Boykott und Streiks an Universitäten - 03/2011

Aus Tansania Information
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Arthi University (ARU)

Die Studierenden der ARU (Dar-es-Salaam) boykottierten den Unterricht mehrere Tage, um wegen schlechter Unterbringung, ungenügender sanitärer Einrichtungen, Mangel an Professoren, verzögerter Auszahlung ihrer Zuwendungen und weiterer Probleme zu protestieren und die Ablösung zweier Dozenten zu erreichen. Sie blockierten die Verwaltung der Universität, hielten Protestplakate hoch und riefen fast einen ganzen Tag lang, sie würden den Boykott nur beenden, wenn Premierminister Pinda komme und die Probleme löse.

Der Vizekanzler sagte, man plane, vier Wohnheime für jeweils 562 Studierende zu errichten. Er versprach, die Verwaltung werde sich um alle Forderungen kümmern.

Nach zwei Tagen beendeten die Studierenden den Boykott.

In einer Erklärung der Studentenorganisation heißt es, man werde dafür sorgen, dass weder Verantwortungsträger noch Studierende wegen der Teilnahme am Streik belästigt oder bedroht werden. (DN 25./28./29.12.10)

Muhimbili University of Health and Allied Sciences (MUHAS)

Mehr als 300 Studierende der MUHAS Medicine and Dentistry School boykottierten den Unterricht und zogen mit Plakaten über das Universitätsgelände, um gegen das neue Prüfungssystem zu protestieren. Es sieht vor, dass sie die zusätzlichen Examina nach Abschluss des Studiums machen. Bisher war das während der Ferien möglich. (Guardian 16.2.11)

Ruaha University College (RUCO)

Die Studierenden des RUCO boykottierten den Unterricht mehrere Stunden, weil sie die Zuwendungen für Verköstigung länger als drei Wochen nicht erhalten hätten. Der RUCO-Prinzipal sagte, die Verwaltung habe die Studierenden während der Krise unterstützt. Mindestens zehn hätten in der Mensa Essen bekommen.

Infolge des Boykotts erhielt ein Teil der Studierenden ihr Darlehen. Ein Student betonte jedoch, man werde so lange demonstrieren, bis auch die 400 ihr Darlehen erhalten haben, deren Namen auf der Liste der Berechtigten fehlen. (Guardian 26./27.1.11)

Tumaini University

Die Studierenden des Kilimanjaro Christian Medical Centre (KCMC) und des Masoka-Zweiges der Tumaini University traten in einen zeitlich unbegrenzten Streik. Sie bezweifeln, dass ihre Verwaltung berechtigt ist, ihre Darlehen zu kürzen. Die Leitung der Universität bat den Vorsitzenden der Kuratoriums, zu intervenieren und die erzürnten Studierenden zu beruhigen. Sie drangen in das KCMC-Gelände ein, störten den Betrieb und spotteten über die Universität und die Leitung des KCMC. Um der Sicherheit willen, informierte diese die Polizei. Obwohl District Commissioner und Polizeikommandant intervenierten, erklärten die Studierenden, nur wenn die Verwaltung erkläre, wie sie das vom HESLB ausgezahlten Darlehen verwende, kehrten sie in die Unterrichtsräume zurück. (Guardian 3.12.10)

Die Studierenden des Makumira University College streikten, weil die Zuwendungen für Nahrung u. a. Monate lang nicht ausgezahlt wurden.

Der Higher Education Students' Loan Board (HESLB) berichtete, man habe drei Wochen warten müssen, bis die Verwaltung die Registrierungsnummern der Studierenden vorlegte. Während des Streiks seien die Darlehen bereits überwiesen gewesen. Die Polizei setzte Tränengas ein, als die Studierenden die Straße zwischen Arusha und Moshi blockierten. Einige Studierende, die die Blockade leiteten, wurden zwecks Befragung festgenommen und in die Polizeistation in Usa River gebracht. (Guardian 26.1.11, Arusha Times 29.1.11)

Die Studierenden des Stefano Moshi Memorial University College boykottierten den Unterricht und blockierten die Marangu-Rombo-Straße, weil es der Leitung nicht gelungen sei, sich um die Probleme mit den Darlehen zu kümmern. HESLB habe sie überwiesen. Doch die College-Verwaltung hielt sie lange Zeit zurück. Die Studierenden wollen, dass Bischof Martin Shao, der Kuratoriumsvorsitzende, ihre Klagen anhört. Als die Polizei erschien, beendeten die Studierenden die Blockade. Sie versicherten, es gehe nicht um Protest, sondern darum, die Regierung und die Öffentlichkeit wissen zu lassen, dass es der Regierung nicht gelingt, ihre Probleme zu lösen. (Guardian 29.1.11)

An der Tumaini University Dar-es-Salaam demonstrierten die Studierenden der ersten beiden Studienjahre gegen die Anhebung der Studiengebühren auf 2,5m/- TSh. Sie fordern auch eine Verbesserung der Bibliothek u. a. Einrichtungen. Es fehle an professionellen Dozenten und an Wasser. Sie beklagen häufige Stromsperren und schlechte Unterbringung und fordern ein Treffen mit dem Kanzler, Bischof Malasusa.

