Aktuelles: Terrorismus - 06/2015

Aus Tansania Information
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Tansanier beteiligt

Unter den bei dem terroristischen Angriff auf die Uni in Garissa / Kenia Verhafteten war ein Tansanier aus dem Mwanga-Distrikt (Kilimanjaro-Region). In der Region waren bereits geheime Islam-Schulen entdeckt und geschlossen worden [TI April, S. 7].

In Mombasa wurde eine 19-jährige Medizinstudentin aus Sansibar verhaftet. Sie hatte versucht, sich zusammen mit kenianischen Mädchen Al-Shabaab und später ISIS anzuschließen. Sie waren über Internet von einer Al-Shabaab-Agentin angeworben worden, „Jihad-Bräute“ zu werden. Die Internet-Werber verfolgen ähnliche psychologische Taktiken wie Mädchenhändler und Pädophile. Durch Telefonüberwachung wurden vier Personen ermittelt, die die Reise der „Jihad-Bräute“ über Mogadishu und die Türkei nach Syrien organisiert hatten. Die tansanische Studentin hatte eine sorgfältige Ausbildung genossen und galt als ausgeglichen und intelligent.

In Kidatu / Kilombero-Distrikt wurden in einer sunnitischen Moschee 10 Terrorverdächtige mit Maschinenpistolen, Munition, Polizeiuniformen, einer Al-Shabaab-Flagge und arabischen Instruktionsbüchern angetroffen und festgenommen. Einer verletzte auf der Flucht einen Polizisten und wurde von einer wütenden Volksmenge angezündet. Auch er hatte Munition bei sich. Einen Monat später warfen zwei Fremde im selben Ort einen Explosivkörper in ein Fahrzeug des Distriktsrats und verletzten vier Menschen.

Im Februar war in der Nähe von Tanga bei einem Schusswechsel mit Schwerbewaffneten ein Soldat getötet und mehrere verwundet worden. Alle Banditen entkamen. Viele vermuten auch hier Al-Shabaab als Hintergrund.

Citizen 01.,02.,06.,07.,16.04. 03.05.15; Guardian 05.,12.,16.04.15; The Star, Kenia 04.05.15

Vermutete Ursachen

Über die Ursachen des Erfolgs terroristischer Werbeversuche bei Jugendlichen gibt es unterschiedliche Vermutungen. Ein Politologe der Uni Dar-Es-Salaam meint, der westliche Imperialismus, nicht mehr wie früher durch den sozialistischen Block in Schach gehalten, frustriere und radikalisiere junge Intellektuelle. Die kapitalistischen Länder schürten religiösen und rassistischen Hass.

Der Jugendminister vermutet Unerfahrenheit, Perspektivlosigkeit und Gier nach materiellen Gütern als Hintergrund. Der katholische Bischof Kilaini (Bukoba) sieht Erziehungsmängel als wichtige Ursache für die Tendenz zum religiösen Radikalismus. Einig sind sich die Kommentatoren darin, dass Mangel an religiöser Bildung die jungen Leute für eine falsche, islamistische Auslegung des Korans anfällig macht. Der tansanische Mufti äußerte, Armut, Unwissenheit, Geldgier und berufliche Unfähigkeit trieben die Jugendlichen in die Arme der Verführer. Der hohe muslimische Geistliche wies Vermutungen zurück, dass in manchen Moscheen Kampfsport gelehrt würde. Alle Religionen müssten ihre jungen Anhänger lehren, Gottes Gebote zu achten; zudem müssten sie ihnen helfen, in der modernen Welt zurechtzukommen.

Guardian 12.04.15

Besorgnis und Maßnahmen

Mitarbeiter und Besucher von Supermärkten, Kirchen, Geldautomaten und belebten Plätzen äußerten sich besorgt über fehlende und lückenhafte Kontrollen. Sicherheitspersonal in Hochhäusern beklagte fehlendes Verständnis für Personenkontrollen und mangelhafte Ausstattung und Bewaffnung. Allgemein wird die große Gruppe von Somaliern in TZ mit Misstrauen beobachtet.

In der katholischen Kathedrale der Hauptstadt Dodoma werden Gläubige und Besucher mit einem Metalldetektor kontrolliert. Da wegen der hohen Kosten (TZS 750.000) bisher nur ein Gerät angeschafft werden konnte, müssen alle Besucher einen einzigen Eingang passieren. Alle billigten die Sicherheitsmaßnahme trotz des Zeitverlusts.

Für Mwanza und Dar-Es-Salaam war aus unklaren Quellen vor Attentaten während der Ostertage gewarnt worden, die jedoch nicht stattfanden. Über soziale Internetportale kursierten zahlreiche Warnungen vor Terrorangriffen auf Einrichtungen von Universitäten und der Tanesco (Elektrizitätsversorger) in Nordtansania und DSM. Studierende zogen aus Studentenheimen in Privatwohnungen um. Überall wurden Identitätskontrollen angekündigt und durchgeführt. Metalldetektoren sollen angeschafft werden. Händler auf Märkten wurden aufgefordert, Fremden gegenüber besonders vorsichtig zu sein. Intensive Kontrollen auf stark frequentierten Fähren führten zu Verspätungen. Bisher wurden solche Sicherheitsmaßnahmen nur wenige Wochen nach terroristischen Angriffen aufrecht erhalten. Der Innenminister kündigte an, die Grenzkontrollen zu verstärken.

In DSM wurde der Anführer einer ugandischen Terroristengruppe (Allied Democratic Forces) festgenommen. Er soll in DSM mehrere Häuser und eine Fahrzeugflotte besitzen. Den islamistischen Rebellen werden Tausende von Morden, meist an Zivilisten, in Uganda und DR Kongo vorgeworfen.

Citizen 04.05.15; DN 13.04.; 04.,18.05.15; East African 04.04.15; Guardian 05.,11.,19.04.15