Explosion in einem Waffenlager - 06/2009

Aus Tansania Information
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Vorgang

Am 29. April kam es im Waffenlager der Tanzania Defence Forces (TPDF) im Dar-es-Salaamer Stadtteil Mbagala (Temeke-Distrikt) zu einer gewaltigen Explosion; kleinere Detonationen folgten über viele Stunden.

Es heißt, ein Teil der Waffen sollte in den Sudan gebracht werden, um in der Region von Darfur von tansanischen friedenerhaltenden Kräften eingesetzt zu werden.

Schäden, Tote, Verletzte

Im dichtbesiedelten Wohngebiet unweit des Lagers wurden 270 Häuser durch bis zu fünf km weit geschleuderte Geschosse oder Raketen zum Einstürzen gebracht, 131 in Brand gesetzt, 2.187 abgedeckt, weitere 3.058 Häuser unterschiedlich stark beschädigt. Die Obdachlosen wurden in Lagern aufgenommen. Sie bekommen dort Nahrung, Wasser und Medikamente.

26 Menschen starben sofort oder in den folgenden Tagen, unter ihnen fünf Soldaten, die im Waffenlager tätig waren, viele Einwohner durch Waffen oder Waffenteile, die durch die Luft geschleudert wurden. Manche ertranken auf der Flucht in einem Fluß, der infolge starker Niederschläge sehr viel Wasser führte. Unter ihnen waren Kinder; einige wurden überfahren.

Viele Menschen wurden verletzt, 163 in verschiedenen Krankenhäusern, 300 in einem rasch aufgeschlagenen Lager behandelt, 24 schwerverletzte ins Muhimbili National Hospital (MNH) überwiesen.

Reaktionen

Als die Detonationen begannen, ergriffen viele Menschen die Flucht. Etwa 1.180 Kinder zwischen drei und zwölf Jahren verirrten sich, fanden nicht mehr nach Hause, auch viele Hausmädchen, die erst kurze Zeit in der Stadt weilten. Alle wurden in zwei Lagern untergebracht, die meisten später zu den Eltern bzw. Arbeitgebern gebracht.

Diebe nutzten ihre Chancen.

Auch im ca. 15 km entfernten Stadtzentrum gerieten Menschen in Panik. Schulen beendeten den Unterricht, Hochhäuser wurden evakuiert, viele Arbeitnehmer eilten zur Bushaltestelle, um nach Hause zu kommen, auf den Straßen kam es zu Staus.

Zu Ursachen und Vorbeugemaßnahmen

Die Regierung setzte einen neunköpfigen Untersuchungsausschuss ein, dem Bomben- und Waffenlagerexperten, Chemiker, Polizisten, Feuerwehrleute und Ermittlungsbeauftragte angehören. Sie sollen Unglücksursache und -ausmaß untersuchen und Maßnahmen zur Vermeidung ähnlicher Katastrophen vorschlagen.

In Zukunft soll es bei Waffenlagern eine Pufferzone geben.

Hilfsmaßnahmen

Mindestens 3.750 Haushalte benötigten Hilfe, weil sie alles verloren haben.

Ein Rettungsteam sorgte dafür, dass alle Hilfsbedürftigen mit Nahrung, Wasser und Kleidung versorgt wurden. Die Regierung importierte Reis für 100m/- TSh für die von der Explosion betroffenen Menschen. Jeder Berechtigte erhielt 30 kg Reis.

Die Regierung trägt die Bestattungskosten und übernimmt den Transport der Toten. Einer stammt aus der Iringa-, einer aus der Musoma-Region. Ein Komitee kümmert sich um die Beisetzungsvorbereitungen. Die Hinterbliebenen erhalten als Unterstützung Lebensmittel und 1,5m/- TSh.

Spenden

Einwohner anderer Stadtteile brachten den Obdachlosen Nahrung und Wasser.

Einzelne und Firmen spendeten Geld, Reis, Speiseöl, Matratzen, Decken.

Die Tanzania Red Cross Society spendete 200 Zelte.

Der National Council of Islamic Organizations half mit Lebensmitteln und anderen Dingen.

