Gesundheit - Killerkrankheiten - 03/2014

Aus Tansania Information
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Malaria

Malaria bleibt endemisch in Tansania. Jährlich erkranken etwa 15 Mill. Menschen, 120.000 sterben an der Krankheit, davon 70.000 Kinder. Obwohl mit dem verbreiteten Einsatz von insektizid-imprägnierten Moskitonetzen und der Kombinationstherapie auf Artemisininbasis Fortschritte erzielt wurden, blieb ein durchschlagender Erfolg aus. Einerseits verbreitet die zunehmende Mobilität der Bevölkerung die Krankheit, andererseits stehen zur Malaria-Bekämpfung wesentlich weniger Finanzmittel zur Verfügung, seit HIV/AIDS hohe Kosten verursacht.

Die Lutherische Kirche (ELCT) setzt in Zusammenarbeit mit Lutheran World Relief ihr Malaria-Aufklärungsprogramm in den Diözesen Morogoro, Pare und Iringa fort. Im Religionsunterricht und in Gottesdiensten erhalten die Gläubigen Tipps zur Malariaprävention. Auch Missverständnisse sollen beseitigt werden, z.B., dass imprägnierte Moskitonetze die Zeugungskraft beeinträchtigen.

Auf Sansibar ist es gelungen, die Malaria fast auszurotten. Während diese 2004 noch 44% der Todesfälle verursachte, waren es 2012 weniger als 1%. Präsident Kikwete gratulierte der Regierung Sansibars zu diesem in Afrika einmaligen Erfolg und forderte sie auf, ihn weiter zu konsolidieren. Dazu muss für längere Zeit das Früh-Entdeckungsprogramm und weitere Maßnahmen wie Insektizidsprays mit Langzeitwirkung weitergeführt und finanziert werden. Auch die Bevölkerung muss sich noch viel mehr bemühen, ihre Umgebung sauber zu halten.

Das Ifakara Health Institute in Bagamoyo testet eine in den USA entwickelte Malaria-Impfung an Erwachsenen. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, wird Tansania als erstes Land Malaria-Massenimpfungen durchführen. Eine große Fachkonferenz in Südafrika meldete vielversprechende Testergebnisse bei Kindern mit dem Impfstoffkandidaten RTS,S.

DN 25.12.13; 01.01.14; Guardian 09.,11.10.13; 06.,10.01.14

HIV / AIDS

Laut der 3. Tansanischen HIV/Malaria--Erhebung beträgt die HIV-Infektionsrate landesweit 5,1% (Frauen 6,2%; Männer 3,2%). In der Kagera-Region stieg sie von 3,4% (2011) auf 5,4% (2012). 2010 waren dort noch 19% festgestellt worden. Der Regionalchef führte den Anstieg u.a. darauf zurück, dass HIV-Infizierte dank der Behandlung länger überleben. In den Fischergemeinden am Victoriasee wird eine Zunahme der HIV-Infektionen beobachtet. Als Gründe nannte der Gesundheitschef des Sengerema-Landkreises zunehmende Aktivitäten von Prostituierten und nachlässige Aufklärung von Seiten der Behörden, die sich nicht exponieren wollten und die Arbeit privaten Organisationen überließen.

Die Rukwa-Region meldete einen Anstieg von 4,9 auf 6,2%. In der Ruvuma-Region wurde ein Anstieg auf 7% registriert (von 5,9% 2007). Verstärkte Aufklärungsanstrengungen sollen vor allem in den Grenzgebieten zur Njombe-Region unternommen werden Dort, in der Region mit der höchsten Infektionsrate, leben 14,8% mit HIV/AIDS. Die günstigste Rate auf dem Festland wurde in der Manyara-Region mit 1,5% registriert. Noch niedrigere Werte zeigen Sansibar (1,2%) und Pemba (0,3%). Die am meisten gefährdeten Gruppen sind Drogenkonsumenten, Homosexuelle und Sexarbeiterinnen (z.B. in DSM 30% mit HIV). 70,5% der Neuinfizierten sind im Alter von 25 bis 49 Jahren. Da mehr sexuell Aktive als früher Kontakte mit mehreren Partnern haben, empfiehlt der Bericht, den Einsatz von Kondomen zu fördern.

