Gesellschaft, Bildung, Kirchen ‐ 12/2021

Aus Tansania Information
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Schwangere Schülerinnen dürfen wieder lernen

Ab sofort werden Schülerinnen, die aufgrund einer Schwangerschaft die Schule verlassen mussten, ohne weitere Vorbedingungen wieder aufgenommen werden. Damit hat Präsidentin Samia nun endgültig eine umstrittene Entscheidung ihres Vorgängers Magufuli aufgehoben. Bildungsministerin Ndalichako gab die Entscheidung am 24. November bekannt. Man wird sehen, inwieweit die Schülerinnen tatsächlich an ihre bisherigen Schulen zurückkehren können oder ob sie in alternative Bildungsgänge aufgenommen werden. Diese waren im Vorjahr angekündigt worden, nachdem die Weltbank Tansania noch zu Zeiten des verstorbenen Magufuli einen Kredit nur unter der Bedingung gewährt hatte, dass minderjährige Mütter ihre Ausbildung fortsetzen dürfen.

Aus Shinyanga wurde berichtet, dass 16 Schülerinnen wieder ins Schulsystem aufgenommen wurden, allerdings an einer besonderen Schule, die von einer privaten Stiftung betrieben wird. Die Lokalregierung übernimmt die Kosten dafür.

Im Jahre 2020 hatten knapp 120,000 Mädchen das Schulsystem verlassen, unter anderem auch wegen Schwangerschaften. Die meisten Schulabbrecher rekrutieren sich allerdings aus den jährlich 260,000 Schülerinnen und Schülern, die wegen Nichtbestehen der Prüfungen eine Klasse wiederholen sollen. Aus dem Bildungsministerium verlautete, dass in diesem Schuljahr knapp 4.000 Abbrecher des Vorjahres wieder aufgenommen wurden

Citizen 24.11.2021, Mwananchi 03. + 24.11.2021, Guardian 30.11.2021 ^

Schulspeisung

In Simanjiro (Region Manyara) forderte der Distriktskommissar Lokalpolitiker, Schulträger und Eltern auf, für Schulspeisung zu sorgen. Es sei erwiesen, dass Verpflegung in der Schule zu weniger Abwesenheiten, höherer Disziplin und besseren Abschlüssen führe. Nahrung sei ein Recht der Kinder, also hätten die Angesprochenen dafür zu sorgen. Die örtlichen Verwaltungen müssten gegen Eltern vorgehen, die sich hier drücken wollten.

Guardian 24.11.2021

Vermischte Nachrichten Schulwesen

In Tarime (Mara) beschwerten sich Mitlieder des Distriktrates über den Wassermangel an den Schulen. Sie fragten, warum man Toiletten mit Wasserspülung baue, wenn die Wasserversorgung nicht gesichert ist. - In Bariadi (Region Simiyu-Viktoriasee) verhaftete die Polizei einen Schulleiter, der bei den Prüfungen der 4. Klasse Schüler der höheren Klassen eingesetzt hatte, um anstelle von nicht erschienenen Viertklässlern in deren Namen die Prüfungen zu schreiben. Bei Prüfungen sind in allen Schulen Polizisten anwesend, weshalb die Schummelei auffiel.- Der Distriktskommissar von Wanging’ombe (Region Njombe) verbot den Schulen, von Eltern Geldbeträge für den Bau von Klassenräumen zu fordern. In diesem Jahr reiche es, wenn die Eltern sich an der Herstellung von Ziegeln und Fundamentarbeiten beteiligen

Nipashe 03.111.2021, Mwananchi 03.11.2021, Uhuru 03.10.2021,

Grabschändung wegen Albinismus

Im Dorf Tanda bei Lushoto (Tangaregion)wurden 3 Männer wegen Grabschändung verhaftet. Sie sollen das Grab eines in Juni verstorbenen 45jährigen Mannes geöffnet und den Sarg gestohlen haben. Da das Grab sich nur wenige Meter neben dem Haus der Familie befindet, verhaftete die Polizei einige Familienangehörige. Die Polizei war auf eine Meldung der Organisation “Under the same sun” hin aktiv geworden, die sich für Interessen von Personen einsetzt, die von Albinismus betroffen sind.

