Gesundheit - Alternative Heilmethoden - 03/2014

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Werbeverbot für traditionelle Heiler

Das Gesundheitsministerium forderte regionale und lokale Behörden auf, das Werbeverbot für traditionelle Heiler durchzusetzen. Nach geltendem Recht dürfen solche „Kräuterdoktoren“ nur in der Nähe ihrer Praxis auf diese hinweisen und Behandlungszeiten anschlagen. Jede einschlägige Reklame muss vom „Nationalrat Traditioneller Heiler“ (NTHC) zugelassen sein. Verboten ist Werbung auf Reklametafeln und in den gedruckten und elektronischen Medien.

In letzter Zeit hatten Anzeigen überhand genommen, die versprechen, alles Mögliche zu heilen, z.B. Krebs, AIDS, Missbildungen, Liebeskummer, Impotenz und Arbeitslosigkeit. Ärzte befürchten, dass Patienten dadurch verleitet werden, Behandlungen zu verschleppen und viel Geld für erfolglose oder schädliche Kuren auszugeben. Krankheiten und soziale Probleme werden dabei meist auf Zauberei oder böse Geister zurückgeführt und so scheinbar verständlicher und leichter anzugehen. 60% der Bevölkerung vertrauen traditionellen Behandlungsmethoden. Der tansanische Medizinerverband (MAT) erwartet von der Regierung eine schnelle gesetzliche Regelung, um die Bezeichnungen „Arzt“ und „Doktor“ gegen Missbrauch zu schützen. Viele traditionelle Heiler bezeichnen sich als „professioneller Doktor“ und täuschen damit Hilfesuchende. Von den geschätzten 75.000 Kräuterheilern im Land haben sich bisher nur etwa 1000 beim zuständigen Verband NTHC [s.o.] registriert. Nur Wenige kooperieren mit dem staatlichen Forschungsprojekt zur Kräuterkunde an der Muhimbili-Universität (Institute of Traditional Medicine).

Warnung vor religiösen Heilern

Beim 3. Nationalen Forum zur Qualitätssteigerung im Gesundheitswesen wiesen Ärzte auf den Trend hin, medizinische Behandlung durch Gebete und Riten zu ersetzen. Die Bedeutung von Gebet und Glauben für den Heilungsprozess werde durchaus anerkannt. Zunehmend aber behaupteten sektenartige Gruppen, Glaube und Wissenschaft schlössen einander aus. So würden notwendige Maßnahmen verzögert oder verhindert, mit der Folge von Komplikationen bis hin zu vermeidbaren Todesfällen. Manche „spirituellen“ Heiler beuteten ihre Opfer auch finanziell aus.

Sowohl islamische als auch christliche Geistliche betonten, Gebet und wissenschaftliche Medizin seien keine Alternativen, sondern ergänzten einander. Ein Sheikh sagte: „Jede Krankheit kann kuriert werden, außer Alter und Tod. Im Gebet wird Gott gebeten, die Wirkung der medizinischen Bemühungen zu beschleunigen.“

Kommentatoren weisen darauf hin, dass der Trend zu irrationalen Heilmethoden mit dem Glaubwürdigkeitsverlust der Schulmedizin zusammenhänge. Viele Ärzte seien mehr am Geld der Patienten als an deren Wohlergehen interessiert. Andere seien schlicht Quacksalber, die unnötige und wirkungslose Medikamente verkauften. Schon angelernte Hilfskräfte mit Grundschulbildung ließen sich als „Doktor“ anreden und erpressten von Unwissenden Geld für nicht geleistete Dienste.

Guardian 03.,07.12.13; 04.01.14; DN 01.,02.12.13;14.02.14