Aussenbeziehungen ‐ 03/2026

US-AU-Team

Die USA und die AU habe gemeinsam eine Arbeitsgruppe (US-AU Strategic Infrastructure and Investment Working Group, SIWG) gebildet, die sich auf die Förderung von Investoren aus dem Privatsektor in Afrika kümmern soll. US-Präsident Trump will Handel statt Entwicklungshilfe und China in Afrika die Stirn bieten. Die Gründung der Gruppe erfolgte bei einem Treffen zwischen dem stellvertretenden US-Außenminister Christopher Landau und dem AUC-Vorsitzenden Mahmoud Ali Youssouf im AU-Hauptquartier in Addis Abeba und eröffnet die Möglichkeit zu grenzübergreifenden Investitionen in Eisenbahnen und Energiepools durch US-Firmen.

EastAfrican, 31.01.2026

EU

Außenminister Mahmoud Thabit Kombo und Staatsminister Prof. Palamagamba Kabudi konferieren in Brüssel mit EU-Vizepräsidentin und Außenbeauftragten Kaja Kallas, dem Vorsitzenden des Ausschusses für regionale Entwicklung Younous Omarjee und EU-Kommissar für internationale Partnerschaften Jozef Síkela. Im Rahmen der Reisediplomatie ging es um praktische Kooperation im Handel, um Investition, Frieden und Sicherheit.

Citizen, 02.02.2026

Die EU-Botschafterin in Tansania Christine Grau bestätigte, dass die EU nach dem Demokratiekollaps finanzielle Strafmaßnahmen in Gang gesetzt habe: Die Unterschrift unter dem Annual Action Plan von 2025 im Wert von 156 Mio. € werde zurückgehalten und auch individuelle Staaten hätten Gelder eingefroren. Damit seien den Worten Taten gefolgt, so die Botschafterin, und finanzielle Sanktionen erfolgt. Die EU habe das Recht, Menschenrechte einzuklagen, denn Tansania habe die entsprechende UN-Resolution unterschrieben. Dennoch verhandle die EU weiter auf höchster Ebene mit Tansania, was Menschenrechtorganisationen und die tansanische Opposition scharf kritisieren. Ein Besuch der EU-Menschenrechtskommission in Tansania sei angekündigt.

Chanzo, 23.02.2026, Guardian, 27.02.2026

World Governments Summit

Das WGS findet seit 2013 jährlich in Dubai statt und dient dem globalen Dialog mit Blick auf Technologie und Innovation. Bei der diesjährigen Veranstaltung referierte Präsidentin Hassan am 4. Februar über die den Handel in Tansania fördernde Gesetzgebung und die daraus resultierenden Erfolge während ihrer ersten Amtszeit. Der Ease of Doing Business Index der Weltbank führt Tansania auf Platz 141 von 190 Wirtschaften.

Chanzo, 05.02.2026

Am Rande des Gipfels führte die Präsidentin bei ihrer ersten Auslandsreise seit der Wahl Gespräche u.a. mit Dubais Herrscher Sheikh Muhammad bin Raschid Al Maktum und mit UN-Tourismus-Generalsekretärin Shaikha Al Nowais.

