Gesundheit - Reproduktionsmedizin - 03/2014

Aus Tansania Information
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Bei einem Gala-Essen zugunsten von AMREF (African Medical Research Foundation, gegründet 1957 als Flying Doctors) äußerte sich Vizepräsident Bilal besorgt darüber, dass die Sterberate im Umfeld von Schwangerschaft und Geburt zunimmt. Hauptgrund seien fehlende Hebammen (nur 40% der Stellen sind besetzt). AMREF will mit der Kampagne „Aufstehen für Tansanias Mütter“ 1000 neue Hebammen aus-, und 2.800 Hebammen fortbilden.

Sprecher mehrerer NRO für Reproduktionsgesundheit wiesen darauf hin, dass Tansania die Ziele der Familienplanung nicht erreichen wird, die jährlich 1 Mill. Abtreibungen, 2,9 Mill. ungewollten Geburten, 18.000 Todesfälle von Müttern und 500.000 von Kindern, zu reduzieren. Der 2010 gestartete Plan sieht vor, die Familienplanungsquote von damals 27% bis 2015 auf 60% (vorwiegend bei Frauen) zu steigern. Maximal seien jedoch 47% erreichbar. Kenia und Ruanda stehen bereits bei 45%.Um das 60%-Ziel zu erreichen, müssten in dem 5-Jahres-Zeitraum USD 88 Mill. aufgewandt werden. Tansania wendet derzeit pro Einwohner und Jahr USD 14,90 auf (die WHO empfiehlt USD 54 / Jahr). „Pfadfinder International“ erklärte, viele Frauen seien an Familienplanung interessiert, fänden aber zu wenig Unterstützung. Die staatlichen Gesundheitszentren seien schlecht ausgestattet, bürokratisch, oft zu weit entfernt, das Personal oft korrupt. Wegen ihres schlechten Rufes werden sie daher von vielen Frauen gemieden.

Ein Staatssekretär im Gesundheitsministerium bedauerte, dass nur 30% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Beratung zu Sexualfragen suchten und sich der „reichlich vorhandenen Verhütungsmittel“ bedienten. So käme es zu Ansteckungen, Frühschwangerschaften und Todesfällen. Vielen Mädchen fehlten Selbstbewusstsein und Wissen, um sich gegen sexuelle Avancen zu wehren. 2012 brachen 8000 Mädchen den Schulbesuch wegen Schwangerschaft ab.

Testkäufe der Tageszeitung The Guardian ergaben, dass die für Schwangerschaftsabbruch im Frühstadium vorgesehene Pille Misoprostol trotz Rezeptpflicht auch von jungen Mädchen problemlos „wie Süßigkeiten“ für etwa Tshs 10.000 (€ 5,-) gekauft werden kann. Bei unsachgemäßem Gebrauch und falscher Dosierung kann das Mittel zu Komplikationen führen.

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Guardian13.10.; 06.12.13; 25.01.14; DN 18.12.13; IRIN 19.11.13