Aus der Gesellschaft ‐ 01/2022

Aus Tansania Information
Version vom 10. Januar 2022, 09:57 Uhr von Sysop (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Barabaigfrauen gegen diskriminierende Traditionen

Unter den Frauen der Barabaig gibt es eine Bewegung für die Änderung diskriminierender Traditionen. Die Barabaig sind eine Volksgruppe in der Gegend von Hanang in Nordtansania mit etwa 50.000 Mitgliedern, die eine nilotische Sprache sprechen. Eine Reporterin des Citizen porträtierte eine Barabaig, die sich gegen die sexuelle Verfügbarkeit der Frauen für nahe Verwandte des Ehemannes wendet. Ihr seien bei ihrer Hochzeit viele Geschenke versprochen worden. Sie habe dann entdeckt, dass dieses Versprechen an der Bereitschaft hängt, den Brüdern und Onkeln ihres Ehemannes zur Verfügung zu stehen. Als sie sich weigerte, habe sie sich mehreren Versammlungen der erweiterten Familie stellen müssen, in denen sie getadelt wurde. Ihr Mann wurde verspottet, weil er jetzt wegen der ausbleibenden Geschenke arm bleiben müsse. Sie setzt sich mit Unterstützung der lutherischen Kirche in Hanang weiterhin gegen diese Tradition ein und versucht, dafür Mitstreiterinnen zu gewinnen. Die Initiative wendet sich auch gegen die weibliche Genitalverstümmelung, der mehr als die Hälfte der Frauen in der Region unterzogen wurden.

Citizen 19.12.2021

Vertreibung der Straßenhändler

Die im November durchgeführte Vertreibung der Machinga genannten Straßenhändler aus den Innenstädten zeigte auch nach mehreren Wochen noch Wirkung. Die Stände, Tische und Kioske entlang vieler Straßen Dar es Salaams sind abgeräumt oder zerstört. In einigen Ecken der Stadt sind Machingastände nach wie vor anzutreffen, so auch in der Congostreet im Kariakooviertel. Mobile Straßenhändler, die ihren Warenbestand mit sich tragen, verkaufen entlang der Ampelstaus. Die Zeitungen, die während der Vertreibungsaktion mehrfach aus Dar es Salaam berichtet hatten, haben seither das Thema kaum noch behandelt. So gab es keine Berichte, wie es den Machinga an den Standorten geht, die ihnen zugewiesen wurden, ob sie dort Umsätze erzielen und davon leben können. Nur wenige Stimmen haben die Vertreibung der Machinga öffentlich kritisiert. Der CCM-Abgeordnete Humphrey Polepole erklärte auf seinem Youtubekanal, dass die Vertreibungen vielerorts mit Brutalität durchgeführt worden; Polepole versuchte mehrfach, sich als politischer Erbe des Populismus des verstorbenen Präsidenten Magufuli zu positionieren, der gerne als Verteidiger der Straßenhändler auftrat, wobei er aber nie Regelungen zur ihrer Absicherung einleitete.

Der anglikanische Bischof Chilongani (Dodoma) kritisierte in seiner Weihnachtspredigt Politiker, die von ihren hohen Amtssesseln herab Anweisungen an die Machinga und andere Arme erteilen, ohne eine Vorstellung von deren Lebenssituation und den Konsequenzen ihrer Anordnungen zu haben.

Indes veröffentlichte das Amt für Statistik Zahlen, wonach die Zahl der Arbeitsplätze im „informellen Sektor“ von 22% im Jahre 2014 auf 29,4% im Jahr 2021 gestiegen ist. Bei diesem Trend wird mit schlichter Verdrängung der Armutswirtschaft wenig zu gewinnen sein, in der Millionen von Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Wirtschaftswissenschaftler Donath Olomi forderte eine rechtliche Anerkennung für den informellen Sektor und seine Berücksichtigung in der Stadtplanung, damit auch die Straßenhändler Sicherheit für ihre Tätigkeit bekommen.

Citizen 24.12.2021, Mwananchi 17.+27.12.2021

Auseinandersetzung in der Nordostdiözese der ELCT

Der Konflikt in der Nordostdiözese der lutherischen Kirche Tansanias (ELCT) kam wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Hier hatte sich Bischof Munga im Jahr 2020 nach Erreichen seines Ruhestandalters zunächst geweigert, sein Amt zu räumen. Kirchenmitglieder beschuldigten ihn, mit Unterschlagungen die lutherische Universität in Lushoto in den Ruin getrieben zu haben. Nach Intervention der nationalen lutherischen Kirche ELCT und der Regierung konnte eine Synode stattfinden, die Dr. Msafiri Mbilu zum neuen Bischof wählte. Im November 2021 wurden nach Vorlage eines Finanzprüfungsberichtes Altbischof Munga die Rechte aus seiner Ordination aberkannt, mehrere Pfarrer seiner damaligen Kirchenleitung wurden suspendiert. Munga wehrte sich in einem Brief an die Bischöfe der ELCT gegen die damit verbundene Aberkennung seines Bischofstitels und behauptete, er sei im ganzen Verfahren nie angehört worden; auch habe man ihm bisher sein Ruhestandgehalt vorenthalten. Sein Titel könne nicht durch Beschluss einer Diözese aberkannt werden, er sei weiterhin Bischof. Mehrere der gemaßregelten Pfarrer forderten in einem Brief an den neuen Bischof Mbilu die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission, da sie sich ungerecht behandelt fühlten.

Mwananchi 07.+13.12.2021

Weihnachtsbotschaften

Frieden im Lande, Gerechtigkeit und der Umgang mit der Covid-19 Epidemie waren die vorherrschenden Themen der Weihnachtspredigten von Kirchenführern. Der katholisch Erzbischof Paul Ruzoka (Tabora) rief dazu auf, sich nicht von Ängsten beherrschen zu lassen, sondern mit Gottvertrauen das Leben zu gestalten. Der anglikanische Bischof Chilongani (Dodoma) wies auf den Umgang führender Politiker mit den Straßenhändlern hin und rief zu Mitgefühl auf. Der Pfingstbischof Mwazembe in Vwawa erinnerte daran, dass der Sinn des Weihnachtsfestes im Gebet und der Hilfe für benachteiligte Mitmenschen erfahren wird. Bischof Frederick Shoo von der ELCT spielte offenkundig auf Politiker und das Verfahren gegen Oppositionsführer Mbowe an, als er erklärte, es gebe Menschen, die im Gegensatz zur Weihnachtsbotschaft anderen Leid zufügen, nur weil sie die Macht dazu haben. In seiner Predigt wandte er sich besonders an Richter und warnte sie davor, sich an Rechtsbeugungen zu beteiligen. Der lutherische Bischof Massangwa (Arusha) rief dazu auf, sich nicht von Furcht vor Covid beherrschen zulassen, aber alle Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten und die Impfangebote wahrzunehmen. Der anglikanische Bischof Gaula (Kondoa) warnte Politiker vor Machtmissbrauch und rief Vertreter aller Richtungen zu gegenseitigem Respekt auf. Der katholische Bischof Sangu (Shinyanga) prangerte häusliche Gewalt an und rief dazu auf, dieser mit Gottesfurcht entgegenzutreten.

Mwananchi 25.+27.12.2021