Aussenbeziehungen ‐ 04/2022

Aus Tansania Information
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Krieg in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen in Tansania und wird hier von vielen Menschen beobachtet. Präsidentin Samia kündigte Preisanstiege aufgrund des Krieges an und wurde in sozialen Medien dafür zunächst kritisiert. Bis Redaktionsschluss waren tatsächlich nur mäßig erhöhte Preise für Benzin, Speiseöl und Papier zu verzeichnen. Anders als im benachbarten Kenia, das auf Getreideimporte angewiesen ist, waren die Preise für Grundnahrungsmittel bei Redaktionsschluss noch nicht explodiert, wiewohl sie anfangen zu steigen. Tansania exportiert derzeit landwirtschaftliche Überschüsse.

Die offizielle Politik scheint eher eine zurückhaltende Rolle zu suchen. Bei den Abstimmungen in der UNO über den Krieg gehörte Tansania zu den zahlreichen afrikanischen Ländern, die sich der Stimme enthielten. Dabei spielt die Tatsache eine Rolle, dass viele afrikanische Staaten, wie auch Tansania, militärische Ausrüstung überwiegend sowjetischer bzw. russischer Herkunft haben. Hinzu kommt die Erinnerung an die Unterstützung der Sowjetunion für Befreiungsbewegungen in Afrika. Ende März erklärte Vizepräsident Mpango, dass Tansania sich für eine neutrale Rolle entschieden habe, “um der Diplomatie eine Chance zu geben”. Ansonsten deutete er an, dass Tansania sich in einer Welt voller Veränderungen neu zu positionieren habe. Er nannte dabei den Aufstieg Indiens und Chinas.

Für viele Tansanier ist das Geschehen noch weit weg und erscheint als eine Auseinandersetzung der Weißen, die einen selbst zunächst nicht sehr betrifft. Es gibt starke Sympathien für die russische Seite, die sich aus lange aufgestautem Unmut über westliche Dominanz im Weltgeschehen und Heuchelei der westlichen öffentlichen Meinung nährt. Viele sehen das Geschehen als einen von den USA angezettelten Krieg, bei dem die arrogante Supermacht endlich einstecken muss. Unter außenpolitisch interessierten Afrikanern gibt es seit langem Ärger über die Tendenz in der “Weltpresse”, Probleme im Norden der Welt breit darzustellen, hingegen Katastrophen in Afrika nach kurzer Aufmerksamkeit wieder unter den Tisch fallen zulassen. Der East African wies gerade darauf hin, dass die Notlage in Äthiopien nicht weniger dringend sei als die der Menschen in der Ukraine. Hinzu kommt Empörung über Meldungen, die von der rassistischen Behandlung afrikanischer Studenten bei der Evakuierung ukrainischer Städte berichteten. Hier erschien eine Reihe von Berichten, wonach Afrikanern der Zugang zu Zügen gen Westen verwehrt oder sie beim Grenzübertritt von ukrainischen und polnischen Grenzbeamten schikaniert wurden.

In sozialen Medien gibt es heftige Auseinandersetzungen; auf Jamiiforums werden sie auf mehreren Diskussionssträngen über den Krieg geführt, wobei der größte mit 748.000 Ansichten und mehr als 24.000 Beiträgen für tansanische Verhältnisse sehr umfangreich ist. Hier überwiegt die Parteinahme für die russische Seite, das Lob Putins und die Wiedergabe von Meldungen prorussischer Twitter- und YouTube-Kanäle. Regelmäßig wird an die Opfer westlicher Bomben in Libyen, Irak und Afghanistan erinnert. Dagegen setzt eine Minderheit ebenso unkritische Wiedergabe von ukrainischen Siegesmeldungen, garniert mit Bildern von zerstörtem Kriegsgerät und Leichen.

Die Zeitung Citizen öffnete am 7. März mit einer Schlagzeile “Ukraine conflict not all bad news as gold appreciates, die den für Tansania erfreulichen Anstieg des Goldpreises hervorhob. 2 Tage später veröffentlichte der Verlag in seinen Blättern eine Entschuldigung für die unangemessene Überschrift. Sorgen machten sich die Zeitungen auch über die Auswirkungen des Krieges auf das tansanische Tourismusgeschäft, in dem zuletzt zahlreiche Kunden aus Russland und der Ukraine kamen.

In den Monaten vor der russischen Invasion war im “Citizen” eine Reihe von Artikeln erschienen, die aus russischer Sicht über vorgebliche ukrainische Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung im Donbass (seit 2014 umkämpfte Ostukraine) berichteten. Warum die Zeitung diese Berichte übernahm, ist nicht deutlich. In der tansanischen Presse ist es nicht unüblich, zu außenpolitischen Themen diplomatisch lanciertes Material zu verwenden. Insbesondere der Guardian veröffentlicht laufend Artikel über die Erfolge der chinesischen kommunistischen Partei, die Fortschritte Chinas, den Frieden und das Wohlergehen der Uiguren in der Provinz Xinjiang.

BBC 16.03.2022, Citizen 06., 07. + 31.03.2022, East African 26.03.2022, Jamiiforums seit Februar 2022, Mwananchi 08.03.2022

Afrikanische Union

Tansania erklärte seine Unterstützung für die Arbeit des Afrikanischen Menschenrechtsgerichtshofes. Diese Einrichtung der Afrikanischen Union besteht jetzt seit 15 Jahren im tansanischen Arusha. Unter Präsident Magufuli hatte die Regierung einen Teil der Vereinbarung über den Gerichtshof gekündigt, der allen Bürgern erlaubte, sich direkt an diesen zu wenden, nachdem Tansania mehrere Klagen verloren hatte. Bisher gibt es keine Aussage darüber, ob diese Teilkündigung weiter gelten soll.

Guardian 11.03.2022

Japan

Die japanische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt schwerpunktmäßig Projekte zur Förderung von Frauenbildung. Anlässlich der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Förderung des Internats einer Mädchenschule bei Iringa wurde darauf hingewiesen, dass die japanische Botschaft in den letzten 6 Jahren über TSh 6 Mrd (€ 2,3 Mio.) für Kleinprojekte zur Frauen- und Mädchenförderung ausgegeben hat. Darunter waren Gebäude für 57 Internate sowie Projekte zur Verhinderung sexueller Gewalt in Flüchtlingslagern.

DN 10.03.2022