Bergbau, Bodenschätze - 08/2008

Aus Tansania Information
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Zur Bergbaupolitik

Die Regierung setzte Ende O7 ein Komitee ein, das die Bergbauverträge überprüfen und Vorschläge machen soll; Vorsitzender ist Richter Mark Bomani. Im Augenblick zahlen die Bergbaugesellschaften an Tantiemen 3 %. Das hält man angesichts ihrer Gewinne für 'Peanuts'.

Die Regierung akzeptierte nahezu alle im Bericht des Komitees enthaltenen Vorschläge, unter ihnen die Anhebung der Tantiemen, die Verringerung der Steuerausnahmeregelungen und eine offizielle Untersuchung mehrerer eher dubioser Bergbauverträge. Nun ist der Weg frei für unfassende Reformen der Bergbaupolitik und des Steuersystems. Experten äußerten, die Regierung habe einen schwierigen Balanceakt vor sich, um konkurrenzfähig zu bleiben und multinationale Bergbaugesellschaften nicht zu vertreiben. (DN 9.7.08; Guardian 4./18.7.08)

Ausbildung

Die Barrick Gold Tanzania will in Moshi eine Bergbau-Hochschule errichten. Sie soll selbständige Bergleute und Studierende ausbilden, die direkt von Ingenieurs-Hochschulen kommen und später von Bergbaufirmen im In- und Ausland angestellt werden, damit sich der Import von Fachleuten aus dem Ausland erübrigt. Außerdem soll die Hochschule den Bergbau-Lehrplan aufwerten, damit er in anderen Bergbau-Schulen im In- und Ausland Verwendung finde. Barrick wird eng mit der Universität von Dar-es-Salaam zusammenarbeiten. (Guardian 11.4.08)

Gefahren

Ein unabhängiger UNO-Experte, der seinen Bericht dem UNO-Menschenrechtsrat vorlegen wird äußerte sich besorgt über die Auswirkungen des Bergbaus Tansanias auf Umwelt, Arbeiter und Anwohner. Er riet zu gründlicherer Überwachung. Giftige und gefährliche Produkte und Abfälle würden auf illegale Weise weggeworfen. AIch beobachtete, dass die Öffentlichkeit wahrscheinlich keine oder unzureichende Information hat über die unterschiedlichen chemischen Substanzen und gefährlichen Produkte, denen sie am Arbeitsplatz und in ihren Ansiedlungen ausgesetzt ist, heißt es in seiner Erklärung. AIch erlebte, dass Bergleute Quecksilber ohne angemessenen Schutz einsetzen. Wahrscheinlich wüssten sie nichts über die Wirkungen des Quecksilbers auf Gesundheit und Umwelt. Sorgen mache auch die Auswirkung des Bergbaus im großen Stil. Vonseiten der Regierung gebe es, was Gesundheits- und Sicherheitsstandard betreffe, sehr wenig Überwachung. Er lobte das umfassende rechtliche Rahmenwerk der Regierung für den Umgang mit gefährlichen Produkten und Abfällen. (UN News Service 30.1.08)

Der Bergbau ist die Hauptursache für die Ausbreitung gefährlicher Chemikalien. Es handelt sich um Quecksilber, Blei, Natriumcyanid, Ammoniaksalpeter, Phosphor u. a. Das Wasser aus den Bergbaugebieten gefährdet die Gesundheit der nahe gelegenen Dörfer. Die Regierung versprach, die Kontrollvorkehrungen zu verschärfen und setzte das Chemical Emergence Response Committee ein. (Guardian 19.3.08)

Besonders gefährdet sind die in kleinem Stil schürfenden Bergleute. Sie und Dorfbewohner der Gegend atmen Quecksilber ein, das bei der Goldgewinnung ohne Schutzvorrichtungen verwendet wird. Es landet in den Gewässern, endlich über die Fische in der Nahrungskette. Niemand ist informiert über die Gefahren und die Möglichkeiten, es wiederzuverwenden. Vergeb-lich entwickelte das College of Engineering and Technology der Universität von Dar-es-Salaam eine angemessene Methode, die den kleinen Bergbaufirmen helfen würde, Gold auf sicherem Weg zu gewinnen. Die kleinen Unternehmen arbeiten rudimentär, ohne Plan und angemessene Kontrolle, unter minimaler Beachtung der Sicherheits- und Umweltstandards. (Guardian 21.3.08)

Multinationale Bergbauinteressenten

Zusammen mit einer kanadischen Firma will China in Tansania Vorkommen von Gold, Nickel, Kupfer, Uran und Diamanten erforschen. Die Chinesen wollen die entsprechenden Projekte entwickeln. (The East African 15.4.08)

Zu den Bergleuten

Um die in kleinem Stil arbeitenden Bergleute zu unterstützen wird die Regierung einen Mineral Development Fund einrichten. Der Bergbau sei für die ländliche Bevölkerung eine wichtige Quelle von Arbeitsplätzen, sagte der Minister für Energie und Bodenschätze. ADie Bergleute leisten durch indirekte Steuern einen beträchtlichen Beitrag für die Regierungskasse, helfen, Landflucht und Armut zu reduzieren. (Guardian 10.6.08)

Edelsteine

Nur 0,5 % der in Tansania geförderten Edelsteine werden verarbeitet exportiert. Mit dem Ziel gesteigerte Wertschöpfung zu erreichen, schloss die Regierung die Entwicklung eines Zentrums für die Ausbildung von Fachleuten für die Verarbeitung von Edelsteinen ab. (Citizen 6.2.08)

Der Tansanit nimmt ab. Doch nun fand man in abgelegenen Gebieten des Ngorongoro-Distrikts (Arusha-Region) den für teuren Schmuck geeigneten seltenen Edelstein== ==Specitite. Das ist mehr Fluch als Segen, denn die Entdeckung führte zu einem Chaos in diesem Distrikt. Dorfbewohner behaupten: AEinige Verantwortungsträger der Region wollen den Einheimischen die Vorkommen wegnehmen und die Schätze Ausländern geben. Der Regional Commissioner widersprach. Er wies alle Bergleute an, ein Komitee zu bilden, das den Abbau überwacht. Aber noch gibt es keine offiziellen Gebietszuteilungen, keine Grenzen. Die Leute beginnen einfach zu schürfen, manche verwenden sogar Dynamit.

