District Commissioner lässt Lehrkräfte mit Stockschlägen bestrafen - 04/2009

Aus Tansania Information
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Der District Commissioner (DC) des Bukoba-Distrikts (Kagera-Region) wies Polizisten an, 16 Lehrer und Lehrerinnen vor Schülern und Schülerinnen mit je vier Stockschlägen wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten zu bestrafen. Sie seien zu spät zum Unterricht gekommen, bisweilen gar nicht erschienen, sie seien schuld daran, dass Schüler im vergangenen Jahr die Prüfung nach Klasse 7 nicht bestanden. Er habe keine andere Wahl, denn diese Lehrkräfte hätten sich seinen Anweisungen gegenüber taub gestellt.

Die Commission of Human Rights and Good Governance (CHRAGG) nannte das Vorgehen des DC barbarisch, unmenschlich und eine Schande. Der Präsident der Tanzania Teachers' Union (TTU) forderte von der Regierung harte Maßnahmen gegen den DC, auch seine Entlassung.

Präsident Kikwete entließ den DC wegen Vergehen gegen den Verhaltenskodex des öffentlichen Dienstes.

Der TTU-Präsident verlangt von Präsident Kikwete oder Premierminister Pinda eine Entschuldigung. Kikwete ernenne die DCs, Pinda sei ihr direkter Vorgesetzter. "Wir lobten Kikwetes Schritt, den DC zu entlassen, aber wir wollen, dass sich die Regierung offiziell entschuldigt", sagte er. Man plane, im Namen der 16 Lehrkräfte wegen einer Entschädigung zu klagen. Die Stockschläge zeigten, dass der Lehrerberuf verachtet wird. Wegen solcher Vorgänge mieden viele Absolventen diesen Beruf, sagte er.

Um gegen die an 16 Lehrkräften verübten Prügel zu protestieren und um dem Vorgehen des Präsidenten Beifall zu zollen, planten Lehrerkollegen im Bunda-Distrikt (Mara-Region) eine friedliche Demonstration. Sie wurde von der Polizei verboten, denn auf des Vorgehen des DC sei in angemessener Art reagiert, der DC entlassen worden. (DN 13.2./4.3.09; Guardian 14./18.2.09; Citizen 13.2./7.3.09)

Aus einem Kommentar: Wie die Medizin ist das Lehren mehr eine Berufung als irgend etwas Anderes, denn es fordert ein persönliches Opfer. In Tansania unterrichten viele Lehrkräfte unter sehr schwierigen Bedingungen, z. B. müssen sie in abgelegenen Gebieten leben, in denen es kein reguläres Transportangebot gibt, wo eine akzeptable Unterkunft fehlt, das Gehalt meistens zu spät kommt, und es in den Schulen an unentbehrlicher Ausrüstung fehlt. Trotzdem zeigen die meisten in vorbildlicher Art Interesse und Patriotismus. (..) Glücklicherweise hatte sich der Staub gelegt, den die Konfrontation aufgewirbelt hatte, die vor einigen Monaten Lehrerschaft und Regierung belastete. Nun rührte jemand das sich abkühlende Wasser wieder auf und öffnete alte Wunden.

Der entlassene DC erklärte, er bereue sein Vorgehen nicht, sei erfreut, "dass die Botschaft ankam". (Guardian 18.2.09)