Drogenkonsum, Drogenhandel, Hilfe für Drogenabhängige - 02/2013

Aus Tansania Information
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Zahlen

Die Drug Control Commission (DCC) schätzt, landesweit gebe es 150.000 bis 500.000 Drogenabhängige. Schätzungsweise 25.000 sind abhängig von Heroin; doch Ihre Zahl könnte höher sein. Der Gesundheitsminister Sansibars sagte, der Drogenmissbrauch habe in erschreckendem Maß zugenommen. Er schätzt, mindestens 7 % der 1 Mio. Sansibarer seien abhängig von dem “braunen Zucker”, wie man Heroin dort allgemein nennt. In Stone Town <Sansibar-Altstadt> ist Heroin billig. (DN 29.12.12/ 3.1.13; Guardian 8.9.12)

Zu den Drogenkonsumenten

Die Insel Sansibar liegt auf einer Drogen-Route über den Indischen Ozean. Das heißt die Versorgung ist reichlich. Ein Schuss kostet nur 1.500/- TSh. Wer sich das nicht leisten kann, praktiziert ‘blood flushing’. Das bedeutet, der Drogenkonsument entnimmt sich mit einer Spritze Blut, nachdem er sich Heroin gespritzt hat, und verkauft dieses verdünnte Heroin.

45 % der Männer, 72 % der Frauen und mehr als 51 % der Jugendlichen die Heroin spritzen, sind HIV-positiv. Meistens verwenden mehr als vier Jugendliche die selbe Spritze. (Guardian 8./17.9.12)

Behandlung, Rehabilitation

Im Dar-es-Salaamer Stadtteil Kinondonu gibt es ein Methadon-Behandlungszentrum. Dort leben besonders viele Abhängige. Dieses Zentrum könnte helfen, dass die Zahl der Drogenkonsumenten sinkt. Viele sind froh, dass es diese Einrichtung gibt. Die erste Frau, die es besuchte, setzt sich auf der Straße nun für eine Veränderung des Lebens ein. Es sei harte Arbeit gewesen, aber nun kämen viele, berichtet sie.

Ein Arzt sagte, man sammle drogenabhängige Jugendliche und gebe ihnen Methadon. Mehr als 400 zeigten etwas Verbesserung. (DN 10.9.12; Guardian 8./17.9.12)

Der Gesundheitsminister sagte, im Augenblick gebe es keine Behandlungs- und Rehabilitationsprogramme der Regierung. “Aber sie errichtet im Mirembe Psychiatric Hospital in Dodoma für Behandlung und Rehabilitation von Drogenabhängigen einen neuen Zweig”, berichtete er. Am Muhimbili National Hospital (MNH) und am Mwananyamala Hospital gebe es von Gebern finanzierte Methadon-Kliniken. Im MNH suchen 500 Patienten Hilfe. Dort kümmert man sich nur um Hilfesuchende, die spritzen; Raucher und Schnüffler lässt man außen vor. (Citizen10.10.12)

In einem Dorf der Küsten-Region gibt es ein neues Rehabilitationszentrum für Drogen- und Alkoholabhängige. Man will mit 50 Betten beginnen, später auf 200 Betten erweitern. Den Dorfbewohnern wird medizinische Versorgung angeboten. (Guardian 18.12.12)

2011 kamen 200.000 Drogenabhängige zur Behandlung in ein Rehabilitationszentrum. Die Regierung hat großes Interesse daran, dass sie in ein solches Zentrum gehen.

Der Generalinspektor der Polizei riet den Familien der Drogenabhängigen, Hilfe in den Rehabilitationszentrum zu suchen. Die Geheilten sollten Botschafter für andere sein. Häufig würden Vergehen, z. B. Taschendiebstahl, von Rauschgiftabhängigen begangen. Weil sie Verlangen nach Drogen haben, müssten sie stehlen, um zu Geld zu kommen.

Eine Drogenbeauftragte sagte, es helfe nicht viel, Drogenabhängige einzusperren. Sobald sie herauskommen, würden sie weiterhin Rauschgift konsumieren. Am besten wäre es, sie in einem Rehabilitationszentrum zu verändern, betonte sie.

