Konflikte wegen Missachtung der Tradition - 04/2012

Aus Tansania Information
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Traditionelle Überzeugung

Traditionalisten einiger Ethnien Nordtansanias sind überzeugt, wenn Männer-Beschneidung in einem Krankenhaus, nicht von lokal anerkannten traditionellen Heilkundigen durchgeführt wird, sei das ein Affront gegen ihre Ethnie und ihre Normen. (Citizen 19.12.11)

Für die Maasai ist ihre traditionelle Initiation normalerweise der Lebensabschnitt, in dem dem Jungen das Mannsein gelehrt werden muss. Man ist überzeugt, die Initiation sei für jeden unverzichtbar, will er als vollgültiges Glied des Volkes anerkannt werden.

Die jungen Maasai wollen sicherstellen, dass alle Jungen, die das entsprechende Alter erreicht haben, nicht nur beschnitten werden, sondern die extrem grausamen Rituale der traditionellen Beschneidungszeremonie erleben.

Die Morani beschuldigen die betreffenden Leute, sie erzürnten ihre 'Götter', wenn sie die Traditionen missachteten und ihre Jungen im Krankenhaus beschneiden ließen; was weniger schmerzhaft und folglich weniger männlich sei. (DN 31.1.12)

Vorfälle

Im Babati-Distrikt (Manyara-Region) wurden bei mehreren Angriffen, an denen 100 konservative Traditionalisten des Maasai-Volkes mit traditionellen Waffen beteiligt waren, drei Personen, unter ihnen ein Pfarrer der Kirche der Brüdergemeine und ein Polizist, schwer verletzt. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie nicht an der traditionellen Methode der Männer-Beschneidung festhalten, sondern ihre Jungen zur Beschneidung in ein Krankenhaus bringen. "Wir wurden gezwungen, halbnackt, durch ihr Dorf zu laufen, während sie uns schlugen", berichtete der Pfarrer und sagte, sie gehörten zwar zum Maasai-Volk, seien aber gegen eine derartige Demütigung.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in einem Weiler, 30 km von Babati entfernt. Die Opfer der Lynchjustiz wurden halbnackt, mit übergestülpten Plastiktüten durch das Dorf geführt. (Citizen 19.12.11)

Im Rahmen der Kampagne gegen Beschneidung in Krankenhäusern stürmten in der Gemeinde Enaibosho (Arumeru-Distrikt, Arusha-Region) Ende Januar etwa 100 Morani, junge Männer der Maasai- und der Arush-Gesellschaft, ein Wohnhaus. Der Familienvater veranstaltete gerade ein kleines Fest für seine beiden Söhne, die das Beschneidungsalter erreicht hatten, und für den Eingriff in ein Krankenhaus gebracht werden sollten.

Die Morani forderten die Auslieferung der Kinder. Doch die Familie weigerte sich, das zu tun. Es kam zu einer Konfrontation. Ein junger Maasai erschlug einen Mann, fünf Personen wurden verletzt und mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Einer der Morani wurde beim Kampf zwischen beiden Lagern erschlagen. Die Polizei verhaftete sechs Personen und verhörte sie.

Der regionale Polzeikommandant betonte, es müsse verhindert werden, dass die eingefleischten Traditionalisten der Maasai- und der Arush-Gesellschaften ihre Volksgenossen, die keine traditionellen Beschneider anstellen, sondern für die Beschneidung in ein Krankenhaus gehen, bestrafen. (DN 31.1.12; Guardian 3.2.12; Citizen 30.1.12)