Arm und Reich - 01/2014

Aus Tansania Information
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Hartnäckige Armut

Tansania hat über die vergangene Dekade ein hervorragendes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 7% erzielt. Dies hat jedoch die Situation der Armen kaum verändert. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2012 bei USD 570. Mit einem Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze zählt Tansania zu den 20 ärmsten Ländern. 4,2 Mill. Tansanier (etwa 10%) leben in extremer Armut, d.h. sie essen weniger als 2000 Kilokalorien pro Tag. Hauptursache für die fortdauernde Armut ist der Mangel an sicheren Arbeitsplätzen. - Die Sozialaufwendungen betragen nur 1% aller öffentlichen Ausgaben.

Ein Sprecher der Gesellschaft für Internationale Entwicklung sagte, Tansania sei von 1960 bis in die Achtziger Jahre eine egalitäre Gesellschaft gewesen. Das sei nun anders, wegen wachsender Korruption und schlechter Nutzung der Ressourcen. Wie in Kenya, so weite sich auch in Tansania die Kluft zwischen Arm und Reich, was zunehmende Kriminalität und Gewalt zur Folge habe. Gravierend sei auch der Unterschied zwischen Stadt und Land. Während in Städten 60% der Gesundheits-Einrichtungen Strom, Wasser und Abwassersysteme haben, ist das auf dem Land nur bei 5% der Fall. Nur 2% der ländlichen Schulen sind angemessen ausgestattet. Immerhin nahm die Zahl der Haushalte mit elektrischer Beleuchtung seit 2007 von 13% auf 18% zu. Der Prozentsatz der Sekundarschüler hat sich fast verdoppelt, von 15% auf 28% eines Jahrgangs. Der Multimillionär R. Mengi forderte die Regierung auf, mehr in Bildung zu investieren und allen Tansaniern Anteil am Ertrag der natürlichen Ressourcen zu gewähren. Damit würde die Armut wirksam bekämpft.

TASAF Programm in Sansibar

TASAF (Tansania Social Action Fund – Fonds für soziale Aktion), ist in seine dritte Phase eingetreten. Das von der Weltbank unterstützte Programm zur Armutsbekämpfung hat bereits Tausende von kommunalen und privaten Kleinprojekten zur Verbesserung von Infrastruktur und Einkommen durchgeführt (www.tasaf.org). Auf Sansibar wurden nun etwa 7000 Haushalte in das Programm aufgenommen (2500 auf Sansibar, 4000 auf Pemba). Sie werden ab Januar 2014 Geld für private Projekte zur Steigerung ihres Einkommens erhalten. Im Rahmen dieser an Bedingungen gebundenen Zahlungen (Community Based Conditional Cash Transfer) werden die Empfänger mit Beratung und Kontrollen begleitet. Insgesamt wird der Ansatz von TASAF als wirksames Instrument zur Armutsreduzierung bewertet, besonders für verletzliche Menschen wie Waisen, Kinder, Behinderte, Kranke, Alte und Witwen.

Arbeitsmarkt

Das hohe Wirtschaftswachstum zeigt am Arbeitsmarkt wenig Wirkung, weil es hauptsächlich in kapitalintensiven Branchen statt findet (Telekommunikation, Öl und Gas, Bergbau). Arbeitsintensive Sektoren wie Landwirtschaft und Kleinbetriebe wachsen nur langsam. Auch wächst die Bevölkerung viel schneller (Verdoppelung bis 2030 erwartet) als die Zahl der Arbeitsplätze. So wird ab 2020 mit jährlich 1 Mill. neuer Arbeitssuchender gerechnet (z. Zt. 700.000 jährlich), um 2050 sogar mit 2,5 Mill., so ein UNCTAD-Bericht. Hinzu kommt, dass viele Arbeitsplätze – besonders von Frauen – schlecht bezahlt und wenig stabil sind.

Das Arbeitsministerium hat mit Unterstützung der ILO (Internationale Arbeits-Organisation) ein Internet-Portal für Stellenangebote eingerichtet. Ein Sprecher betonte, die Gruppe der Jugendlichen (15 – 24 Jahre) mache 66% der arbeitsfähigen Bevölkerung aus, jedoch seien nur 13,4% fest angestellt.

Die Reichsten

Vier Tansanier sind auf der neuen Forbes-Liste der 50 reichsten Afrikaner zu finden:

  • Rostam Azizi: Unternehmensanteile in Telekommunikation, Bergbau und Transport im Wert von USD 1 Mrd.
  • Reginald Mengi: besitzt Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen, Bergbaukonzessionen und eine Coca-Cola-Abfüllanlage, zusammen USD 550 Mill. Mengi führt seinen Erfolg auf Gottes Segen, harte Arbeit und geschäftliche Integrität zurück.
  • Mohammed ‘Mo’ Dewji: USD 500 Mill. in Textil, Vermarktung, Landwirtschaft und Grundstücksgeschäften.
  • Said Salim Bakhresa: Vermögen von USD 500 Mill. in Mühlen, Getränken, Verpackungen, Fähren und Ölhandel.

(Citizen 18.11.13; Guardian 23.11., 04.12., 11.12.13; DN 26.11., 15., 26., 27.12.13)