Kinderschutz - 05/2014

Aus Tansania Information
Version vom 6. Januar 2019, 21:22 Uhr von Sysop (Diskussion | Beiträge) (1 Version importiert)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Prügelstrafe

Deutsche Forscher in Tansania stellten in einer Studie fest, dass Körperstrafen unabhängig von kulturellen Normen zu gesundheitlichen, ´psychischen und geistigen Schädigungen führen. Besonders schädlich sei es, wenn Mütter schon Babies durch Kneifen bestrafen. Da ein Kind erst ab etwa 8 Jahren richtiges und falsches Verhalten zuverlässig versteht, signalisieren derartige Praktiken dem Kind, dass es abgelehnt wird. Die meisten Straßenkinder geben an, sie seien vor Misshandlungen in Familie oder Schule geflohen. 95% der befragten Kinder sagten, sie seien mindestens einmal von Lehrkräften geprügelt worden. Ebenfalls 95% berichteten von elterlichen Züchtigungen. 25% erlitten dabei Verletzungen.

Die Studie ergab einen Zusammenhang von körperlichen Züchtigungen und aggressivem Verhalten, bzw. vermindertem Einfühlungsvermögen, ohne dass jedoch ein strikter Ursache-Wirkung-Zusammenhang bewiesen wurde. Eine Sprecherin des Erziehungsministeriums betonte, dass Körperstrafen in Schulen nur als letztes Mittel und mit Billigung der Schulleitung erlaubt seien.

Staatliche Kinderschutz-Maßnahmen

Tansania hat die UN-Konvention über Kinderrechte 1990 ratifiziert und 2009 Gesetze zum Kinderschutz erlassen. Eine Sprecherin des Frauen- und Kinderministeriums erklärte, Tansania müsse seine Gesetzgebung verbessern, um wirkungsvoll gegen individuelle und gewerbliche Ausbeutung von Kindern vorgehen zu können. Alle Kinderheime müssten registriert und kontrolliert werden. Besonders auf dem Land müssten alle auf Anzeichen von Kindesmissbrauch und -misshandlung achten. Die Behörden allein könnten nicht viel erreichen. Laut Ministerium gibt es derzeit 200 registrierte Waisenheime und etwa 90 unregistrierte [Vgl. aber unten die Zahlen von SOS]. Diese sollten sich qualifizieren und ordnungsgemäß registrieren. Leider könne man nicht zugelassene Heime nicht einfach schließen, da die Kinder ja irgendwo bleiben müssten. Die Zahl der gefährdeten Kinder ohne elterliche Betreuung in Tansania wird auf 3 Mill. geschätzt.

Die Vereinigung für Öffentliche Gesundheit wies darauf hin, dass mehr als 50% aller geistig Gestörten Alkoholiker seien, die oft als Jugendliche mit dem Trinken begonnen hatten. Die Regierung müsse den Verkauf von Alkohol an Kinder und Jugendliche erschweren und die Werbung in der Öffentlichkeit einschränken.

Ein UNICEF-Bericht „Städte und Kinder“ belegt, dass die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Planungen und Entscheidungen eine kinderfreundliche Umgebung fördern kann. Es gibt „Kinderräte“ in Ilala, Mbeya und Arusha, sowie an einigen Sekundarschulen. In Arusha werden Kinder in 19 Bezirken und in 81 von 136 Straßen bei Entscheidungen gehört. Insgesamt jedoch bieten erst wenige Städte sichere, beschützende und anregende Umgebungen für Kinder, obwohl diese die Hälfte der Bevölkerung stellen.

Organisationen und Kinderheime

Die UN-Koordinatorin für Tansania sagte, Kinder seien die verletzlichste Gruppe, wenn Menschenrechte nicht durchgesetzt würden. Sie gratulierte dem Land für den seit 2008 mit UN-Hilfe entwickelten „Nationalen Aktionsplan für Menschenrechte“. Die darin enthaltene „Gerechtigkeitsstrategie für Kinder“ ermöglicht es jedem Kind, seine Rechte juristisch einzufordern und gewährt ihm bei Prozessen faire, menschenwürdige und zügige Behandlung. Entscheidend sei, diese Zusagen auch im Alltag umzusetzen.

Der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) und die tansanischen Medienfrauen (TAMWA) veranstalteten Seminare für Journalisten, um die Bevölkerung durch professionelle Berichterstattung zu Kindes-Missbrauch und Zwangsheirat zu sensibilisieren, Jugendliche zu informieren und potentielle Täter abzuschrecken. Manchmal würden durch gute Recherchen Serientäter entlarvt. Die Berichterstattung reflektiere noch immer nicht die Vielzahl der Fälle. Auch Anzeigen, die nicht oder verzögert bearbeitet werden, sollten in den Medien angeprangert werden.

Die Vorsitzende der parlamentarischen Frauengruppe, Anna Abdallah, berichtete, dass der UNICEF zusammen mit der Regierung Aktionspläne gegen Kinderheirat ausarbeite. Auch würden Mädchenclubs unterstützt, die über Menschenrechte unterrichteten, sowie Gruppen, die in den Gemeinschaften einen Dialog gegen Zwangsheiraten führten. Frau Abdallah versicherte den Frauen in der Verfassunggebenden Versammlung, die Kinderheirat sei eine abstoßende Verletzung der Menschenrechte und beraube Mädchen ihrer Bildung, Gesundheit und Zukunftsaussichten.