Jurastudierende des ersten und zweiten Jahrgangs wurden auf unbestimmte Zeit suspendiert, weil sie länger als zehn Tage den Unterricht boykottiert hatten. Sie mussten das Universitätsgelände unverzüglich verlassen. In einem Brief sollen sie erklären, warum sie am Streik teilnahmen und wer sie anstiftete, den Frieden zu stören und den Dean of Students zu belästigen. Unschuldige können weiterstudieren, vorausgesetzt, sie unterzeichnen eine Erklärung und ein Entschuldigungsformular.

Der Dekan der juristischen Fakultät hatte den Studierenden versichert, ihre Forderungen seien berechtigt, sie würden bearbeitet. Doch die Studierenden protestierten weiterhin und schlugen diejenigen, die am Unterricht teilnehmen wollten. (DN 9./4.2.11; Guardian 4.2.11)

University of Dodoma (UDOM)

Die Studierenden der UDOM streikten, um sich wegen verspäteter Auszahlung ihrer Zuwendungen durch den HESLB zu beschweren. Der Regional Commissioner versprach, die Regierung werde sich demnächst um die Probleme der Studierenden kümmern. Sie weigerten sich, diesem Versprechen zu glauben. Daraufhin setzte die Eingreiftruppe der Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Studierenden wegzutreiben. Das UDOM-Universitätsgelände verwandelte sich in ein Schlachtfeld. Viele flohen, andere machten sich mit Spottversen über die Polizei lustig. Wasserwerfer trieben die restlichen Studierenden mit einer juckenden Flüssigkeit endlich in die Flucht. Sechs Studierende wurden festgenommen. - Innenminister und Bildungsminister sahen sich gezwungen, mit einem Hubschrauber zur UDOM zu kommen, um eine Lösung für die Unruhen zu finden. (DN 21.12.10; Citizen 17.1.11)

Zwei Wochen später demonstrierten Studierende der Faculty of Education. Sie seien die Lügen und die Verzögerung bei der Auszahlung ihrer Darlehen satt und würden den Unterricht boykottierten, bis sie Präsident Kikwete und Premierminister Pinda träfen und ihnen ihre Probleme schildern könnten. Sie beklagten auch den schmutzigen Zustand der Universität, die verstopften Toiletten, den Wassermangel.

Studierende zogen zum Amt des Premierministers. Sie beschädigten ein Taxi u. a. Die Eingreiftruppe der Polizei setzte Tränengas ein und schlug Studierende zusammen. Sie bewarfen die Polizisten mit Steinen, wichen aus und sammelten sich dann auf dem Nyerere Square, riefen Slogans und sangen Loblieder auf Nyerere.

Die Verantwortungsträger der UDOM besprachen mit den Studentenvertretern die Einrichtung einer Mensa, Transportprobleme und Wasserknappheit. Man plane Tiefbrunnen; alle Klagen der Studierenden würden an die zuständigen Stellen geleitet.

Der Vizekanzler der UDOM berichtete, die Studierenden erschienen wieder zum Unterricht, einige der Pädagogischen Fakultät ausgenommen. Sie begannen einen Bummelstreik, fühlen sich von ihren Kommilitonen verraten. Wenn sie weiterhin streiken, könne man gezwungen sein, diese Fakultät zu schließen, sagte der Vizekanzler. (DN 11./ 13./17.1.11; Guardian 11.1./17./ 18.11; Citizen 11.1.11)

Die Dozenten der UDOM starteten einen Bummelstreik in Form einer zeitlich unbegrenzten Versammlung, bis Kikwete komme, um ihre Probleme zu lösen. Sie wollen erreichen, dass die Regierung ihnen ihre neu festgesetzten Gehälter, Zuwendungen und Vergütungen ausbezahlt. Es sei erstaunlich, dass die UDOM-Verwaltung ihnen noch nichts zahlte, obwohl das Geld angekommen sei. Die Verwaltung versicherte, sie strenge sich an, aber es gebe technische Probleme. Die Dozenten beklagen auch, einige hätten keine Arbeitsgeräte wie Computer und Drucker, die Vorlesungssäle seien zu klein. Bisweilen säßen 1.200 Studierende in einer Vorlesung.

