Entwicklung und Probleme der Städte - 10/2007

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Wasserversorgung

Prof. Anna Tibaijuka, Exekutivdirektorin der UNO-Organisation Habitat, sagte, in den Entwicklungsländern müsse dreimal so viel in Wasserver-sorgungs- und Entsorgungsprogramme investiert werden wie bisher. Alle müssten mit Wasser zu erschwinglichem Preis versorgt werden. Es sei falsch zu behaupten, die Armen könnten nichts für Wasser bezahlen. Sie seien nicht ans öffentliche Netz angeschlossen, zahlten deshalb an private Wasserverkäufer. Das sei hundertmal so viel wie das, was ihre wohlhabenden Nachbarn für subventioniertes Leitungswasser aufbringen müssen. "Die Verstädterung ist eine Realität, der wir uns stellen und die wir nutzen müssen, denn die Städte sind die Zentren wirtschaftlichen und sozialen Wachstums", betonte sie. (DN 14.8.07)

Müllbeseitigung

Einige Gemeinden des Arumeru-Distrikts (Arusha-Region) wollen für einen für seine Verschmutzung und seinen Gestank bekannten Markt eine Müllhalde einrichten. Pro Tag fällt dort 1 t Müll an. Wegen Verschmutzung wurde der Markt im April geschlossen, einen Monat später aber wieder geöffnet. Die geplante Müllhalde soll auch von den benachbarten Dörfern benützt werden können. (Arusha Times 18.8.07)

Märkte für Gebrauchtkleider

Den beliebten Secondhand-Kleidermarkt in Kiboroloni, der 10 km östlich von Moshi an der Straße nach Dar-es-Salaam lag, gibt es nicht mehr. Hunderte von Händlern mussten das Gebiet auf Befehl der Stadtverwaltung von Moshi verlassen und zum Memorial-Stadion umziehen. Dort fanden sie roh gezimmerte Stände vor. Das Stadion liegt 5 km westlich der Stadt an der Straße nach Arusha. Es gab hier kaum einmal sportliche Veranstaltungen. "Das Geschäft wird schlecht sein", meinen einige Händler. Es könne Jahre dauern, bis man sich an den neuen Ort gewöhnt. Die beiden 'Markt-Tag'-Versteigerungen in Kiboroloni munterten diese recht verschlafene Stadt auf. Nun bringt nur der jährlich stattfindende Kilimanjaro-Marthonlauf dem Ort etwas Belebung. (Arusha Times 26.5.07)

In Arusha hofften die Händler, die 'Mitumba' anbieten, die Stadtverwaltung werde ihnen am Bahnhof Land übereignen. Sie waren vom Kilombero-Markt vertrieben und auf das Bahnhofsgelände geschickt worden. Erst kürzlich entdeckte man, dass sich unter dem Gebiet innerhalb des Einfassungszaunes, auf dem man die Buden errichtet hatte, Rohre des Wasserversorgungssystems befinden. Auf einem solchen Gebiet kann es keinesfalls Landbesitzrechte geben. Außerdem will der Investor, der die TRC übernahm, die Zugverbindung von Dar-es-Salaam nach Moshi und Arusha wiederbeleben. Mitumba-Verkäufer will er wohl nicht direkt vor seinen Toren haben. (Arusha Times 26.5.07)

Gebäude für Kleinhandel und Imbiss

Für mindestens 10.000 Straßenhändler und Betreiber von Garküchen soll in jedem der drei Distrikte Dar-es-Salaams ein fünfstöckiges Gebäude errichtet werden, denn man will für Sicherheit ihres Besitzes sorgen, sowie diese und ihre Kunden vor Regen und Staub schützen. Auch in allen größeren Städten, Arusha, Dodoma, Mbeya, Mwanza, Tanga, soll es ein derartiges Projekt geben. (Guardian 12.9.07)

Sozialer Wohnungsbau

Im Rahmen eines von UN-Habitat unterstützten Programms beginnt man in Dar-es-Salaam nun, 40 preisgünstige fünfstöckige Häuser zu errichten. Dieses Projekt soll helfen, 75 % der Dar-es-Salaamer, die in ungeplanten Siedlungen leben, dort heraus zu holen. Die Wohnungen sollen armen Frauen auf Darlehensbasis übereignet werden. Sie müssen im Verlauf von 30 Jahren zurückzahlen. (Guardian 13.6.07; East african Business Week 6.8.07)