In Tansania leben 1,6 Mill. Menschen mit HIV, 670.000 konsumieren antiretrovirale Medikamente (Ein anderer Bericht nennt 155.000). Neuere Forschungen zeigen dass mit solchen Medikamenten Behandelte „schlafende HI-Viren“ (provirale DNS) in sich tragen, die 60 mal gefährlicher und mit bisher bekannten Mitteln nicht zu bekämpfen sind. Sie werden aktiv, wenn die Behandlung unterbrochen wird. „Es ist daher alarmierend, wenn Viele glauben, dass AIDS geheilt werden kann. Dem ist nicht so. Das einzige effektive Gegenmittel ist die Prävention“, sagte ein AIDS-Fachmann.

Eine UNESCO-Statistik zeigt, dass nur etwa 30% der Jugendlichen angemessen über die Übertragungswege des HIV informiert sind. Die Bildungseinrichtungen müssten sich verstärkt um eine umfassende Sexualerziehung bemühen (Comprehensive Sexual Education). Schüler kritisieren, dass sich Eltern und Lehrer gegenseitig die Verantwortung dafür zuschieben und viele Lehrer in Sexualfragen zu vage bleiben.

Das Gesundheitsinstitut Ifakara (IHI) teilte als Ergebnis einer Studie in Ifakara Stadt und Land mit, das etwa 60% aller HIV-Neuinfektionen innerhalb von Ehen und Partnerbeziehungen auftreten. Daher seien die Programme zu freiwilliger Beratung und Tests von Partnern (Partner Voluntary Counselling and Testing) besonders wichtig. Das Gesundheitsministerium hält dafür Material bereit. Neue Richtlinien sehen vor, bei Paaren mit einem HIV-positiven Partner antiretrovirale Medikamente zu geben.

Die Mutter-Kind-Übertragungsrate bei HIV beträgt aktuell 15%. Die Präsidentengattin, Salma Kikwete, sagte, ohne die bisherigen Anstrengungen läge sie bei 20 bis 45%. Ziel sei es, sie bis 2015 auf unter 5% abzusenken. Dafür wurde der Prophylaxe-Plan „Option B +“ entwickelt. Demnach sollen alle HIV-positiven Schwangeren lebenslänglich antiretrovirale Medikamente erhalten, ohne langwierige Zellzählungen (CD4 T-Zellen). Zur Zeit leben 160.000 Kinder mit HIV, von denen etwa 80% von ihren Müttern angesteckt worden sind.

Im Gebiet der Großen Seen erreichte die staatliche Mutter-Kind-AIDS-Prävention in Zusammenarbeit mit der privaten „Ariel Glaser Pediatric AIDS Healthcare Initiative“ einen eindrucksvollen Rückgang der Mutter-Kind-Infektionen auf den Stand von nur noch 2% der neugeborenen Kinder von HIV-infizierten Müttern.

Der Globale Fonds gegen AIDS etc. gewährt Tansania einen weiteren Zuschuss von USD 79 Mill. zur AIDS-Bekämpfung. Schwerpunkte sollen sein:

  • Beschaffung antiretroviraler Medikamente
  • Vorbeugung gegen Mutter-Kind-Ansteckung, vor allem aktives Ansprechen HIV-positiver Mütter
  • Anleitung zum korrekten Kondomgebrauch (männlich und weiblich), von PSI (Population Services International), einer Agentur für Reproduktionsgesundheit zu propagieren
  • Konzentration auf „Schlüsselgruppen“ wie Sexarbeiterinnen (15.132 Zielpersonen) und Homosexuelle (9.079 Zielpersonen)

Auf der 17. Internationalen Konferenz gegen AIDS und Geschlechtskrankheiten in Afrika erhielt Tansania Lob für sein Methadon-Drogenersatzprogramm für Menschen, die harte Drogen injizieren (ihre Zahl wird auf 50.000 Personen geschätzt). Sie tragen dazu bei, AIDS und Hepatitis zu verbreiten. Das Methadonprogramm wird vom Notfallplan für AIDS-Hilfe des amerikanischen Präsidenten finanziert. Derzeit bemüht man sich besonders darum, Frauen, die Heroin konsumieren, in das Programm einzubeziehen. Weitere finanzielle und personelle Unterstützung wird das UN-Büro gegen Drogen und Verbrechen (UNODC) gewähren.

