Gefahren für das Ökosystem und Umweltschutz - 04/2012

Aus Tansania Information
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Plastiktüten

2008 verbot die Regierung Sansibars Einfuhr, Produktion, Verwendung und Verkauf von Plastiktüten. Aber das Volk ist zögerlich und weigert sich, das Gesetz zu befolgen.

2011 setzte die Regierung für die Abgabe der Plastiktüten eine Gnadenfrist von sechs Tagen. Sie gab bekannt, ab 10.10.11 riskierten Zuwiderhandelnde strafrechtliche Verfolgung. Die Umwelt-Abteilung werde zusammen mit der Polizei u. a. Einrichtungen gegen Importeure, Benützer und Produzenten von Plastiktüten vorgehen. Als Strafe werde ein Bußgeld von 1m/- TSh oder mehr, möglicherweise eine Haftstrafe bis zu einem Jahr verhängt. Verboten seien nur dünne, durchsichtige Plastiktüten. Das sei unumgänglich, weil diese die Abwasserkanäle verstopften und beim Verbrennen giftige Dämpfe erzeugten.

Jeden Tag werden in Sansibar viele Hunderttausend Plastiktüten weggeworfen. Sansibar hat keine Möglichkeit Plastik wiederzuverwerten. Pro Jahr werden 35.000 t Plastiktüten importiert. (DN 8.10./3.11.11)

Nach mehrmaliger Vorlage verabschiedete die East African Legislative Assembly (EALA) endlich die EAC Polythene Material Control Bill 2011. Stimmen die Staatschefs der EAC zu, tritt das Gesetz in Kraft; verweigern einige ihre Zustimmung, wird der Gesetzesentwurf an die EALA zurückverwiesen.

Es geht um Produktion, Verkauf, Einfuhr und Verwendung von Polyäthylen-Material. Die Plastikproduzenten wehren sich gegen das Gesetz.

Ein Abgeordneter aus Ruanda setzt sich für ein absolutes Verbot von Plastik ein, denn die beim Verbrennen entstehenden giftige Dämpfe seien für Tier und Mensch lebensgefährlich. Uganda verbot 2009 die Verwendung von Polyäthylen-Material.

Kenianische Vertreter meinen, man müsse abwägen zwischen einem Verbot und dem Schutz von Investitionen.

Tansania und Burundi sind der Auffassung, man solle Plastiktüten verbieten, nicht das gesamte Polyäthylen-Material.

Sansibar verbot Plastiktüten nach einer Übergangszeit von drei Jahren.

Bei öffentlichen Anhörungen wiesen Interessenvertreter auf den Verlust von Einkommen und Jobs und auf Steuerrückgang hin. (Citizen 4.2.12)

Elektromüll

Abgeordnete des Parlaments von Sansibar äußern wiederholt, das Anwachsen des Elektromülls bereite ihnen Sorgen. Sie fordern Aktionen der Regierung. Sansibar werde zu einer Müllhalde für Elektromüll, weil Second-hand-Ware, vor allem Elektrogeräte, importiert werden. Die Regierung solle das total verbieten, forderte ein Sansibarer. Einer bezweifelte Sansibars Fähigkeit, mit Elektromüll umzugehen; man habe keine Vorrichtung für problemlose Vernichtung.

"Jedes Jahr werden am Hafen von Sansibar 23.000 Container unterschiedlicher Länge abgeladen. Unglücklicherweise sind 20 % der Waren Elektromüll", berichtete eine Staatsministerin. In Sansibar gebe es 300.000 Fernseher und 600.000 Radios, die nicht mehr in Gebrauch sind. Sie sagte, zusammen mit dem Generalstaatsanwalt erarbeite ihr Amt eine Verfügung, die die Menge von Second-hand-Waren begrenzt. (DN 13.10.11)

Kontaminiertes Flusswasser

Die Regierung forderte die Einwohner einer Gemeinde des Kilosa-Distrikts (Morogoro-Region) auf, kein Wasser des Mwega-Flusses zu verwenden. Man fürchtet, es könne Erdöl enthalten, denn im Juni 2011 barst die TAZAMA, die von Dar-es-Salaam nach Sambia führende, 1968 gelegte Pipeline.

Weil das Flusswasser zur Bewässerung verwendet wurde, müssten auch die Ernteprodukte auf Unbedenklichkeit geprüft werden.

Der Mwega-Fluss mündet in den Ruaha. Sein Wasser wird in einem großen Gebiet in Haushalten und für Bewässerung verwendet.

Anfang 2012 besuchte der Stellvertretende Minister für Energie und Bodenschätze das Gebiet und wies die TAZAMA an, dieses gründlich zu reinigen, denn die Einwohner hatten über schlechten Geruch geklagt. (DN 28.2.12)

Umweltpolizei

Demnächst soll es eine Umweltpolizei geben. Sie werde die Umweltgesetze und -regelungen durchsetzen, sagte der Generaldirektor des National Environmental Management Council (NEMC). Dieser und die Polizei unterzeichneten schon 2010 ein diesbezügliches Abkommen

Seit seiner Gründung 1983 musste das NEMC viele Hindernisse überwinden, weitverbreitetes Desinteresse der Öffentlichkeit in Bezug auf Umweltschutz und mangelnde Durchsetzungskraft der zuständigen Staatsorgane. Nun sei man froh, dass sich eine Umweltpolizei um die Probleme kümmern wird, sagte der NEMC-Generaldirektor. Oft seien die Inspektoren des NEMC schikaniert worden, Eigentümer und Manager hätten ihnen den Zutritt zu Bergwerken und Fabriken verwehrt.