Der District Commissioner gab zu, sobald die Schürfstellen identifiziert seien, werde die Regierung dafür sorgen, dass die Schätze zur Förderung der Wirtschaft des Landes genutzt werden. Das schließe ein, dass man Investoren und Gesellschaften einlädt. Den Vorrang hätten tansanische Bergleute, versicherte er.

Manche vermuten, das Ministerium für Energie und Bodenschätze habe das ganze Gebiet an einen einzigen Investor verpachtet. Deshalb würden die heimischen Bergleute angewiesen, das Gebiet zu räumen. AAber wir ziehen nicht weg. Alle Bergleute sind bereit, bei der Verteidigung unserer Rechte auf diese Edelsteine hier zu sterben, sagte ein dort beheimateter Bergmann. (Arusha Times 11.1./8.2.08)

Erdgas und Erdöl

Tansania ist ein Land, das in Zeiten der Unsicherheit in anderen Teilen des Kontinents bei der Jagd nach Erdöl und Erdgas rasch zu einem neuen Pionier wird. Im Okt. 07 lud die Regierung nach Erdöl und Erdgas suchende Firmen ein, Angebote für sechs Gebiete zu machen. Mindestens 14 Gesellschaften suchen auf dem Festland und vor der Küste. Die Entdeckung von Erdgas in Tansania und Erdöl an der Grenze zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo entzündete das Interesse an dieser bisher übersehenen Region. (ThisDay 15.5.08)

Im Kilwa-Distrikt, östlich der Songosongo-Inseln, wurde ein neues Erdgaslager entdeckt, nachdem die australische Firma Ndovu Resources Ltd., vertraglich mit der Regierung geregelt, drei Bohrlöcher gegraben hatte. Neben SongoSongo, Mnazi Bay und Mkuranga ist diese nun die vierte Fundstelle. (DN 26.3.08; Guardian 28.3.08)

Die australische Gesellschaft Beach Petroleum Ltd. gewann die scharf umkämpfte Ausschreibung für die Suche nach Erdöl in der südlichen Hälfte des Tanganjikasees. Er wurde bisher erst wenig erforscht. (ThisDay 15.5.08)

Gold

Weil viele multinationale nach Gold suchende Gesellschaften ins Land kamen, wurden seit 1990 insgesamt 400.000 selbständige Bergleute aus ihrer Arbeit vertrieben. In diesem Sektor dürfen beliebig viele Ausländer eingestellt werden, sonst maximal nur fünf. Als die ersten beiden großen Firmen in Nzega (Tabora-Region) und Geita (Mwanza-Region) starteten, mussten 30.000 Bergleute weichen. Der Bergbau in großem Stil ist schuld an Massenarbeitslosigkeit. Doch leisteten die Bergbaugesellschaften einen Beitrag in Form von Bildungs-, Gesundheits- und infrastrukturellen Projekten. (Guardian 6.3.08)

Die Forschungsarbeit "Eine goldene Gelegenheit - wie es Tansania misslingt, vom Goldabbau zu profitieren" zeigt, dass Tansania während der letzten zehn Jahre ca. 400 Mio. US$ verlor infolge geringer Tantieme, unbezahlter Gesellschaftssteuern und Steuerhinterziehung. Diese Studie erarbeitete eine unabhängige Gruppe von Forschern, Abgeordneten, Verantwortungsträgern der Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Lauf von drei Monaten. Sie besuchten jedes Gold abbauende Gelände. Mitglieder der Gruppe sagten, die Tansanier profitierten nicht vom Goldreichtum, denn die Steuergesetze begünstigten multinationale Bergbaugesellschaften. Sie rieten der Regierung, die Bergbaupolitik zu ändern. (Guardian 5.3.08: Ecumenical News International 12.3.08)

Kohle

In der Mbeya-Region gibt es neben den wirtschaftlich nutzbaren Kohlevorkommen in Kiwira (Kyela-Distrikt) auch welche in Juu Village (Mbozi-Distrikt) und in Magamba Chini (Chunya-Distrikt). Laut Magamba Coal Ltd. handelt es sich um 52 Mio. t. Die Firma untersucht nun die ökologischen Auswirkungen eines Abbaus. Sie baut 20 km Schotterstraße. Bisher hat die dortige Bevölkerung nur Fußpfade. Geologen rieten, die Magamba-Kohle für Produktion von Zement, Papier und Strom zu nutzen. (DN 3.3.08)

Die National Development Corporation und die australische Pacific Corporation East Africa Ltd. werden in einem Gemeinschaftsunternehmen die Kohlevorkommen im Mbinga-Distrikt (Ruvuma-Region) für Stromerzeugung und industrielle Nutzung entwickeln. (DN 3.4.08)

Phosphat

In der Mbeya-Region gibt es Vorkommen hochwertigen Phosphats, genug für die Produktion von 30.000 t Kunstdünger pro Jahr im geplanten Werk der Mbeya Fertilizer Company, die Hälfte des tansanischen Bedarfs. 250 ha sind für diese hochmoderne Anlage vorgesehen. (DN 20.2.08)