Gesundheit - Infrastruktur - 03/2014

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Versicherung und Finanzen

In der Abuja-Erklärung von 2001 (WHO-Konferenz) war beschlossen worden, 15% der staatlichen Haushaltsmittel für Gesundheit zu reservieren. Im gegenwärtigen Finanzjahr stehen dafür Tshs 1,5 Bill. (10% des Nationalbudgets) zur Verfügung.

Die NRO (Nichtregierungs-Organisation) SIKIKA stellte dem 1993 eingeführten Kostenteilungs-Programm im Gesundheitswesen ein schlechtes Zeugnis aus. Dieses sollte allen Bürger/innen den Zugang zu Gesundheitsdiensten erleichtern und lokale Gemeinschaften einbeziehen. Es sei aber beeinträchtigt durch Unterfinanzierung und Bürokratie. In manchen Krankenhäusern müssten die Kosten von bis zu 75% der Patienten von dem Subventionsprogramm übernommen werden, die Gesamterstattungssumme bleibe aber konstant. So entstünden strukturelle Defizite. Weil das Gesundheitsbudget generell sehr stark von ausländischen Gebern abhänge, sei keine solide Planung möglich. In naher Zukunft will die Regierung eine Pflichtkrankenversicherung für alle Bürger einführen. Die bisher freiwillige Krankenversicherung findet wenig Zuspruch (z.Zt. 6,6 Mill. Versicherte, ca 15% der Bevölkerung), da die Beiträge relativ hoch sind (10.000 / Monat) und in den staatlichen Gesundheitszentren immer wieder Medikamente fehlen. Eine neuere Studie des Ifakara Health Institute in 27 Landkreisen stellt fest, dass nur in 2,5% der Gesundheitsinstitutionen alle Basismedikamente vorhanden waren, bei 41% noch 6 von 14 wesentlichen Medikamenten.

Die Regierung will ab Januar 2014 ihre Schulden bei der Abteilung für Medikamenten-Einkauf abtragen (Tshs 52 Mrd. - € 24,5 Mill.). Diese benötigt Tshs 5 Mrd. für Auslieferungs-Fahrzeuge, um das neue Direktlieferungs-System umzusetzen. Damit will man die chronisch verspäteten Lieferungen, vor allem im ländlichen Bereich, vermeiden. Die bisher sehr hierarchisch aufgebaute Behörde soll - auch durch ein neues computergesteuertes System - dezentralisiert und effizienter werden. Die Zentralapotheke wird mitfinanziert von internationalen Gebern: Globaler Fonds zur Bekämpfung von Malaria, AIDS und TB, USAID (US-Entwicklungsdienst), Weltbank, UNFPA (Bevölkerungsfonds), UNICEF (UN Kinderhilfswerk), WHO (Weltgesundheitsorganisation) und DANIDA (Dänische Entwicklungsagentur). Bei einer Tagung von medizinischem Personal der Regionen Geita und Mwanza forderten mehrere Sprecher, das Monopol der Behörde für Medizinbedarf aufzugeben. Nur Konkurrenz könne die chronischen Defizite beseitigen, wie verspätete, und unvollständige Lieferungen, nicht funktionierende Apparate, Präparate nahe am Verfallsdatum.

EDV, Vernetzung, Spezialisierung

Das Gesundheitsministerium will ab 2014 die ehrgeizige „e-Gesundheits-Strategie“ aufbauen. Hierbei soll durch elektronische Datenverarbeitung im Gesundheitswesen die Effizienz verbessert und Kosten gesenkt werden. Das neue System soll einerseits bei der Verarbeitung von Bestellungen und Zahlungen helfen, andererseits den Informationsaustausch zwischen Ärzten und zwischen Krankenhäusern erleichtern. In der ersten Phase soll das System alle Referenz-Krankenhäuser vernetzen und die jetzigen inkompatiblen Teilsysteme unterschiedlicher Herkunft ersetzen. Die Kosten von etwa Tshs 100 Mrd. sind erst teilweise finanziert. In weiteren Phasen (Dauer 7 bis 15 Jahre) soll die e-Strategie auf allen Ebenen des Gesundheitswesens eingeführt werden, so dass schließlich auch in ländlichen Dispensaries Rezepte elektronisch ausgestellt werden können.

Prof. Dr. Majinge, Direktor der Bugando-Klinik, Mwanza, gab bekannt, dass dieses Krankenhaus mit neuer Medizintechnik Herz-Operationen und Krebsbehandlung durchführen könne. Ein Schwerpunkt seien Herzoperationen an Kleinkindern mit angeborenen Herzfehlern. Es gebe jetzt eine eigene Intensivstation für Kinder. Fachärzte für Anästhesie, Chirurgie und Nuklearmedizin seien in Indien und Israel ausgebildet worden. Nun sei Bugando zum hochspezialisierten Krankenhaus aufgestiegen (super specialisation), bei der Herzchirurgie das Einzige neben dem Muhimbili-Herzzentrum in Dar-Es-Salaam. In der Onkologie arbeitet das Bugando Hospital eng mit Fachleuten aus Italien und der UN-Atomenergiebehörde zusammen [s.u. „Krebs“]. Man hofft, mit den neuen medizinischen Möglichkeiten die bisher relativ häufigen und teuren Behandlungen in Indien und Südafrika vermeiden zu können.</nowiki>

Das Aga-Khan-Krankenhaus in Dar-Es-Salaam investiert mit Hilfe der französischen Entwicklungsagentur Tshs 130 Mrd. in neue Spezialabteilungen für Herzchirurgie und Onkologie von der Vorbeugung bis zur Palliativpflege. Der Gesundheitsminister gab bekannt, dass in naher Zukunft alle großen Referenzkrankenhäuser Krebszentren erhalten werden. Das Aga-Khan-Hospital plant, 30 Beratungszentren in allen Regionen zu errichten.

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