Gesundheit, Covid-19 - 07/2021

Aus Tansania Information
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Coronapolitik

Im Juni gab es wieder Bewegung im Bereich Gesundheitspolitik gegenüber der Coronaepidemie. Im Mai hatte die Präsidentin den Bericht einer Kommission entgegengenommen, die ein freiwilliges Impfprogramm und die Bekanntgabe von Infektionsdaten empfahl. Sie hatte dann Gesundheitsministerin Dorothy Gwajima, die noch im Februar mit der eigenhändigen Zubereitung von Gemüsesäften gegen Covidinfektionen internationale Bekanntheit erlangt hatte, damit beauftragt, eine entsprechende Kabinettsvorlage vorzubereiten. In Sansibar hatte Regionalpräsident Mwinyi persönlich seine Bereitschaft erklärt, Impfprogramme anzubieten und die WHO um Hilfe gebeten. Im islamischen Sansibar ist das Thema aktueller, weil niemand ungeimpft an der Wallfahrt nach Mekka teilnehmen kann.

Es folgte eine Klarstellung seitens des Internationalen Währungsfonds IMF, dass Tansania einen beantragten Sonderkredit zur Bekämpfung von Coronafolgen von $ 574 Mio. nur dann erhalten könne, wenn es mit der Bekanntgabe von Infektionsdaten beginnt. Mitte Juni wurde dann von der Regierung erklärt, man werde entsprechende Daten veröffentlichen.

Am letzten Tag der Antragsfrist beantragte die Regierung dann den Kredit beim IMF.

Am 28. Juni erklärte die Präsidentin auf einer Pressekonferenz, dass es derzeit „mehr als 100 an Covid-19 Erkrankte“ gebe, von denen 70 an Beatmungsgeräten angeschlossen sind. Zeitungen im Lande reagierten mit einer Überschrift „Tansania veröffentlicht seine Covid Statistik“. Einige Kommentatoren in Internetforen wiesen darauf hin, dass „mehr als 100 Kranke“ keine besonders klare Mengenangabe ist. Tatsächlich wurden bis Ende Juni keine Zahlen über Testergebnisse veröffentlicht; das Nationale Zentrallabor führt täglich Untersuchungen durch, da alle Reisenden ins Ausland an der Grenze Testergebnisse vorlegen müssen und die einzelnen Teststationen in verschiedenen Krankenhäusern seit vergangenem Jahr ihre Proben an das Zentrallabor senden müssen. Diese Zahlen sind bisher nicht öffentlich.

Citizen 05.06. , 17.06. + 28.06.21, East African 14.06.21, Guardian 10.06.21

Warnung vor der 3. Welle

Nach wiederholten Warnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO vor einer 3. Coronawelle wurde diese Warnung auch offiziell vom Gesundheitsministerium ausgesprochen. Begründet wurde die Warnung mit steigenden Fallzahlen in Nachbarländern, wo zuvor Uganda wieder Ausgangssperren angeordnet hatte. Die WHO zeigte sich besorgt, dass neue Varianten des Virus die Wirksamkeit der Schutzimpfungen unterlaufen können. Die meisten Länder blieben hinter ihrem Ziel zurück, wenigstens 10% der Bevölkerung bis September zu impfen. Für Tansania gibt es solche Pläne bisher nicht.

Der Regionalkommissar von Dar es Salaam Amos Makalla erklärte gegenüber der Zeitung Mwananchi am 24. Juni, dass Vorsichtsmaßnahmen wie Maskentragen in den Bussen, auf Märkten und bei Versammlungen aller Art eingehalten werden müssen. An Bushaltestellen und auf Märkten müssten wieder Waschgelegenheiten aufgestellt werden. Offenkundig wird aber nicht versucht, diese Maßnahmen auch durchzusetzen, wie dies einmal im April 2020 der Fall gewesen war. Bis Ende Juni waren Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln und im Straßenbild eher die Ausnahme und wurden nur beim Betreten von Regierungsgebäuden eingefordert. Es ist im Moment nicht deutlich, ob die Regierung bewusst auf Freiwilligkeit setzt oder ob sie den Konflikt mit einer Bevölkerung scheut, der ein Jahr lang der Sieg über Corona verkündet worden war.

Nach der Warnung des Gesundheitsministeriums stellten Reporter der Zeitung Citizen fest, dass diese im Nachtleben von Dar es Salaam noch keine Wirkung zeige. Kneipen und Tanzlokale waren zum Brechen gefüllt, auf Nachfragen der Reporter gaben viele Kunden an, noch nichts von einer neuen Warnung gehört zu haben. Andere erklärten, dass sie den Warnungen keinen Glauben schenken.

Citizen 21.06.21 , DN 19.06.21, East African 15.06.21

Geheimniskrämerei fortgesetzt

Eine Woche nach der Antragsfrist für den Coronakredit des IMF gab der stellvertretende Gesundheitsminister G. Mollel der Deutschen Welle ein Interview. Auf die Frage nach der geforderten Veröffentlichung von Covid-Infektionszahlen, die bis Ende Juni noch nicht erfolgt war, antwortete Mollel, die Regierung habe stets Statistiken über die Erkrankungen geführt. Man habe sie nur seit Mai 2020 nicht mehr veröffentlicht, um die Nation nicht unnütz zu beunruhigen. Auf die Frage nach den Zahlen antwortete er, die Regierung habe ihre eigenen Wege, mit der Weltgesundheitsorganisation zu kommunizieren. Die Politiker im Gesundheitswesen sind bisher dieselben Personen, die unter dem verstorbenen Präsidenten Magufuli das Ende von Corona in Tansania verkündet und alternative Methoden wie Gemüsesaft und Dampfinhalation zur Abwehr von Ansteckungen propagiert hatten.

