Fischerei - 02/2015

Aus Tansania Information
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Illegale Praktiken

188.233 Personen leben direkt vom Fischfang, etwa 4 Mill. indirekt (Handel, Transport, Bootsbau etc.). 19.233 betreiben Fischzucht. Zuchtfische machen gegenwärtig 14% des Fischfangs aus. Der Fischereisektor trägt 1,4% zum Bruttoinlandsprodukt und etwa 10% zum Export des Landes bei. Tansanier verbrauchen 38 kg Fisch pro Kopf und Jahr.

Die Regierung kündigte an, nach dem Vorbild von Äthiopien und Uganda illegale Fischerei im Victoria-See mit Hilfe der Streitkräfte (TPDF) zu verfolgen. Die Fischbestände, besonders des Nilbarsch, gingen in den letzten Jahren dramatisch zurück. Während bisher etwa 1 Mill. Tonnen Nilbarsch pro Jahr gefangen wurde, ging der Ertrag seit 2010 auf 380.000 t zurück. Die Fischverarbeitungs-Betriebe sehen ihre Existenz bedroht.

Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass zu kleine Exemplare gefangen werden und damit die Fortpflanzung bedroht ist. In der Seen-Zone leben etwa 5 Mill. Menschen direkt von der Fischerei. Der Regionalkommissar zerstörte bei einer offiziellen Veranstaltung umfangreiche Bestände an verbotenen Netzen. Diese sind zu engmaschig oder gar mit Giftstoffen imprägniert. Auch Dynamit wird immer wieder auf dem See verwendet. Laut dem Victoria-See-Umweltprogramm (LVEMP) sind Laichgründe bereits weiträumig zerstört. In den vergangenen vier Jahrzehnten seien mehr als 400 Fischarten im Victoria-See ausgestorben. Ursächlich dafür sind auch hohe Umweltbelastungen und Giftstoff-Einleitungen in den See.

Die Verfolgung illegaler Fischerei scheitert häufig an fehlenden Mitteln. So beklagte der Kontrollbeauftragte in Mwanza, dass die Stadtverwaltung zwar gerne Lizenzgebühren einnehme, aber kein Geld für Kontrollmaßnahmen bereitstelle.

Auch die lasche Strafverfolgung erleichtert kriminelle Praktiken. Dynamitfischen ist zwar mit 10 Jahren Gefängnis bedroht, Sprengstoff-Besitz ohne Lizenz mit 12 Monaten. Viele Überführte kommen aber mit symbolischen Strafen davon, weil ihre Akten rechtzeitig „verschwunden“ sind, in Tanga in etwa der Hälfte aller Fälle. An der gesamten etwa 1000 km langen Ozean-Küste Tansanias wird mit Sprengstoff gefischt, besonders häufig in der Gegend von Dar-Es-Salaam. Dabei werden Experten zufolge nur 20% der getöteten Tiere verwertet. Der Verkauf illegaler Ware ist wegen korrupter Kontrolleure recht einfach. Ein Vertreter des Fischerei-Ministeriums sagte, illegales Fischen bedrohe Zehntausende von Arbeitsplätzen in Fischerei und Tourismus.

Die Regionalchefin von Tanga meinte, in ihrer Region würde die illegale Fischerei einigermaßen erfolgreich bekämpft. Dabei wurden 6 Boote, 10 kg Dynamit, 5 Gewehre und 60 verbotene Fangnetze beschlagnahmt.

Die EU finanziert das „Smart Fish Programme“, zur Bekämpfung der Dynamitfischerei an der tansanischen Küste. Bisher wurden 300 kg Sprengstoff und 50 nicht lizenzierte Boote beschlagnahmt. Sprengstoffe sind sehr leicht bei Bergbau-, Abbruch- oder Straßenbaufirmen zu beschaffen. Manche stellen Explosivstoffe selbst aus Kunstdünger und Dieseltreibstoff her.

Sansibarische Behörden forderten Fischer auf, sich zu Kooperativen zusammenzuschließen, um legales Fischerei-Gerät vom Staat zu erhalten. Der Verwaltungs-Sekretär des Lindi-Distrikts teilte mit, dass die Strandkontroll-Einheiten in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung das Dynamitfischen vollständig abgestellt haben.

Das Fischereiministerium plant eine neue Kampagne gegen Dynamitfischen mit Aufklärung über diverse Medien, Unterricht in Kindergärten und Schulen, Kontrolle der Fischmärkte und Patrouillenfahrten an der Küste. Die Regierung plant, modernes Fischerei-Gerät zu subventionieren, da die Meisten weder Ersparnisse haben, noch Kredite für Anschaffungen bekommen. Für eine zeitgemäße Ausrüstung benötigt man etwa € 15.000

Die Regierung empfiehlt Fischern, sich kreditwürdig zu machen, indem sie der Sozialversicherung beitreten oder sich zu Kooperativen zusammenschließen. In Zukunft sollen vermehrt Kurse für Viehhirten stattfinden, die sich der Fischzucht zuwenden wollen. Jugendgruppen im Muleba-Distrikt am Victoriasee erhielten Finanzmittel, um Fischzucht-Stationen einzurichten. Das Fischforschungs-Institut (TAFIRI) weist darauf hin, dass durch Aquakultur etwa doppelt so viel zu verdienen sei wie durch traditionelle Fischerei. Zudem werde die Überfischung eingedämmt. Allerdings besteht noch kein Brutprogramm, das den zukünftigen Aquafarmern Jungfische verkauft.