Wohnungsbaudarlehen

Damit in Tansania bessere Häuser gebaut werden können, startete die United Bank of Africa (UBA) mit Sitz in Dar-es-Salaam ein Hausfinanzierungsprojekt. Für Hausbau will sie Kredite zwischen 20.000 und 350.000 US$ vergeben, Rückzahlung innerhalb von max. 15 Jahren. Die UBA ist bestrebt, eine regionale Bausparkasse zu gründen. (East african Business Week 6.8.07)

Wohnungen für Polizeibeamte

Die Regierung wird für die Unterbringung von Polizeibeamten 30 mehrstöckige Häuser errichten lassen. Im ganzen Land seien die Wohnungen der Polizisten und ihre Bürogebäude in einem schlechten Zustand, sagte der Stellvertretende Minister für Öffentliche Sicherheit. (DN 25.7.07)

Urbane Viehzucht

Die Stadtverwaltung von Arusha verbot, Vieh im Stadtgebiet zu weiden. Zuwiderhandelnde werde man streng bestrafen, ihre Tiere u. U. konfiszieren. Das Verbot gelte nur am Tag, fanden die Tierhalter heraus. Von 20 Uhr bis 3 Uhr wagen sie sich in Wohngebiet und Gärten. Kühe, Ziegen und Schafe tun sich an Mais, Gemüse und Gras, die Wachhunde an Lebensmittelresten gütlich.

Jeden Morgen zeichnen sich die Straßen durch Haufen frischen Dungs aus. (Arusha Times 22.8.07)

Vertreibung von Bettlern und 'Straßenkindern'

Die Stadtverwaltung von Arusha will die Straßen ununterbrochen von Bettlern und 'Straßenkindern' befreien, sie in ihre Heimatdörfer zurück schicken, denn sie belästigten mit ihrer Bettelei Passanten, Touristen und Autofahrer. Nach einer Aktion der Stadtmiliz sah man nur noch wenige Bettler, doch ebenso viele 'Straßenkinder' wie sonst. Meistens kehren die Bettler und Straßenkinder nach zwei Wochen zurück. Laut Anweisung des Direktors der Stadtverwaltung dürfen die Einwohner Bettlern und 'Straßenkindern' keine Almosen geben. Wachposten sollen sicherstellen, dass man sich an diese Anordnung hält. Wer dabei erwischt wird, werde bestraft, sagte er. Von den Almosen werde Haschisch gekauft, oder man verwende sie für alle möglichen Schandtaten. Weil die meisten Straßenkinder in den Arumeru-Distrikt auswanderten, werde man mit diesem kooperiern. Über den Begriff 'Straßenkinder' wird heiß diskutiert. Einige kritisieren, dieser Begriff stigmatisiere sie, stemple sie ab. Andere meinen, er gebe ihnen eine Identität, verleihe ein Gefühl von Zugehörigkeit. (Arusha Times 18.8.07)

Räumung eines Slumgebietes

350 Einwohner des Slumgebietes von Arusha, das sich entlang der Bahnlinie erstreckt, Maboxini genannt, müssen ihre aus Sisal-Stangen und verrostetem Blech errichteten Hütten räumen. Früher verwendete man Kartons, daher der Name. Manche leben schon seit den 40er Jahren illegalerweise auf diesem für die Bahn reservierten Gelände. Nun soll dort eine Straße gebaut werden. Der District Commissioner (DC) von Arusha riet den Einwohnern, der Stadtverwaltung eine Liste ihrer Namen vorzulegen, damit sie ihnen Land zuteile. "Wir sind nicht gegen den Straßenbau", sagte einer, "aber man sollte Mitleid mit uns haben und uns wenigstens ein anderes Gebiet zuteilen." Außerdem sei Entschädigung fällig.

Ende Juli rissen die City Askaris von Arusha die Hütten ein. "Wir siedelten sie um. Sie sollen sich bei Makuyuni niederlassen", 3 km vom Ortskern entfernt, sagte der DC. Doch niemand will nach Makuyuni, einem Ort 80 km westlich von Arusha in einer sehr trockenen Gegend des Monduli-Distrikts gelegen. Die Vertriebenen erklären, dort fehle es an Arbeitsmöglichkeiten, Schulen u. a. sozialen Einrichtungen. In Arusha hätten sie Kleinhandel betrieben oder für Lohn gearbeitet.