Probleme bei der Unterstützung

Viele klagen, die Zehn-Zellen-Beauftragten verwendeten die Unterstützung zum eigenen Nutzen, verteilten sie an nicht von der Explosion betroffene Verwandte und Freunde oder verkauften gespendete Matratzen und Zuckerzuteilungen. Es heißt, auch Einwohner Mbagalas, deren Haus intakt ist, und solche anderer Stadtteile kommen, um von den Hilfsgütern zu profitieren.

Ein Betroffener kritisierte, die ganze Hilfsaktion sei in eine politische Angelegenheit verkehrt worden; einige Verantwortungsträger hätten vor allem denen, die bei der Wahl für sie stimmen würden, Lebensmittel zugeteilt.

Zur Entschädigung

Betroffene sollen eine Entschädigung erhalten. Ein Komitee schätzt den Schaden ein.

Einige beklagten, man habe ihr Haus übergangen, Mitglieder der CCM bevorzugt.

Es ist noch nicht klar, ob die Regierung den Geschädigten einen Bauplatz zuteilt oder ihnen ein Haus errichtet.

Mehr als 150 geschädigte Einwohner Mbagalas demonstrierten, um zu erreichen, dass die Regierung alle von der Explosion Betroffenen entschädigt. Viele hätten keinerlei Lebensmittelhilfe erhalten. Einige zerstörte Häuser seien nicht registriert worden, dafür andere, die nicht beschädigt worden seien.

Das mit der Aufnahme des Schadens beauftragte Team zählte 4.636 zerstörte Häuser. Doch schließlich stieg ihre Zahl auf 7.000. Das Team war gezwungen, die Untersuchung zu wiederholen.

Einige Einwohner Mbagalas, deren Haus schon vor der Explosion schadhaft war, wollten die Chance nutzen, um Entschädigung zu bekommen; andere verwüsteten ihr Haus absichtlich; manche forderten Entschädigung für Dinge, die sie nie besaßen.

Der Regional Commissioner (RC) von Dar-es-Salaam sagte: "Wir arbeiten mit Fachleuten zusammen, die feststellen können, was vorliegt," Wer betrogen hat, werde vor Gericht gestellt, betonte er.

Wiederaufbau

Erziehungsminister Maghembe besuchte die zwölf zerstörten und beschädigten Schulen. Er versprach, Wiederaufbau und Reparaturmaßnahmen würden sehr bald beginnen.

Zur Sicherheitslage

Soldaten und Polizisten sammelten in den Wohngebieten Waffen und Waffenteile ein. Am 4.5.09 erklärte die Regierung, das Gebiet um das Mbagala-Militärlager sei wieder sicher. Fachleute hätten es durchkämmt, alle Waffen entschärft und entfernt. Die Einwohner wurden aufgefordert, zuständige Stellen sofort zu informieren, falls sie Waffen oder merkwürdig aussehende Metallteile finden, diese nie berühren. Die Eltern sollten ihre Kinder warnen.

Am 7. Mai ließen Soldaten der TPDF 75 Handgranaten und andere schadhafte Waffen explodieren, denn ein Transport wäre zu riskant gewesen.

Die Bevölkerung wurde angewiesen, einen Abstand von mindestens 500 m vom Waffenlager einzuhalten.

Weil viele Einwohner nicht ausreichend informiert waren, erlitten sie einen Schock, wurden ohnmächtig, als früh am Morgen neuerliche Explosionen das Gebiet in einem Umkreis von 5 km erschütterten. Die Krankenhäuser waren mit dem Transport überfordert. Pendelbusse und private Pkws wurden gebeten, die Betroffenen ins Krankenhaus zu bringen.

Zu gesundheitlichen Folgen

Viele Kinder klagten über Probleme beim Hören, Sehen oder Atmen. Sind die Klagen berechtigt, "ist die Regierung für die Behandlung verantwortlich", sagte der RC. Ärzte untersuchten die Patienten. "Nicht nur Schulkinder sollen kommen, sondern auch andere Betroffene."

Von den 117 Kindern einer Primarschule, die von sechs Ärzten untersucht wurden, hatten 53 Probleme des Gehörs, 64 der Augen. Nur zwei müssen im Krankenhaus behandelt werden. (DN 30.4./1./2./5./7./14./19./ 20.5.09; Guardian 1./2./3./5./6./14./20./25./26.5.09; Citizen 30.4./2./4./5./6./7./14.5.09; ThisDay 30.4./1.5.09)