Gesellschaftliche, rechtliche, wirtschaftliche Rolle der Frauen - 12/2007

Aus Tansania Information
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Zu Rechten und Problemen von Frauen

Bei einem dreitägigen öffentlichen Tribunal ging es um die Quote von Sterblichkeit und Erkrankung bei Müttern, um den Missbrauch von Hausmädchen und um Gewalt gegen Frauen. Die Öffentlichkeit sollte über Schlüsselfragen der Rechte und der Gesundheit von Frauen diskutieren und Verbesserungsvorschläge machen. Am Tribunal nahmen Personen teil, die für Verabschiedung von Gesetzen und ihrer Vollstreckung verantwortlich sind, Opfer von Missbrauch und körperlicher Gewalt und die Öffentlichkeit. Organisiert wurde es vom Women's Dignity Project, vom Legal and Human Rights Centre, von der Tanzania Women Lawyers' Association, vom Verband der Medienfrauen (TAMWA) u. a.

Eine Richterin sagte, die Frauen sollten sich selbst von häuslicher Gewalt befreien, Gewalttätige ohne Zögern anzeigen. Außerdem müsse man Zentren einrichten, in denen Opfer häuslicher Gewalt beschützt werden. Eine der Veranstalterinnen forderte Notaufnahmestellen in Gesundheitseinrichtungen, die misshandelten Frauen unverzüglich helfen. Eine Menschenrechtsaktivistin betonte, man müsse sich um die Frauen auf dem Land kümmern, denn merkwürdige und überholte Traditionen beraubten sie ihrer Grundrechte. (Guardian 1./11.11.07)

Eine Professorin der Universität von Dar-es-Salaam sagte bei einer Sekundarschul-Abschlussfeier, die Schülerinnen sollten Schluss machen mit der törichten Meinung, sie würden nicht heiraten und keine Kinder bekommen, wenn sie hervorragend sein wollten im Studium. Sie sollten es ernst nehmen, denn die Tage seien gezählt, an denen Frauen besondere Begüns-tigungen genössen. Auf alle Fälle sollten sie vor der Heirat studieren, denn sehr wenige Männer erlaubten ihrer Ehefrau, sich weiter zu bilden. Aber Stolz solle die Beziehung zum künftigen Ehemann keinesfalls verderben, sagte sie warnend. (Guardian 14.11.07)

Zur Gewaltanwendung

Laut African Women's Development and Communication Network (FEMNET) erleben 56 % der tansansichen Frauen ein oder das andere Mal sexuelle oder körperliche Ge-walt vonseiten des Partners. Eine WHO-Studie zeigt, 7 % der Dar-es-Salaamerinnen werden während der Schwangerschaft geschlagen. FEMNET bat die Regierung, im Ehegesetz festzulegen, unter welchen Umständen Gewalt strafbar ist. Obwohl es laut Ehegesetz verboten ist, Ehepartner zu schlagen, werde nie eine Strafe verhängt. Auch das Verbot der Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane (FGM) sei nicht wirksam. Vergewaltigung könne mit lebenslanger Haft plus körperlicher Züchtigung und Bußgeld bestraft werden. Problematisch sei die Durchsetzung dieser Strafe. Außerdem akzeptierten viele Frauen sexuelle Gewalt als etwas Normales. Die Frauen müssten befähigt werden, ihre Rechte einzufordern, sagte die FEMNET-Gründerin. (Guardian 10.8.07)

Die amtierende Exekutivdirektorin der Menschenrechtskommission forderte die Frauen auf, sich nicht nur um sich selbst zu kümmern, sondern einander beim Kampf gegen die anhaltende Gewalt zu unterstützen. An den Verstößen gegen ihre Rechte seien die Frauen meistens selbst schuld. Nur wenn sie zusammenhielten, werde ihre Stimme gehört. Auf vielerlei Weise würden die Rechte der Frauen missachtet. Man nehme ihnen ihr Erbe weg, sodass viele in äußerster Armut lebten. (Guardian 13.8.07)

Eine Verantwortungsträgerin der Young Women's Christian Association (YWCA) of Tanzania sagte bei einem Kurs, in dem es um sexuelle häusliche Gewalt ging, diese nehme in der Gesellschaft zu. "Unser Ziel ist, Vernetzung und Kooperation zwischen religiös bestimmten Institutionen und Zivilgesellschaft zu stärken, damit sie diese Übel bekämpfen", betonte sie. In Tansania hat der YWCA elf Zweige. (Guardian 7.9.07)