Bloomberg 25.06.21, Citizen 23.06.21

Kontroverses Eingeständnis

Bei einem Treffen mit der Katholischen Bischofskonferenz sagte Präsidentin Samia, dass das Virus in Tansania vorhanden sei und dass es auch Kranke gebe. Dies war die erste eindeutige Aussage seitens der Regierung seit Mai 2020, dass die Krankheit im Lande existiert. Die Präsidentin forderte die Bischöfe auf, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Menschen das Thema ernst nehmen und Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Man müsse sich auf Auswirkungen der 3. Coronawelle einstellen.

Bei einem Zusammentreffen mit Medienvertretern zwei Tage später gab sie dann erstmals einige Zahlen bekannt, wonach es „mehr als 100“ an Covid-19 Erkrankte in Tansania gebe, von denen 70 auf Beatmungsgeräte angewiesen sind.

Die Berichte über ihre Reden lösten eine heftige und kontroverse Debatte in Sozialen Medien aus. Erstmals meldeten sich direkte Kritiker der neuen Präsidentin in größerer Zahl zu Wort, die sich teilweise empört äußerten. Offenkundig war es dem verstorbenen Magufuli gelungen, seine Botschaft vom Sieg Tansanias über die Epidemie bei vielen Menschen mit Nationalstolz („die reichen Weißen haben es nicht geschafft, aber wir in Tansania haben Corona besiegt“) und Gottvertrauen zu verbinden. Die Kritiker blieben nicht unwidersprochen, aber die Debatten sind weiterhin scharf und kontrovers.

Beispiele für kritische Äußerungen:

  • Die Frau da oben benimmt sich, als ob sie irgendwelche Organisationen im Ausland erfreuen möchte. Die meisten von uns haben aber verstanden, dass es in Tansania kein Corona gibt und deshalb sind wir ohne Maske auf Tuchfühlung in den Stadtbussen und auf den Märkten, und sehen auch niemand im Krankenhaus, der am Sauerstoff hängt. Bei uns gibt es kein Corona, Punkt!</nowiki>
  • Diese dritte Welle gibt es im Fernsehen und im Radio, aber bei uns auf der Straße ist keine Welle. Das Geld der Weißen, das ihr geschluckt habt, wird euch Gaunern oben wieder rauskommen. Ihr hört ja nicht auf, dauernd von Corona zu brabbeln. Hier wissen wir nicht einmal, was dieses Corona überhaupt sein soll... Haut bloß ab mit euren unsinnigen Masken. Betrüger seid ihr! (45 likes erhielt diese Äußerung.)
  • Dort in Europa haben sie schon angefangen, den ganzen Blödsinn bleiben zu lassen, und das Leben geht weiter. </nowiki>

Citizen 25.06. + 28.06.21, Guardian 26.06.21, Jamiiforums, verschiedene Debatten ab 25.06.21, Nation (Kenia) 29.06.21

Genmücken gegen Malaria

Wissenschaftler des Ifakara Health Institute arbeiten am Einsatz einer neuen Methode der Malariabekämpfung. Durch genetische Veränderungen der Anophelesmücke, die als Einzige die Malariaparasiten überträgt, werden fortpflanzungsunfähige Weibchen geboren. Wenn es gelingt, diese in einer Gegend zu verbreiten, sollte die Zahl der Anophelesmücken stark sinken und eventuell sogar zum Aussterben führen.

Guardian 25.06.21

Tansania – Querdenker Paradies

Der deutsche „Querdenker“ und Coronaleugner Bodo Schiffmann hat sich bei Arusha niedergelassen und wirbt für Auswanderung in das „coronafreie Tansania“. Dem deutschen Arzt wurde 2020 die Zulassung entzogen, weil er massenhaft Atteste ausgestellt hatte, die vom Maskentragen befreien, ohne die Patienten je gesehen zu haben. Vor den staatsanwaltlichen Verfahren setzte er sich Anfang 2021 nach Magufulis Tansania ab. Schiffmann betreibt Telegram-Kanäle, auf denen er für die Auswanderung nach Tansania wirbt. Laut t-online-news hatte der Auswanderer-Kanal bereits 1.200 Abonnenten (das sind mehr Deutsche, als 1913 in Dar es Salaam wohnten) - Das germanische Element wird weiter durch den österreichischen Anti-Coronaarzt Peer Eifler gestärkt, der ebenfalls aufgrund von Ermittlungen wegen Masken-Attesten nach Tansania auswanderte. Beide betreiben erfolgreiche Youtube-Kanäle, konnten aber eventuell aufgrund des schnellen Umzugs noch nicht die Landessprache erlernen und von daher einige Änderungen der örtlichen Situation verstehen.

.t-online.de 07.06.21, wochenblick.at 15.04.21