Tuberkulose

In Tansania sind 63.000 TB-Fälle registriert. Die tatsächliche Zahl der Infektionen wird jedoch auf das Doppelte geschätzt. Schwerpunkte sind dicht besiedelte Slumgebiete in Dar-Es-Salaam und Mwanza, sowie Bergbauregionen wie Shinyanga, Mara und Mererani/Simanjiro. Dort sind die Gefährdungsfaktoren: hohe Fluktuation, viele nicht registrierte Personen, niedrige Einkommen, fehlende Gesundheitsdienste und unhygienische Arbeits- und Lebensbedingungen.

Das Gesundheitsministerium bildete eine Arbeitsgruppe zur TB-Kontrolle in Bergbauregionen. Auch ein Schnell-Diagnose-Gerät wurde beschafft, das innerhalb von 60 Minuten Ergebnisse liefert. 40% der Tuberkulose-Kranken sind auch HIV-positiv. 88% der erfassten TB-Fälle werden erfolgreich behandelt. Auch Lepra wird seit 1977 mit dem umfassenden Nationalen Tuberkulose-Lepra Programm bekämpft. Dennoch gehört Tansania mit 2500 bekannten Fällen zu den Ländern mit relativ vielen Leprakranken.

Krebs

In Tansania werden jährlich 44.000 Krebsfälle diagnostiziert. 4000 davon behandelt die Spezialklinik Ocean Road Krebsinstitut in Dar-Es-Salaam, mit einer unbefriedigenden Erfolgsquote, weil 80% der Patient/innen zu spät zur Behandlung kommen. Auch fachkundiges Personal fehlt, dazu sind Krebsmedikamente oft sehr teuer. Dr. Mengi, Eigentümer von IPP Media, forderte eine landesweite Kampagne zur Brustkrebs-Früherkennung, vor allem in ländlichen Gebieten. Die Regierung plant, in nächster Zeit mindestens 400 Mediziner/innen zur Spezialisierung in Krebsdiagnose und -behandlung ins Ausland zu senden.

Ab 2014 sollen Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren gegen Humane Papilloma-Viren geimpft werden. Diese gelten als Auslöser des Gebärmutterhals-Krebses, der laut Gesundheitsministerium die Hälfte aller diagnostizierten Krebsfälle ausmacht.

Das Gesundheitsministerium startete in Zusammenarbeit mit Frauen- Jugend- und AIDS-Organisationen eine zweijährige Initiative zur Aufklärung über Gebärmutterhals-Krebs. Etwa 25% der tansanischen Frauen werden irgendwann von dieser Krankheit befallen, die meist zu spät diagnostiziert wird. Zur Zeit gibt es 130 Testzentren in 17 Regionen. Später soll der Test in allen Gesundheitseinrichtungen verfügbar sein.

Im „Weill Bugando Medical Centre“ in Mwanza werden jetzt jährlich 8000 Krebspatienten behandelt, davon 30% Kinder. Das Krankenhaus erhielt mit Hilfe christlicher Organisationen eine neue Krebsstation mit sehr moderner Ausstattung: Linearbeschleuniger, Computertomograph und Mammograph. Der tansanische Vizepräsident Dr. Bilal sagte bei der Einweihung, die Regierung plane weitere derartige Zentren am KCMC in Moshi und dem Referenzkrankenhaus Mbeya. Wohlhabende Patienten, die in Indien behandelt worden waren, hatten Ausstattung und Methoden der tansanischen Krebstherapie als rückständig und ineffizient kritisiert.

Eine internationale Forschergruppe entdeckte im Mahale Nationalpark, Kigoma, eine Pflanze (centratherum anthelminticum), deren Samen bei Zelllinien von Brustkrebs und anderen Tumorarten zytotoxisch und apoptotisch (zelltötend) wirkte. Auch Wirkung gegen Malaria und bakterielle Infektionen wurde nachgewiesen. Die Forscher hatten beobachtet, dass Schimpansen Teile dieser Pflanze gezielt aßen. Sie hoffen, dass sich aus den Wirkstoffen nach weiterer Forschung ein Krebsmedikament entwickeln lässt.

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