Zur Gleichberechtigung und zum Beitrag der Frauen

Die Weltbank lobte, Tansania habe in Politik und Gesetzgebung in Bezug auf ungleiche Behandlung der Geschlechter große Fortschritte gemacht. Der ökonomische Beitrag der Frauen werde anerkannt. Basil Mramba, Minister für Industrie, Handel, Vermarktung, rühmte, trotz vieler Probleme seien die Frauen tüchtige Unternehmerinnen. "Oft schultern sie durch Berufstätigkeit und Versorgung der Familie eine doppelte Last. Die Regierung erkennt, dass es für Frauen schwerer ist, zu Produktionsmitteln wie Grundbesitz, Krediten und Bildung zu kommen", sagte er. (DN 20.8.07)

Eine Verantwortungsträgerin des Ministeriums für Entwicklung der Gesellschaft, Frauen und Kinder sagte bei einer Tagung zum Thema Menschenrechte und Geschlechtszugehörigkeit, die Frauen sollten die von ihnen erworbene Bildung richtig nutzen, um die Diskriminierung abzuschaffen. Man wolle die Frauen über die Menschenrechte informieren, damit sie ihre Rechte kennen und sie verteidigen, wenn sie missachtet werden. "Wir wollen Schluss machen mit der Vorstellung der Männer, Frauen hätten kein Recht auf den Besitz und das Betreiben von Unternehmen." Die meisten Frauen hätten ihre Rechte eingebüßt, weil man immer annimmt, alles, was die Männer sagen, sei richtig. Eine Teilnehmerin forderte, in einem ähnlichen Seminar für Männer solle die Regierung diese befähigen, die Frauen als menschliche Wesen zu behandeln. In Mtwara z. B. würden die Frauen bei der Ernte diskriminiert. Sie berichtete: "Diese Männer arbeiten überhaupt nicht auf dem Feld, sie warten nur auf den Verkauf der Ernteprodukte und dann verwenden sie das gesamte Geld für Trinkgelage und für Frauen, was HIV/ AIDS weiter verbreitet." (Guardian 9.10.07)

Bei einem vom Tanzania Gender Networking Programme (TGNP) und von FemAct organisierten Gender Festival rief Justizministerin Mary Nagu die Öffentlichkeit auf, sich aktiv zu beteiligen am Kampf gegen Unrecht und Gewalt, unter denen Frauen und arme Männer litten. Die Regierung habe sich so gut wie möglich um Gleichberechtigung bemüht, doch bisher ohne Erfolg. "Wir müssen mehr tun, damit wir auf allen Gebieten gleich stark vertreten sind", sagte sie und betonte, dieses Fest sei eine Gelegenheit für beide Geschlechter, zu beurteilen, was im Kampf um die Rechte der Frauen erreicht wurde, und "den Beitrag der Frauen in der Gesellschaft wahrzunehmen", was noch immer nicht der Fall sei. (Guardian 7./13.9.07)

Laut einer Studie des World Economic Forum nimmt Tansania unter 131 erfassten Ländern, was die Zahl der Frauen, die in Regierung, Wissenschaft und Militär einen einflussreichen Posten bekleiden, den vierten Platz ein. (Citizen 6.11.07)

Zu Wirtschaftsunternehmen

Im Rahmen ihrer Initiative zur Stärkung der Frauen spendete die Zanzibar Telecom Ltd. der interreligiösen Women's Sewing Cooperative Society (Upendo) von Sansibar sechs Nähmaschinen. Mit diesen sollen die Frauen Handtaschen, Einkaufstaschen u. a. herstellen und das Familieneinkommen aufbessern. (Guardian 8.10.07)

Die Frauen-Entwicklungsgruppe der Kilimanjaro-Region übereignete der Frauengruppe eines Dorfes Milchkühe und 50 von einer kanadischen Organisation gespendete moderne Bienenstöcke. Die Gruppe startete ein Mühlen-, ein Sonnenblumen- und zum Schutz der Umwelt ein Baumpflanz-Projekt. (Guardian 9.10.07)

Eine Repräsentantin der schwedischen Regierung versprach, man werde Frauen, die Lebensmittel für den Verkauf aufbereiten, finanziell unterstützen. Diese zu Hause produzierenden Frauen sollten mit großen Betrieben konkurrieren können. Es sei für sie sehr schwierig, Investitionskapital zu bekommen. Die Frauen verarbeiten Gewürze, konservieren Gemüse und Obst, sie stellen Brot und Kuchen, Marmeladen, Säfte und andere Konsumgüter her. (Guardian 10.10.07)

In Fünf Regionen stellte die Small Industries Development Organisation (SIDO) Kleinunternehmern, vor allem Kleinunternehmerinnen, 25 Nähmaschinen zur Verfügung. Sie lehrt, wie man die Maschinen, wenn nötig, repariert. Wer die Nähmaschine besitzen will, muss 5.000/- TSh zahlen. Eine SIDO-Repräsentantin sagte: "Weil die Frauen immer die waren, die man bei Wirtschaftsunternehmen vergaß, wird SIDO dafür sorgen, dass sie ihre Aufmerksamkeit vor allem der Unterstützung von Mädchen zuwendet, die die Schule abschließen und in die Städte abwandern. (Guardian 11.10.07)