Ein ehemaliger Abhängiger berichtete: “Ich habe Drogen genommen, nicht weil ich das mochte, aber ich wollte in meine Altersgruppe passen. Gott sei Dank, bin ich nun geheilt.” (DN 29.12.12/5.1.13; Guardian 7.1.13)

Verhaftungen

Bei den Tansanit-Minen in Mererani (Manyara-Region) wurde ein Drogenhändler aus Arusha, der 30 Heroin-Kapseln hatte, verhaftet und angeklagt. (Arusha Times 1.12.12)

In Dar-es-Salaam verhaftete die Polizei fünf Frauen und zwei Männer, die in die Getränke ihrer Kunden vermutlich Drogen mischen, damit sie nicht merken, wenn sie bestohlen werden. Die Polizei fand bei den Verhafteten Rauschgift und weißes Pulver in Plastiktüten.

Sieben Personen wurden verhaftet, weil sie 1,5 kg Haschisch und 15 l nicht genehmigten Schnaps (gongo) besaßen. (DN 20.12.12)

In der Arusha-Region beschlagnahmte die Polizei eine große Menge Haschisch. Vier Verdächtige wurden verhaftet.

Manche vermuten, Polizisten beteiligten sich in einem Verbrecher-Netzwerk. Der Polizeikommandant der Region bat die Bevölkerung, geheime Informationen weiterzugeben. (Arusha Times 19.1.13)

Verhaftung und Verurteilung von ‘Mulis’

Personen, die Drogen geschluckt haben, um sie zu transportieren, nennt man Muli. In Mosambik wurden sieben Tansanier, die insgesamt 280 Ampullen Kokain geschluckt hatten, verhaftet. Sie waren in Brasilien und kamen über Südafrika. Ein Tansanier und eine Frau aus Bolivien wurden am Flugplatz verhaftet. Sie hatten 122 Ampullen Kokain geschluckt.

Die ‘Mulis’ werden meistens am Flugplatz von Maputo verhaftet. Die Flugzeugbesatzung erkennt sie; es sind die, die während des langen Flugs weder essen noch trinken. (Mosambik News Agency 11.9.12)

Am Julius Nyerere International Airport in Dar-es-Salaam wurden vier Tansanier, die Heroin-Kapseln geschluckt hatten, verhaftet. Sie wollten nach China bzw. Äthiopien fliegen. Sie sollen zu lebenslanger Haft oder einem Bußgeld in Höhe des dreifachen Wertes der beschlagnahmten Drogen verurteilt werden. Die Zahl der von Januar bis November 2012 verhafteten Drogenhändler stieg damit auf 35.

Von 2010 bis 2012 wurden 30 Frauen, die mit Drogen handelten, verhaftet. (DN 7.11.12)

Am Zanzibar International Airport gibt es nun eine renovierte Sondertoilette für Drogenhändler, die Drogen geschluckt hatten. (DN 5.12.12)

Der High Court in Tanga verurteilte fünf Personen, die man mit 92,2 kg Heroin erwischt hatte, zu 25 Jahren Haft; das Bußgeld, 1,4mrd/- TSh. ist im Kampf gegen Drogen eher ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Ein Polizist berichtete, sie kämpften einen sehr gefährlichen Kampf. “Ich bete viel und glaube, dass ich noch lebe, ist Gottes Gnade. Jederzeit kann irgend etwas passieren.” In zehn Monaten habe sein Team 231 kg Heroin und 27 kg Kokain beschlagnahmt, sagt er.

