfern wurden Wächter und Polizisten eingesetzt.

Mitte Nov. 08 stahlen bewaffnete Viehdiebe 23 Rinder, trieben sie durch ein Dorf der Nyabasi-Großfamilie, ehe sie nach Kenia entwichen. Die Irege-Großfamilie behauptete, Nyabasi hätten sie daran gehindert, dem gestohlenen Vieh zu folgen. Die beiden Familien beschossen einander mit Giftpfeilen, ehe die Polizei zur Stelle sein konnte.

Um Frieden zu schaffen, stationierte die Verwaltung des Tarime-Distrikts an der Grenze zwischen den Irege- und den Nyabasi-Dörfern Sicherheitskräfte.

Anf. Dez 08 warfen sich Irege und Nyabasi erneut gegenseitig Viehdiebstahl vor. Bei Gefechten wurden zwei Menschen durch Gewehrschüsse getötet, einige mit Speeren und Buschmessern verletzt.

Mehrere Fahrzeuge wurden angehalten, die Passagiere zusammengeschlagen. Viele Pendler blieben in der Stadt Tarime hängen, weil die Busfahrer nicht wagten, risikoreiche Strecken zu bedienen.

Die Eingreiftruppe der Polizei suchte bei einem Sondereinsatz die bei den Konflikten verwendeten Gewehre. Man vermutete, Veteranen der Tanzania People's Defence Forces (TPDF) hätten sich an den Kämpfen beteiligt.

Die Tanzania Family Planning Association (UMATI) spendete Kleidung für etwa 900 Opfer der Kämpfe. Die Regierung gewährte 40m/- TSh für das Labor einer Sekundarschule, die von Schülern und Schülerinnen der verfeindeten Großfamilien besucht wird. Die Schule war bei den Auseinandersetzungen zum Kampffeld geworden.

Mitte Dez. 08 kam es zwischen Mera und Hunyaga erneut zu Kämpfen, nachdem 30 Rinder der Mera von Unbekannten gestohlen und durch ein Dorf der Hunyaga getrieben worden waren.

Ende Dez. 08 wurde ein Polizist der Eingreiftruppe mit einem Pfeil an der Schulter schwer verletzt, als er kämpfende Irege und Nyabasi auseinandertreiben wollte. Etwa 1.000 mit Speeren und Pfeilen bewaffnete Irege erklärten, sie würden mit den Nyabasi kämpfen. Sie bewarfen ein Auto, in dem sie Nyabasi vermuteten, mit Steinen und schleuderten Speere dagegen. Felder wurden verwüstet, zwei Häuser niedergebrannt. Drei Zivilisten wurden von Polizisten verletzt.

Nyabasi blockierten eine Straße mit Steinen, damit kein Bus die von Irege bewohnten Dörfer erreichen könne. Ein Dar-es-Salaamer, der Weihnachten mit seiner Familie verbringen wollte, klagte: "Ich bin gezwungen, nach Dar-es-Salaam zurückzukehren."

Die Polizei stationierte in dem Distrikt weitere Sicherheitskräfte mit mehr Gerätschaften.

Das Sicherheitskomitee des Distrikts traf sich mit Verantwortungsträgern der unterschiedlichen politischen Parteien, um über Wege der Versöhnung zu beraten.

Stephen Wassira, Minister für Versorgungssicherheit, Landwirtschaft, Cooperative drängte die Einwohner des Tarime-Distrikts, im eigenen Interesse die sinnlosen Kämpfe zu beenden, damit Unternehmer ermutigt würden, dort zu investieren. Mindestens zwei Investoren suchten einen Ort für eine Teeverarbeitungsfabrik. Das Image des Distriktes habe Schaden genommen. Ein Experte sagte, die Kämpfe zwischen Nyabasi und Irege hätten die Produktion von Hunderten von Teesetzlingen in den verfeindeten Dörfern zum Erliegen gebracht.

Laut einer Studie der University of Dar-es-Salaam geht es bei den ethnischen Spannungen im Tarime-Distrikt u. a. um soziale Konflikte. Die Regierung müsse sich um diese kümmern, dafür sorgen, dass die Ressourcen gleichmäßig verteilt werden. (DN 5./9./10./22.9./14./23.11./6./7./ 14./22.12.08/7./8.1.09; Guardian 23.12.08; Citizen 3./6./23.12.08)