Im Rahmen der Hungerbekämpfungs-Kampagne (Telefood) der FAO erhielten sechs Frauengruppen für Gartenbau-, Hühner- und Schweinezuchtprojekte Unterstützung in Höhe von 61,5m/-TSh. Weitere Zuwendungen wurden in Aussicht gestellt. (Guardian 18.10.07)

Die ILO gewährte den Inseln Sansibar und Pemba für genossenschaftliche Frauengruppen 250.000 US$. Sie sollen mit dem Geld arbeiten und es später zurückzahlen. Die Frauen gründeten für die beiden Inseln je eine Savings and Credit Co-operative Society. (Guardian 14.11.07)

Zu vorzeitiger Vereheli-chung, Schwangerschaft

Die Regierung wiederholte, ohne zu zögern werde man Eltern bestrafen, die ihren Töchtern die Chance zu lernen, verbauen, sie aus Selbstsucht lieber verheiraten oder kein Schulgeld für sie bezahlen. Die Regierung strebe in der Bildung ein ausgeglichenes Zahlenverhältnis zwischen Jungen und Mädchen an. (DN 29.8.07)

Die Direktorin von Action Aid Tanzania sagte bei einem vom TGNP organisierten Forum, es sei falsch, Schülerinnen, die schwanger wurden, nach der Entbindung wieder in der Schule aufzunehmen. Das komme einem Verzeihen des schlechten Verhaltens der Jugendlichen gleich, würde zu Promiskuität unter den Jugendlichen ermuntern. "Widerlegen wir damit nicht unsere eigene politische Linie, nämlich das Festhalten an guten kulturellen Werten? Diese fordern Abstinenz der Mädchen bis zum Erwachsensein. Nachdrücklich fordere ich die Förderung unseres Bildungssystems. Die Kinder müssen mit dem Wissen ausgestattet werden, das unseren reichen afrikanischen Werten entspricht." Wird der Schulbesuch der jungen Mütter erlaubt, stärke man eine Gesellschaft verantwortungsloser "Mädchen und Jungen, die später wahrscheinlich verantwortungslose Erwachsene sind". Schwangere Mädchen sollten Zugang bekommen zu nichtformaler Erwachsenenbildung. (DN 13.9.07)

Der Erziehungsbeauftragte der Arusha-Region kritisierte, statt sie in die Schule zu schicken, verwendeten viele Eltern ihre Töchter als Einnahmequelle, um Rinder kaufen zu können. (DN 16.9.07)

Eine ehemalige Ministerin sagte, weil die Regierung eine Neufassung des Ehegesetzes von 1971 hinauszögere, sei sie schuld daran, dass immer mehr Mädchen zu früh verheiratet werden. Laut Ehegesetz sei das Mindestalter für Verehelichung 14 Jahre, laut Gesetz gegen sexuelle Belästigung von 1998 dagegen 18 Jahre. Laut Regierungssta-tistik werden 42 % der Mädchen in jungen Jahren zur Eheschließung gezwungen. Mit der Begründung, das sei Tradition, habe man nichts dagegen unternommen, sagte eine Expertin. In ländlichen Gebieten würden manche Kinder im Alter von vier Jahren verheiratet. Justiziministerin Mary Nagu sagte, die Regierung sei dabei, das Eherecht entsprechend internationaler Vereinbarungen zum Schutz der Kinder abzuändern. (Guardian 21./26.9.07)

Traditionsbedingte Probleme

Weil die Menschen an Zauber glauben, werden in den Regionen am Viktoriasee immer mehr alte Frauen getötet. Zauberer tun sich mit Gruppen von Mördern zusammen und vergießen das Blut unschuldiger Mütter, wobei habgierige Verwandte helfen. Auch Leute der Elite und Entscheidungsträger halten an diesem Glauben an Hexenkraft fest. Diese Morde gibt es weiterhin, obwohl wir uns rühmen, in diesem Teil Afrikas eine Insel des Friedens zu sein. Weil dieses ein kulturelles Problem ist, sollte es von Theatergruppen, Chören, Tänzern u. a. gelöst werden. (Guardian 24.9.07)

Im Kyela-Distrikt (Mbeya-Region) sind viele überzeugt, die überlieferte Praxis der 'Reinigung' der Witwe und ihre Vererbung trage zur Ausbreitung des HIV bei. Um ein schlechtes Omen zu überwinden und zu verhindern, dass der Mann, der sie erbt, stirbt, muss eine Witwe einen Mann finden, der sie durch Geschlechtsverkehr ohne Kondom von einem bösen Geist 'reinigt'. Dem 'Reiniger' schuldet die Frau 20.000/- TSh. Es heißt, heiratet ein Mann eine Frau, die nicht 'gereinigt' wurde, stirbt er kurz nach der Hochzeit. (Guardian 9.10.07)