Bildungspolitik – Kritik und Pläne - 02/2014

Aus Tansania Information
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Kritik - Pläne

Die Bildungskoordinatorin von Oxfam sagte, Studien hätten ergeben, dass Grund- und Sekundarschul-Abschlüsse nur Wenigen zu verwertbaren Kenntnissen verhelfen. Viele hätten gute Schulnoten, versagten dann aber im Beruf, vor allem wegen fehlender Kreativität. Die Lehrpläne müssten angepasst und die Lehrerausbildung modernisiert werden.

Dr. J. Isengoma, Philosophieprofessor in Dar-Es-Salaam, sagte voraus, Tansania werde wegen des schlecht aufgestellten Bildungssystems weiter Mangel an kreativen Intellektuellen haben. Das Schulsystem verleite die Schüler, unzusammenhängendes Wissen anzuhäufen. Damit werde eine kritische und zukunftsorientierte Geisteshaltung blockiert. Viele Studierende, auch solche mit guten Noten, versagten in der Praxis, wenn sie selbständig bewerten und entscheiden müssten. Das Land brauche aber dringend innovative und unternehmende Menschen.

Der Bildungsminister Dr. S. Kawambwa gab bekannt, die Regierung wolle im Rahmen des Plans „Big Results Now“ bis 2015 erreichen, dass 80% eines Jahrgangs die Schule erfolgreich abschließen. Dies will man schaffen durch Motivation der Lehrkräfte und zureichende Ausstattung der Schulen mit Lehrmaterial und Mobiliar.

Lehrpersonal

Eine Sprecherin des Bildungsministeriums sagte, obwohl die Lehrer/innen bei der Vergabe von Studienplätzen, Stipendien und Darlehen bevorzugt würden, übten viele nach der Ausbildung ihren Beruf nicht aus. Andere meldeten sich zur Stelle und gingen dann einer anderen Arbeit nach. Das Ministerium versucht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und appelliert an die Lehrkräfte, patriotisch ihre Pflicht zu tun, und an die Eltern, eng mit den Schulen zusammen zu arbeiten.

Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft nannte als demotivierende Faktoren: unzureichende Wohnungen, schlechte Bezahlung, fehlende Dienstleistungen und Anregungen in ländlichen Gebieten ließen Lehrer nach „grünerer Weide“ suchen. Das Gehalt von etwa Tshs 300.000 / Monat (€ 142) reiche nicht, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Die Schulträger schuldeten den Lehrkräften insgesamt Tshs 61 bis 70 Mill. Die Regierung müsse enger mit den Vertretern des Lehrpersonals kooperieren, sonst sei der Erfolg des Programms „Big Results Now“ gefährdet. - Ähnliche Probleme gibt es bei den Ärzten: etwa 40% der Mediziner/innen arbeiten nicht im Gesundheitswesen.

Lehrmittel

Weil dem Land 85.000 Lehrkräfte fehlen, will das Bildungsministerium mehr elektronische Lernhilfen in Schulen einsetzen. Das Ministerium arbeitet mit internationalen Elektronikfirmen zusammen, um computergestützte Lernprogramme zu erarbeiten. Damit soll die Qualität des Unterrichts im Rahmen des Entwicklungsprogramms der Sekundarerziehung angehoben werden. Schüler sollen Zugang zum Internet und digitalisierten Büchern erhalten. Lernerfolge werden vor allem von einer Aktivierung der Schüler/innen durch interaktive Lernhilfen erwartet. Die durchschnittliche Klassenstärke beträgt 60, manche Klassen haben aber bis zu 100 Schüler.

Tansania erhält Tshs 150 Mrd. (€ 71 Mill.) von der Organisation Global Partnership for Education (Globale Bildungspartnerschaft). Damit soll vor allem die Basisbildung im Lesen, Schreiben, Rechnen, sowie informelle Bildungsformen gefördert werden. (www.globalpartnership.org)

Der britische Rüstungskonzern BAE wurde von einem englischen Gericht wegen vermuteter Schmiergeld-Zahlungen im Zusammenhang mit einem überteuerten Radarsystem für Tansania zur Zahlung von Tshs 75 Mrd. (€ 35 Mill.) verpflichtet. Das Geld wird zweckgebunden für die Primarerziehung in Tansania verwendet. Das Bildungsministerium hat für alle 16.000 Primarschulen 19.415.386 Schulbücher bestellt. Ferner sollen alle 175.000 Lehrkräfte Lehrpläne und Erläuterungen dazu erhalten. Ein Viertel der Summe dient zur Anschaffung von Schulbänken. Die Verwendung dieses Fonds wird von der Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers überwacht. Eine eigene Internet-Seite informiert die Öffentlichkeit über den Ablauf der Aktion(www.pesptz.org)

Das Mandela Institut für Wissenschaft und Technologie in Arusha (Nelson Mandela African Institution of Science and Technology – NM-AIST – www.nm-aist.ac.tz) hat mit finanzieller Unterstützung der amerikanischen World Reader Organisation ein Projekt für elektronische Lesegeräte (e-book readers) entwickelt. Premier M. Pinda übergab einem Pilotprojekt im Arumeru-Landkreis (Arusha) 300 Lesegeräte mit je 100 Büchern. Ein Reader kann bis zu 2000 Bücher speichern. Der Premier pries den großen Fortschritt durch diese Technologie, die preiswerte, aktualisierbare und dauerhafte Lernmaterialien verfügbar mache.

Die Kommission für Wissenschaft und Technologie führt zusammen mit der finnischen Freiwilligenorganisation in Iringa eine Studie zu solarbetriebenen Lerngeräten durch. Zunächst werden die Geräte an Grund- und Sekundarschulen getestet. Aber auch die Allgemeinheit soll von modernen Wegen der elektronischen Wissensvermittlung profitieren. DN 13.0.5.13; Guardian 01.,02., 13.,25.11.13, 01.,05.,06.,07.,08.01.14