Das Menschenrechtszentrum LHRC und Tansanische Vereinigung für Albinismus wandten sich in Stellungnahmen gegen 2 weitere Grabschändungen von Albinogräbern. Ebenfalls im Dorf Tanda war am 24. Oktober ein Kindergrab geöffnet und das rechte Bein der 5-jährigen Kinderleiche entfernt worden. Bereits im Mai war in Uyui bei Tabora entdeckt worden, dass in einem anderen geöffneten Kindergrab beide Hände eine Kindes mit Albinismus fehlten. - In der traditionellen Medizin werden Körperteilen von Menschen mit Albinismus hohe Wirksamkeit für Beschwörungen aller Art zugesagt, weswegen es in der Vergangenheit auch immer wieder zu Morden an Albinos kam. Die Öffnung von frischen Gräbern ist ein anderes Resultat dieses Volksglaubens.

Citizen 02.11.2021, Guardian 01.11.2021

Ländliche Armut überschätzt?

In Dar es Salaam wurde eine neue Studie über ländliche Armut vorgestellt. Unter Federführung von Dan Brockington vom Institut für Internationale Entwicklung in Sheffield (GB) sowie Christine Noe von der Universität Dar es Salaam haben 14 Forscher, vor allem aus Tansania und skandinavischen Ländern, die Entwicklung einiger Dörfer in Tansania über Jahre begleitet und vor allem nach den Vorstellungen der Bewohner über Armut und Reichtum gefragt. Ihre hauptsächliche Erkenntnis war, dass die international gängigen Bewertungen von Armut nicht danach fragen, was den ländlichen Einwohnern selbst wichtig ist. Die üblichen Statistiken richten sich daran aus, wie viel Haushalte ausgeben, und daraus wird dann die Armutsgrenze ermittelt. Demnach hat in Tansania die ländliche Armut trotz Wachstum der allgemeinen Wirtschaft kaum abgenommen.

Die Autoren beobachteten aber, dass trotz aller statistischen Armut auf dem Lande die hochwertigeren Häuser immer mehr geworden sind (Blech- statt Grasdach, massive Wände statt Lehmflechtwerk). Nach Selbsteinschätzung von Dorfbewohner sind wichtige Gesichtspunkte für den Unterschied zwischen wohlhabend und arm Dinge wie bessere Häuser, Zugang zu Ackerland und Landbesitz, Einsatz moderner Hilfsmittel wie Düngemittel und Pflug, gut ausgebildete Kinder oder Viehbesitz – alles Punkte, die für die gängige Armutsberechnungen keine Rolle spielen. Die Studie stellt deshalb infrage, warum der Besitz der Familien keine Rolle darin spielt. Sie selber stellen fest, dass viele Dorfbewohner gezielt auf Konsum verzichten, um in Schulgebühren, ein Stück Land oder ein besseres Haus zu investieren.

Ihre Grundthese ist: ländliche Armut wird mit den gängigen Statistiken überschätzt, tansanische Landbewohner sehen sich selber als wohlhabender als es die meisten Armutsforscher und Wirtschaftswissenschaftler tun. Das gängige Bild vom undynamischen Kleinbauern, der nur Eigenbedarfswirtschaft betreibt, stimme nicht.

Citizen 15.11.2021

Umweltkonferenz der katholischen Bischöfe

120 Bischöfe aus ganz Afrika sind für kommendes Jahr in Tansania angekündigt, auf der Schritte gegen Umweltzerstörung und für die Bewahrung der Schöpfung besprochen werden sollen. Es handelt sich dabei um eine Reaktion auf die Enzyklika “Laudato Si” von Papst Franziskus aus dem Jahre 2015. Zur Vorbereitung kündigte die tansanische katholische Kirche Baumpflanzaktionen in jeder Pfarrei an. Jede katholische Familie soll zur Beteiligung angehalten werden und für jedes Familienmitglied drei Bäume pflanzen. Die Tagung sollte bereits in diesem Oktober stattfinden, war aber wegen der Covid-Epidemie verschoben worden.

Mwananchi 08.11.2021