Im Rahmen der Aktion „Care4me – stop child abuse“ trafen sich auf Sansibar 160 Kinder aus tansanischen SOS-Kinderdörfern. Auch Kinder aus dem „Familien-Stärkungs-Programm“ (FSP) und der „Familienbasierten-Betreuung“ (FBC) nahmen teil. Die Kinder appellierten an Öffentlichkeit, Medien und Behörden, die Kinderrechte zu stärken und Übeltäter konsequent zu bestrafen. Ähnliche Treffen fanden in Arusha, Dar-Es-Salaam, Mwanza und Pemba statt. SOS arbeitet in Tansania seit 1991und betreut etwa 450 Kinder. Die Familien-Betreuung kümmert sich um 2825 Kinder.


Zur Vorbereitung der geplanten Kampagne „Care for Me“ sagte der SOS-Koordinator J. Batista, es gebe in Tansania 294 anerkannte Betreuungsinstitutionen für Kinder. Davon seien 188 nicht registriert. Die Qualität ihrer Arbeit sei daher nicht bekannt. Die Kampagne will möglichst einheitliche und anerkannte Standards in allen Einrichtungen durchsetzen. Nachdem das Land mehr als 200.000 gefährdete Kinder hat, müsse das Kinderschutz-Gesetz von 2009 ins Kiswahili übersetzt werden. Ferner müsse die Regierung die privaten Initiativen entschlossen unterstützen.

Das Gesundheitsministerium startete eine gemeinsame Kinderschutz-Initiative, finanziert mit € 1,8 Mill. von der EU. Sie soll in ländlichen Distrikten durchgeführt werden von UNICEF, Save the Children International (SCI) und Plan International. Vor allem auf Landkreis- und Orts-Ebene sollen die Sozialbehörden verstärkt werden. Bisher hat erst die Hälfte der Lokalregierungen überhaupt Sozialarbeiter/innen, die oft so gut wie keine Arbeitsmittel haben. Daher können die neuen Richtlinien des Gesundheitsministeriums zur Gewalt gegen Kinder nur ansatzweise umgesetzt werden. Die Initiative soll bezüglich Gewalt gegen Kinder Problembewusstsein und Wissen vermitteln, Einstellungen und schädliche Traditionen positiv verändern, Schutzmechanismen in Schulen etablieren und die Kompetenz der Behörden verbessern.

Die Stiftung „Watoto Foundation“ in Arusha feierte ihr 10-jähriges Bestehen. Zur Zeit werden 54 Straßenkinder betreut und erhalten Unterricht. Einige der früheren Schüler arbeiten bereits selbständig, andere bilden sich in Sekundarschulen fort.

Die Stiftung „Pamoja Tuwalee“ („Ziehen wir sie gemeinsam auf“) wird sich mit US-Hilfe in Nord-Tansania um Tausende von Waisen und verstoßene Kindern kümmern. Präsident Kikwete stellte dazu eine neue Berechtigungskarte vor, die gefährdeten Kindern kostenlose medizinische Behandlung ermöglichen soll.

Leitfaden für Schüler mitAlbinismus

Zusammen mit „Under The Same Sun“ und UNICEF hat die Regierung einen Leitfaden für Schüler mit Albinismus herausgegeben. Er verzeichnet Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfsmittel. Zukünftig sollen sie auch erleichterten Zugang zu Ausbildungskrediten erhalten. Es gibt 2045 Schüler mit Albinismus, 978 Mädchen und 1067 Jungen.

Kirche rettet ausgesetzte Kinder

Dr. S. Munga, Bischof der lutherischen Nordost-Diözese, berichtete von Kleinkindern, die im Gebüsch oder in Latrinen aufgefunden wurden. Während in vorchristlicher Zeit Neugeborene mit Auffälligkeiten getötet wurden, seien es heute Kinder von depressiven oder minderjährigen Müttern. Viele wollten jedoch ihre Neugeborenen nicht töten, sondern setzten sie aus in der Hoffnung, dass jemand sich ihrer annimmt.

Die Lutherische Kirche wird daher Zentren für ausgesetzte Babies in Tanga, Muheza und Korogwe errichten. Dort können minderjährige Mütter ihre Kinder in geschützter Umgebung zur Welt bringen und dem Heim anvertrauen. Die lutherische Kirche dieser Region wurde von der Bethel-Mission begründet, die schon Ende des 19. Jahrhunderts diakonische Zentren einrichtete: Irente für Gehörlose, Mlao und Mponde für Lepröse, Lutindi (Psychiatrie).

Homepages

UNFPA: http://www.unfpa.org; TAMWA: www.tamwa.org; SOS-Dörfer: www.sos-childrensvillages tanzania.org; UNICEF: www.unicef.org; Save the Children: www.savethechildren.net; Plan International: www.plan-international.org; Lutherische Nordost-Diözese: www.elct-nd.org; Pamoja Tuwalee: www. bantwana.org/where-we-work/tanzania; Albinismus-Hilfsorganisation: www.underthesamesun.com

Arusha Times 26.10.13; Guardian 21.,23.11.; 12.12.13; 24.,25.,28.01.14 DN 27.12.13; 08.,14.,19.,21.,23.,24..01.; 02.02.; 31.03.; 02.,14.04.14; Citizen 28.04.14; Human Rights Watch 28.03.14