Aktuelles: Familienplanung: Kursänderung - 11/2018

Aus Tansania Information
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Magufuli lehnt Familienplanung ab

Präsident Magufuli sagte, er sehe keinen Grund, die Zahl der Geburten in Tansania zu beschränken; die Frauen sollten ihre Verhütungsmaßnahmen einstellen und so viele Kinder wie möglich zur Welt bringen. Organisationen, die Familienplanung propagieren, seien vom Ausland gesteuert und hätten finstere Motive. Wer Familienplanung (FP) betreibe, sei zu faul, um für eine große Familie zu arbeiten.

Tansania weist mit die höchste Fortpflanzungsrate weltweit auf. Seine Bevölkerung hat sich seit der Unabhängigkeit 1961 verfünffacht. Das Land verfolgt seit 1976 in Zusammenarbeit mit dem UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) eine Politik der FP und verdoppelte 2018 den dafür vorgesehenen Haushaltsansatz [vgl. TI Sept. 18, S. 11-12].

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums betonte, FP bedeute nicht, eine bestimmte Kinderzahl vorzugeben, sondern die Gesundheit von Müttern und Kindern zu verbessern und den Kindern ein ausreichendes Auskommen zu sichern. Ein weiterer Minister versicherte anlässlich der Übernahme zweier Fahrzeuge von USAID, die der FP und damit Mütter- und Kindergesundheit dienen sollen, der Präsident sei nicht gegen Familienplanung, sondern gegen „Familienkontrolle“.

Das Ministerium wies jedoch alle NROs an, ihre Informationssendungen zur FP in Radio und Fernsehen einzustellen bis neue Bestimmungen dafür erlassen würden. Das Ministerium werde eine „Standard-Botschaft“ zum Thema erarbeiten.

Die NRO „Marie Stopes“, die in 37 Ländern für Reproduktionsgesundheit arbeitet, schloss überraschend ihre 10 Einrichtungen auf Tansania-Festland. Eine Behörde habe den Betrieb bis auf Weiteres untersagt. Das Gesundheitsministerium gab an, davon keine Kenntnis zu haben.

Das Tansanische Nationalmuseum führt zusammen mit dem Gesundheitsministerium ein Kunstprogramm durch, das besonders Mädchen auf Gefährdung durch Diskriminierung und sexuelle Gewalt hinweisen soll. Dies geschieht, finanziert durch die Schweizer Botschaft, im Rahmen einer nationalen Kampagne gegen Frühschwangerschaften. Diese stellten ein nationales Problem und ein bedeutendes Entwicklungshemmnis dar. Politiker, Parlamentarier, sowie religiöse und traditionelle Anführer sollten über Ursachen und geeignete Gegenmaßnahmen gegen die weiter zunehmenden Frühschwangerschaften beraten.

BBC 10.09.18; Citizen 10.,14.,15.,18.09.; 10.,14.10.18; DN 01.10.18; East African 10.09.18; Guardian 20.09.; 02.10.18

Reaktionen

Der CHADEMA-Abgeordnete C. Mwambe erinnerte daran, dass die Krankenversicherung in Tansania nur für vier Kinder pro Familie Versicherungsschutz gewährt. CHADEMA-Generalsekretär Dr. Mashinji forderte die Öffentlichkeit auf, Magufulis Ansichten zu ignorieren. Die vielfachen Probleme des Landes wie übervölkerte Städte, Arbeitslosigkeit, Landkonflikte, und mangelhafte Bildung der Mädchen erforderten eine verantwortliche Planung der Familiengröße.

Amnesty International wandte sich gegen den „Angriff auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmungsrechte“ und forderte die Regierung auf, alle Behinderungen der FP-Aktivitäten zu beseitigen. Auch der Ausschluss schwangerer Schülerinnen vom Unterricht sollte zurückgenommen werden. Die englische und die US-Entwicklungsorganisation, die bisher die meisten FP-Programme finanzieren, erklärten, sie hielten es weiterhin für richtig, Frauen und Kindern gute Optionen für ihre Gesundheit anzubieten.

www.amnesty.org 21.09.18; Citizen 10.,13.,24.09.18.; East African 10.09.18;