Bevölkerung gegen Privilegien für 'Investoren' - 06/2008

Aus Tansania Information
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Arumeru-Distrikt

50 bis 60 junge Maasai mit traditionellen Waffen drangen in die Farm eines britischen Investors im Arumeru-Distrikt (Arusha-Region) ein. Sie attakierten fünf Angestellte mit Macheten und Keulen, verletzten einige und riefen, sie seien dort unerwünscht. Weil einige das Bewusstsein vorloren, flohen die Maasai, denn sie fürchteten, die Männer seien tot. Auf der Flucht warfen sie Fenster des Farmhauses ein, demolierten verschiedene Gegenstände, zertrampelten neu bepflanzte Blumenfelder. Der Verlust wird auf 25m/- TSh geschätzt. (Guardian 10.4.08; Arusha Times 12.4.08)

Babati-Distrikt

Mindestens 17 Datooga-Familien, Vertreter einer im Babati-Distrikt (Manyara-Region) lebenden ethnischen Untergruppe der Barabaig, klagten gegen ihre Umsiedlung. Ihr Gebiet war dem französischen Investor UN Lodge en Afrique zugesprochen worden. Er will 1 km5 Land am Manyarasee für touristische Zwecke entwickeln. Die Datooga berichten, ohne mit ihnen zu verhandeln habe sie die Dorfverwaltung angewiesen, das Dorf innerhalb von sieben Tagen zu räumen.

Der Dorfvorsitzende sagt, der Investor habe dem Dorf an Pacht bereits 5.000 US$ gezahlt und für die Reparatur der Primarschule 4m/- TSh.

Die Distrikt-Behörde betont, sie lasse nicht mit sich spielen. Sie wirf den Datooga vor, sie seien über das Touristenlager hergefallen und hätten seine Angestellten bedroht. Der District Commissioner warnte die Datooga davor, nicht genehmigte Versammlungen abzuhalten, zu Treffen mit Speeren und anderen traditionellen Waffen zu erscheinen.

Der Regional Commissioner erklärte, die Regierung werde dafür sorgen, dass niemand das Recht in die eigene Hand nimmt. Um dem Investor Raum zu geben, müssten Distrikt- und Dorfbehörden den Hirten geeignetes Gelände zuweisen. Auf dem umstrittenen Land dürften sie ihr Vieh weiden, aber keine Häuser errichten. (Guardian 30.4.08; Arusha Times 16.3./19.4.08; ThisDay 24.4.08)

Karatu-Distrikt

Der District Commissioner verurteilte die Unsitte des Karatu-Distrikts (Arusha-Region), Land an reiche Unternehmer zu verkaufen, die Touristenunterkünfte errichten wollten. Es werde so weit kommen, dass die Leute auf ihrem ehemaligen Eigentum nur als Wächter und Dienstboten arbeiten könnten, sagte er. (Guardian 30.4.08; Arusha Times 26.4.08)

Loliondo-Wildschutzgebiet

Die Einwohner von neun Dörfern des Ngorongoro-Distrikts (Arusha-Region) beklagen, der District Commissioner habe ihnen verboten, an den Grenzen des von der Otterlo Business Cooperation (OBC) <Vergl. Tans.-Inf. 6/93 S. 3; 4/95 S. 6; 7/00 S. 3; 4/02 S. 7> genutzten Gebiets des Loliondo-Wildschutzgebietes Landwirtschaft und Viehzucht zu betreiben. Die dort ansässige Bevölkerung habe er angewiesen, es zu räumen. Die OBC habe rings um das Gebiet Sicherheitskräfte aufgestellt. Diese schüchterten die Dorfbewohner ein. Einen von ihnen hätten sie getötet, wiederholt mehrere zusammengeschlagen, ohne dass die lokale Verwaltung etwas unternommen habe. Die Dorfbewohner baten die Regierung, den Vertrag mit der OBC nicht zu verlängern, denn sie verstoße gegen die Menschenrechte und verursache im Wildschutzgebiet enormen ökologischen Schaden. Die Ministerin für Naturschätze und Tourismus besuchte das Gebiet und versicherte, die Regierung plane keineswegs, die Einwohner der neun Dörfer umzusiedeln. Sie sollten Gerüchten kein Gehör schenken. Bürger, Regierung und Investoren müssten zusammenarbeiten, zum Wohl der Einwohner. Die Investoren seien Entwicklungspartner, die für die Einwohner einen großen Beitrag leisteten. Sie hätten u. a. Schulen repariert, die Wasserversorgung verbessert, eine sehr wichtige Brücke gebaut. (DN 29.2./ 19.3.08; Guardian 1.3.08)

Monduli-Distrikt

Etwa 30 'Investoren' besitzen im Monduli-Distrikt (Arusha-Region) insgesamt nahezu 17.000 ha Land. Die dortige Bevölkerung kann nun nicht mehr wie früher ihr Vieh weiden. "Zuerst beschlagnahmten sie unsere Tiere und verlangten pro Rind als Bußgeld bis zu 50.000/- TSh. Aber jetzt entführen sie sogar Kinder, die die Tiere hüten und sperren sie ein, bis wir 50.000/- TSh Bußgeld bezahlen oder Rinder in diesem Wert bringen", berichtete einer. Den Einwohnern des Dorfes Lokisale ist es streng verboten, das Land der Investoren zu betreten. Auch wenn sie es zufällig tun, werden sie verhaftet.

Es sei illegal, Fremden Land zuzusprechen, denn die Dorfbehörden müssten an solchen Transaktionen beteiligt werden, sagte ein Verantwortungsträger. Man habe keine Ahnung, wer die neuen Besitzer sind, nie kämen sie ins Dorf. Er erzählt: "Die 'Investoren' stellten Wachleute und andere Arbeitskräfte ein, um sicherzustellen, dass ihr Besitz nie angerührt wird." (Arusha Times 13.10.07)

Ngorongoro-Distrikt

Die Bevölkerung eines Dorfes im Ngorongoro-Distrikt (Arusha-Region) ist wütend auf die Verwaltung der Ngorongoro Conservation Area (NCA), denn diese verbot ihr, im Wildschutzgebiet Vieh zu weiden; aus Gründen des Umweltschutzes dürfe man die Sekun-darschule, für die bereits Geld gesammelt wurde, nicht bauen. Ein Tou-risten-Camp jedoch könne ebendort errichtet werden. Der Vorsitzende des Dorfes wurde verhaftet, weil er den Bewohnern erlaubt habe, Rinder in den Sperrgebieten der Verwaltung des NCA grasen zu lassen. Mehr als 4.000 Einwohner drohen, sie würden die Tore der NCA-Verwaltung zertrümmern, um die Regierung zu zwingen, etwas gegen die Belästigung durch die NCA-Mitarbeiter zu unternehmen. (Guardian 13.2.08)