Einige Wohlhabende, die in der Nähe von Maboxini leben, begrüßen die Vertreibung. Dieses Gebiet sei eine Brutstätte für Kriminelle, sagte einer, der anonym bleiben wollte. (Arusha Times 14.4./ 28.7.07; Citizen 27.6.07)

Räumung wegen Neubauplänen

In einigen Stadtvierteln Arushas müssen die Bewohner von Mietwohnungen und Einfamilienhäusern, die der Stadtverwaltung gehören, vor Dezember 07 ausziehen, um Platz zu schaffen für die Einwicklung der Stadt. Man hatte die ca. 5.000 Betroffenen, die z. T. schon 50 Jahre dort wohnten, im Jan. 07 informiert.

Die Stadtverwaltung plant, statt der alten neue, moderne und viel größere Gebäude zu errichten, die Wohnungsnot zu verringern und die Stadt zu verschönern. Die ausgewiesenen Mieter würden bei der Vergabe der neuen Wohnungen als erste berücksichtigt, heißt es. (Arusha Times 11.8.07)

Abriss wegen Straßenbau

In Dar-es-Salaam müssen mehr als 240 Gebäude, unter ihnen Regierungsbüros und Wohnhäuser, ganz oder teilweise abgerissen werden, weil man Platz schaffen will für den Ausbau einiger Straßen, auf denen ab 09 der Rapid Transit Bus verkehren soll. Mindestens 651 Familien sind von dieser Maßnahme betroffen. Besitzer bekommen Entschädigung. 10mrd/- TSh sind dafür vorgesehen. Wer das Geld erhalten hat, muss das Gebiet innerhalb von 90 Tagen räumen. (DN 25.8.07)==

Entwicklung kleinerer Städte gefordert

Der District Commissioner des Ngorongoro-Distrikts sagte, man solle sich nicht nur auf die Großstädte konzentrieren, sondern kleine Städte entwi-ckeln. Es gebe in der Arusha-Region einige, in denen man das Gelände nicht richtig nutze. Im Ngorongoro-Distrikt seien 90 % der Dörfer noch nicht vermessen. (DN 21.9.07)

Zum Einsatz von Architekten

In seiner Ansprache bei der Eröffnung eines Seminars für Architekten und Quantity Surveyors (Fachleute, die für Massenermittlung zuständig sind) forderte der Dar-es-Salaamer Regional Commissioner die Städte auf, mehr Architekten und Quantity Surveyors einzustellen, damit gut geplante Städte entstünden. Der Vorsitzende des Board of Architecture and Quantity Surveyors bat die Regierung, in den Regionen und Distrikten mehr Wert darauf zu legen, dass Architekten und Quantity Surveyors beauftragt werden. Im Augenblick würden die 227 Architekten und 137 Quantity Surveyors noch nicht voll eingesetzt, was mit schuld sei an der schlechten Stadtplanung. Jeder Distrikt solle mindestens zwei Architekten bzw. Quantity Surveyors haben. (DN 17.9.07)

Kommentar

Lange wurde gebaut und gebaut, ohne dass man darauf achtete, dass auch soziale Einrichtungen Platz brauchen. Die Regierung Kikwetes verkündete gleich am Anfang, in den größeren Städten werde sie das ändern. Es gebe dort kaum Spiel- und Sportplätze, oft drängten ehrgeizige Bauherren im Angesicht der Stadtplaner in Gelände ein, das man für Schulen und Gesundheitseinrichtungen vorgesehen hatte. Überall wird gegen Stadtentwicklungspläne auf Kosten sozialen Wohlergehens verstoßen. Wohngebiete wurden zu Saufgelage-Zentren. Manche Häuser sind von drei Bars umgeben. Die Regierung zeigte ihre Macht beim Einreißen von Kiosken der Kleinhändler. Diese Art von Vitalität brauchen wir dort, wo es um unbebaute Gebiete geht. Ist es leichter, etwas gegen die Kleinhändler zu unternehmen, als das Gesetz gegen die anzuwenden, die unsere Stadtplanung zum Gespött machen? (Guardian ?.?.07)