Die Einheiten, Informanten, Ermittler, Polizisten, Ankläger, Zeugen und Richter müssen als einheitliche Truppe gegen Kartelle und ihre Operationen vorgehen. Alle Kämpfer bei Laune zu halten, sei die schwierigste Aufgabe, denn die Gegenseite lasse sich den Schutz ihrer Interessen viel kosten. Sie verwenden Bestechung und Einschüchterung. Schlägt das fehl, beseitigten sie diejenigen, die ihnen im Weg sind. (Citizen 9.10.12)

Die Drogenhändler

Die Drogenhändler haben die Fähigkeit, die Herzen der Gemeinschaft, in der sie leben, zu gewinnen. Die meisten werden von den Leuten nicht nur geliebt, sondern bewundert. Ein Mitarbeiter der Drug Control Commission (DCC) sagte, das sei so, “weil sie mit ihrem schmutzigen Geld sehr großzügig umgehen. Sie geben es wie verrückt aus, unterstützen sogar einiges, was der Entwicklung und der Wohltätigkeit dient. Deshalb sind sie Liebling aller.” (Citizen 9.10.12)

Im Bunda-Distrikt (Mara-Region) wurden bei einer Kontrolle an einer Straßensperre bei zwei Polizisten, die zusammen mit zwei Frauen in einem privaten PKW fuhren, zwei Säcke mit Haschisch entdeckt. Die Polizei äußerte, die beiden helfen den Frauen immer wieder, Rauschgift zu befördern. (Guardian 10.1.13)

Drug Control Commission (DCC)

Sie besuchte auf den Inseln Sansibar und Pemba mehrere Dörfer, um die Bevölkerung zum Kampf gegen Drogenmissbrauch zu ermutigen und stellte mit dem selben Anliegen Programme für die Medien her. (DN 29.12.12)

In Sansibar gibt es nun eine National Anti-Drug Commission. Bei ihrer Gründung sagte der Vizepräsident Sansibars, das Drogengeschäft sei zu einem nationalen Problem geworden. Seit drei Jahren gebe es Programme, die die Jugend retten sollen, Rehabilitationszentren und ‘Ausnüchterungshäuser’. 400 der 2.000 Drogenabhängigen änderten sich komplett. (DN 2./ 3.1.13)

Gesetzesrevision

Die Regierung will ein schärferes Gesetz gegen Drogenhandel verabschieden, denn das von 1995 sei nicht streng genug, sagte der zuständige Staatsminister. Außerdem werde man eine besondere Antidrogen-Einrichtung schaffen, weil die Zahl der Drogenkonsumenten und die Zahl der Drogenhändler steige. 2011 wurden bei 15 Personen 264,3 kg Heroin und 126 kg Kokain beschlagnahmt; 2010 waren es nur 15 Personen mit 185,8 kg Heroin und 63 kg Kokain. (Guardian 9.11.12)

Haschischanbau

Im Naturschutzgebiet des Ostteils der Usambara-Berge ist der Anbau von Haschisch eine Gefahr für die Artenvielfalt. Der Beauftragte des Naturschutzgebiets sagte, es sei sehr schwierig, die Hunderte von Gesetzesübertretern in diesem dichten Wald zu finden, denn niemand könne im ganzen Gebiet Patrouillen machen. Viele bevorzugten den Anbau von Haschisch, weil mit ihm leichter Geld zu verdienen sei als mit Reis und Mais. Nun habe man Leute der 19 rund um das Gebiet liegenden Dörfer gewonnen. In jedem gebe ein Team, das Patrouillen macht. In einem UNO-Bericht heißt es, nach Südafrika sei Tansania der zweitgrößte Haschischproduzent Afrikas. (Guardian 31.12.12)

Unterstützung durch Lions Club

Mitglieder des Lions Club East African District hilft, Drogenhändler zu identifizieren. Der für Uganda und Tansania zuständige Verantwortliche sagte, gemeinsam müsse die ganze Gesellschaft gegen die Drogen kämpfen. Sie seien zu einer Krankheit geworden, die sich wie ein Buschbrand in der ganzen Region ausbreite. In Ugandas Primar- und Sekundarschulen habe der Lions Club bereits Programme eingeführt, in denen es um das Drogenproblem gehe, berichtete er.

Dr. Reginald Mengi, IPP-Exekutivvorsitzender, forderte den Lions Club International auf, Programme einzuführen, die den Drogenmissbrauch bekämpfen, vor allem den der Jugendlichen. Diese Generation könne Tansania durch Drogen verloren gehen, sagte er. (DN 16.1.13; Guardian 16.1.13)