Auch Fischer sollen systematisch Fortbildung erhalten. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Erträge der Küstenfischerei zurückgehen und für gute Fänge hochseetaugliche Boote erforderlich sind.

DN 28.10.13; 14.,31.01.; 18.02.; 14.,20.06.; 10.07.; 31.08.; 02.12.14; 12.,23.01.15; Guardian 03.06.; 11.12.14; 13.01.15

Binnenseen

Tansania besitzt etwa 51% des Victoria-Sees, Uganda 43% und Kenia 6%. Die Victoriasee-Fischerei-Organisation (LVFO) fordert ein 6-monatiges Fangverbot, damit sich die Nilbarsch-Bestände erholen können. Die Regierungen lehnen dies ab. Der tansanische Fischerei-Minister meinte, das Land würde seinen Markt, vor allem in der EU, verlieren und illegales Fischen würde noch zunehmen. Die LVFO registrierte seit 2010 eine stetige Zunahme von Fischern, Booten und illegalen Fangmethoden.

Der Fischverarbeiter-Verband (TIFPA) kontrolliert die Verarbeitungsfirmen, um zu verhindern, dass Jungfische verarbeitet werden. Bei Verstößen wird ein einwöchiges bis einmonatiges Exportverbot verhängt. Eine große Firma arbeitete früher rund um die Uhr in drei Schichten, nun fährt sie wegen Mangels an geeignetem Fisch nur noch eine Schicht.

Die Zertifizierungs-Organisation Naturland forderte die großen Fischverarbeiter auf, den Fischern legale Netze zu schenken. Ferner sollten sie den Überwachungsorganen Schnellboote zur Verfügung stellen.

Das Fischforschungs-Institut teilte mit, dass von den 84 im Tanganyika-See lebenden Zierfisch-Arten eine ausgestorben und vier akut bedroht sind. Die Zierfische erbringen bis zu $ 400 pro Stück. Die Forscher fanden auch heraus, dass Buntbarsch-Arten (Tilapia) aus dem Mtera-Stausee sowohl in frischem wie in brackigem Wasser gedeihen. Im Nyumba ya Mungu-Stausee wurde eine neue Nilbarsch-Art gefunden, die zwar gute Fangergebnisse verspricht, aber auch alle anderen Fischarten verdrängen könnte.

Fischer beklagten, dass auf dem Tanganyikasee zunehmend Piraten aus dem Kongo (DRC) Boote, Gerät und Fänge rauben. Die tansanischen Polizeipatrouillen verlangten Geld für Treibstoff, bevor sie Kontrollfahrten unternehmen.

Für den Babatisee wurde ein halbjähriges Fischerei-Verbot verhängt, um die Fischbestände zu schonen. Allerdings töteten Anwohner viele Fische mit Insektiziden, um sie leichter zu fangen. Vor dem Verzehr dieser Fische wurde gewarnt. Bisher produzierten die Seen in der Manyara-Region etwa 1000 t Fisch pro Monat.

Business Times 21.03.; 11.07.14; DN 31.03.; 14.04.; 05.05.; 27.10.; 23.11.14; Guardian 28.05.14

Küste und Inseln

Fischer auf der Insel Mafia beklagten sich über Umweltschützer und Hotelbetreiber. Sie seien wie Flüchtlinge im eigenen Land. Fischereikontrolleure wiesen darauf hin, dass sie die Fischer lediglich an Umweltzerstörung durch illegale Fangmethoden wie Schleppnetze und Sprengstoff hinderten.

Tansania verfügt in seiner Exklusiven Wirtschaftszone (EEZ – bis etwa 360 km von der Küstenlinie) im Indischen Ozean über große Tunfisch-Bestände. Zur Zeit wird dort jährlich 1 Mill. t. Thun pro Jahr gefangen, ausschließlich von ausländischen Schiffen. 77 ausländische Thunfänger sind lizenziert. Sie entrichten pro Schiff $ 35.000 jährlich. Laut Fischerei-Ministerium könnte das Land mit geeigneten Investitionen in den Thun-Fang viel Arbeit und Einkommen schaffen. TZ plant daher einen eigenen Fischereihafen, über den alle Fänge kontrolliert, vermarktet und versteuert werden sollen. Mit Hilfe des WWF-Tanzania wurde eine „Thunfischfang-Strategie“ erarbeitet. Sie soll eine nachhaltige Ausbeutung der Bestände sichern. Allerdings fehlen dem Land bisher sowohl Fischer mit den erforderlichen Fachkenntnissen für Hochseefischerei, als auch die entsprechenden Schiffe.

Citizen 18.08.14; DN 20.06.; 02.12.14; 23.12.15; Guardian 19.08.14