Bei einem Gespräch mit dem NEMC-Generaldirektor nannte Vizepräsident Dr. Bilal die ökologische Situation "jämmerlich". (DN 14.2.12)

Reinigung des Abwassers

Zum Schutz des Themi-Flusses installiert die Tanzania Breweries Ltd. (TBL) in Arusha eine zusätzliche Kläranlage. Sobald sie fertig ist, können 60 % des Abwassers wiederverwendet werden. (DN 28.2.12)

Umweltschonende Steine für Hausbau

Mit Hilfe der lokalen Organisation Hifadhi Mazingira (HIMAKA) startete der Karatu-Distrikt (Arusha-Region) ein Projekt zur Rettung der Bäume. Es geht um die Verwendung ineinandergreifender Backsteine, Hydra-form bricks genannt, beim Hausbau. Sie sind umweltfreundlicher als die massiven roten gebrannten Backsteine, aus denen dort die meisten Häuser bestehen. Für das Brennen derselben wird viel Holz benötigt.

HIMAKA importierte die betreffende Maschine aus Südafrika. Die Steine kosten nur 250/- TSh, die traditionellen 1.000/- TSh. Wer die ineinandergreifenden Backsteine will, muss mindestens 50 Bäume pflanzen. "Wir bringen die Maschine dort hin, wo es gewünscht wird", sagte der HIMAKA-Exekutivvorsitzende. Für 2.500 Steine reichten 10 l Diesel.

Bisher wurden mit den Hydra-form bricks 24 Wohnhäuser, sechs Touristenhotels, sowie acht Primar- und Sekundarschulen errichtet. Verwaltungen der Manyara-Region bestellten bereits 10 t Steine für Schulhäuser. (DN 10.12,11

Baumpflanzaktion

Bei einer Versammlung des Kilimanjaro Regional Consultative Committee wurde über die wachsende Umweltzerstörung gesprochen, Flussläufe und Quellen trockneten aus.

Freeman Mbowe, Abgeordneter von Hai (Kilimanjaro-Region) und im Parlament Leiter des Oppositionslagers, warf dem Exekutivdirektor des Hai-Distrikts vor, er nehme Entwicklungsfragen der Bevölkerung nicht ernst. Er selbst habe Ende 2011 eine Kampagne gestartet: Entlang aller wichtigen Straßen des Distrikts würden einheimische Bäume gepflanzt. Doch von der Regierung erhalte er keine Unterstützung, sagte er. (Guardian 2.3.12)

Umweltprobleme am Kilimanjaro

Das Kilimanjaro Development Forum (KDF) macht sich Sorgen wegen der Gefährdung des Ökosystems des Kilimanjaro. Beunruhigend sei die Erosion im Waldgürtel des Berges.

Das KDF beschloss, eine internationale Konferenz zum Thema Schutz des Berges zu organisieren.

In einem Bericht heißt es, unkontrolliert werden indigene Bäume gefällt, Tiere in Waldgebieten geweidet, ohne Genehmigung Dörfer und Felder angelegt, Bäume für die Produktion von Holzkohle geschlagen, in den Schutzgebieten rücksichtslos gejagt. Die Folge sind Erdrutsche u. a. Umweltschäden. (DN 26.2.12)

Die Kilimanjaro-Region plant eine große Baumpflanzaktion, um das schwindende Eis auf dem Gipfel des Berges zu retten. Die Eismenge ging um schätzungsweise 80 % zurück. Besonders beunruhigend ist, dass der stärkste Rückgang seit 1970 zu beobachten ist. (Guardian 16.3.12)

Information über Waldschutz

Der Umweltbeauftragte des Ngorongoro-Distrikts (Arusha-Region) leitete eine zweiwöchige Bildungsveranstaltung für zwölf Dorfbewohner, die am 1.500 ha großen Sarian Forest Reserve (Ngorongoro-Distrikt) leben. Bei diesem von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft unterstützten Projekt ging es um Einschätzung und Schutz des Waldes. Bei praktischen Übungen entdeckten die Teilnehmenden im Schutzgebiet 22 Plätze, an denen illegal Schnittholz produziert wird.

Nach der Ausbildung sagten einige, die teilgenommen hatten, sie würden ihr Wissen nutzen und die anderen Dorfbewohner in Bezug auf die Vorteile des Waldschutzes sensibilisieren.

Weil ein Gespür dafür bisher fehlte, schlugen die Einwohner in diesem Gebiet häufig Bäume, um sie für Holzkohle und als Brennholz zu verwenden, oder Platz für Felder und Weideland zu gewinnen. Besonders viel Wald werde verwüstet, wenn verantwortungslose Leute in der Tro-ckenzeit ihre Felder abbrennen. (DN 12.3.12)

Würde Erdgas und Solarenergie verwendet, verringerte sich der Verbrauch von Holzkohle. Doch nur wenige können sich den Kauf von Flüssiggas leisten. Vor 2 Jahren kostete ein Zylinder 20.000/- TSh, nun zahlt man 50.000/- TSh. Die Regierung, vielleicht auch Geber, sollten mehr Geld für alternative Energielieferanten bereitstellen. Erhielten sie genug Unterstützung, ginge die Entwaldung zurück. (Guardian 16.3.12)