Die Dozenten versicherten, es handle sich nicht um einen Streik. Wegen einer Sitzung, bei der sie nach einer Lösung für ihre Problem suchten, kämen sie nicht zum Unterricht.

Kikwete ließ für die Bearbeitung der Klagen der UDOM-Dozenten drei Kommissionen einrichten. Premierminister Pinda wies den Controller and Auditor General (CAG) an, Buchprüfer an die UDOM zu senden. Er wurde von den Dozenten freudig begrüßt. Es gelang ihm, die Dozenten zu bewegen, nach einer Woche ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Die Regierung versprach ihnen, ihre Gehaltsausstände würden bis Ende Februar ausbezahlt.

Weil bei der Gehaltszahlung für Januar die mit Pinda erreichten Vereinbarungen nicht beachtet worden waren, hielten die Dozenten eine Versammlung. Sie wollen mit Pinda sprechen, den Unterricht fortsetzen. (DN 11./12./17./ 18.1.11; Guardian 11./12./15./17./ 18.1./3.2.11; Citizen 11./13./17.1.11)

University of Dar-es-Salaam (UDSM)

Studierende forderten bei einer Demonstration wegen Schwächen der Führung den sofortigen Rücktritt der Leitung. (Guardian 12.1.11)

Das College of Education wendete einen Streik der Studierenden ab. Sie forderten die Auszahlung ihrer Darlehen. Die Leitung versicherte, die Banken bearbeiteten die Sache. (Guardian 19.1.11)

Am Mkwawa University College of Education begann der HESLB, den Studierenden die Darlehen auszuzahlen, beendete so einen langwährenden Streik. (Guardian 19.1.11)

An der School of Journalism and Mass Communication boykottierten Studierende den Unterricht, weil fünf Kommilitonen ihr Studium wiederholen sollten. Angeblich hatten sie die Gebühren nicht rechtzeitig bezahlt. Die Studierenden blockierten die Verwaltungsbüros und riefen, sie würden nicht zum Unterricht zurückkehren, bis jener Beschluss annulliert sei. Sie ließen keinen auf ihrer akademischen Reise zurück. (DN 26.1.11; Guardian 26.1.11)

Alle zum Hauptgelände führenden Straßen wurden von der Eingreiftruppe der Polizei versperrt, um eine ungenehmigte Demonstration zu verhindern. Die Studierenden wollten zum Regierungssitz ziehen, um dem Präsidenten ihren Fall vorzutragen. In kleinen Gruppen gelang es ihnen, den halben Weg zurückzulegen. Dann standen sie der Polizei gegenüber. Sie setzte Tränengas, Wasserwerfer, Pfefferspray ein und gab Warnschüsse ab. Drei Studierende wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, 42 verhaftet.

Die Studierendenorganisation der UDSM (Daruso) distanzierte sich von dem Unternehmen, nannte die Forderungen aber gerechtfertigt. Die Organisatoren der Demonstration seien die sog. 'Revolutionists'.

Die Studierenden fordern höhere Zuwendungen für Unterkunft und Verpflegung. Von den 18.000 Studierenden können nur 6.996 auf dem Universitätsgelände wohnen.

Wenige Tage später sprach Bildungsminister Kawambwa zu den Studierenden. Er forderte sie auf, das Studium wieder aufzunehmen und gab zu, dass die Zuwendungen nicht ausreichten. Immer wieder sangen die Studierenden Preislieder auf Nyerere. Enttäuscht verließen sie die Versammlung, betonten, sie würden nicht in die Unterrichtsräume zurückkehren.

Gegen die Anführer der Aktionen sollen disziplinarische Maßnahmen ergriffen werden. (DN 4./5./7./8./10.2.11; Guardian 5./8.2.11; Citizen 5.2.11)

Das College of Engineering and Technology suspendierte alle 1.200 Studierenden des ersten Jahrgangs für unbestimmte Zeit und verwies sie vom Gelände, denn vier Tage in Folge hatten sie den Unterricht boykottiert, Chaos verursacht, den Haupteingang blockiert, Dozenten bedroht, die Sicherheit des ganzen Universitätsgeländes gefährdet, sich geweigert, zum Unterricht zurückzukehren. Sie hatten versucht, die Wiederaufnahme eines Studenten zu erzwingen, der wegen Betrugs bei einer Prüfung ausgeschlossen worden war.

Die Daruso fordert Verhandlungen zwischen beiden Seiten, damit die suspendierten Studierenden wieder aufgenommen werden könnten. (DN 10./11.2.11; Guardian 10./ 11,2.11; Citizen 10.2.11)