EastAfrican, 07.02.2026, Citizen, 05.02.2026

Davos

Kommentar von Macocha Tembele: Das Weltwirtschaftsforum sei paradigmatisch v.a. für die an den Rändern der Machtzentren. Das aktuelle beende die Illusion von einer internationalen regelbasierten (Wirtschafts-)Ordnung. Das Allheilmittel gegen systemische Verletzbarkeit sei die Kooperation der entwickelten Mittelmächte. Für Afrika bedeute dies: Aufbau strategischer Autonomie im Hinblick auf Energie, Nahrung, kritische Bodenschätze, Finanzen und Lieferketten. Die Voraussetzungen für diese Autonomie seien eine freie Wahl der Partner auf Basis eines dichten technologischen Wirtschaftsumfelds, durchdringender Kapitalmärkte, gut ausgebildeter Leistungsträger und tragfähiger Forschungsinstitutionen – als dies aber befände sich in Afrika bestenfalls im Aufbau. Die beste Alternative für Afrika seien „strategische Abhängigkeiten“, um bei guter Planung die Entwicklung zu fördern und „Dauerbindungen“ zu vermeiden. Erforderlich sei eine ehrliche Bestandsaufnahme eigener Schwächen und wie diese von anderen Mächten ausgenutzt werden könnten bzw. „pragmatischer Realismus“. In der Übergangsphase lägen „geliehene Expertise“ (Technologietransfer) und Humankapitalbildung in der einen Waagschale und Ressourcen als Hebelkraft in der anderen. Abhängigkeiten bzw. Schwächen müssten explizit in die Gesamtkalkulation einbezogen werden. Afrikas größte Herausforderung sei seine politische, wirtschaftliche und regulatorische Fragmentierung. Der innerafrikanische Handel, der bei lediglich 14,9 % liege (mit Europa 66,9 %, Asien und Ozeanien: 63,8 %), sei das Fundament zuerst von strategischer Abhängigkeit und dann von Autonomie.

Für Tansania mit seinem Entwicklungsplan für die nächsten 25 Jahre sei jetzt ein guter Zeitpunkt. Doch sei es unrealistisch, in der vorgegebenen Zeit in allen fünf Bereichen (Logistik, Wissenschaft/Technologie, Forschung/Entwicklung, digitaler Wandel, Energie) strategische Autonomie zu erreichen. Geopolitische Zusammenhänge zu erkennen sei die vorrangige Pflicht des Landes. Die strategische Priorisierung und Implementierung müsse in Phasen erfolgen. Schwächen zeigten sich insbesondere bei der Implementierung von Großprojekten.

Citizen, 02./04.02.2026

Russland

Außenminister Mahmoud Kombo entschuldigte am 9. Februar in Moskau bei Außenminister Sergej Lawrow seine Präsidentin für den Aufschub des für den 12. Februar geplanten Besuchs. Russland hatte nach der Wahl am 29.10. 2026 als erstes Land schon am 6.11. eine Delegation unter Sergej Kirijenko mit Glückwünschen von Präsident Putin nach Tansania geschickt. Beide Länder stehen seit Langem im Kontakt jedoch mit geringem Handelsaufkommen (Import von Waffen, Weizen, Dünger). Die fortgesetzte Kooperation ist Ausdruck von Tansanias Anspruch auf Blockfreiheit. Das zuletzt vereinbarte neue Projekt ist der Uranabbau durch ROSATOM in Ruvuma am Mkuju-Fluss. Russland ist außerdem im Begriff, seinen dritten Afrika-Russland-Gipfel auszurichten.

Chanzo, 10.02.2026

Uganda

Ugandas Präsident Yoweri Museveni, der sich am 8. Februar zu Gesprächen mit Präsidentin Hassan im State House in Dar es Salaam aufhielt, bezeichnet Tansania als eine „Säule des Friedens in Ostafrika“. Da sich der Erfolg der Rohöl-Pipeline mit Exportbeginn ab Juli über Tanga abzeichnet, will sich Uganda als Tansanias engster strategischer Partner innerhalb der EAC positionieren, von umfassender regionaler Kooperation zu fokussierterer bilateraler Partnerschaft gelangen. Der Nachbar sucht Abstimmung über weitere Ölexporte, Pipelines, Häfen sowie Eisenbahnstrecken, bindet sich mit Export und Lieferketten an Tansania. Die Anbindung an das entstehende tansanische Normalspurnetz über den Grenzbezirk Murongo gilt als abgemacht.

Thematisiert wurde außerdem die Sicherheit in der Region der Großen Seen, in deren Kontaktgruppe der ugandische Präsident gerade den Vorsitz hat. Museveni verlangt erneut die föderative Einheit von Ostafrika, eine politische wie militärische Stärkung, um den globalen Playern Paroli bieten zu können.

Guardian, 24.02.2026

EAC

Weil der Handel innerhalb der Ostafrikanischen Gemeinschaft seit mehr als zehn Jahren bei 15 % stagniert und damit weit hinter den möglichen 30-50 % zurückbleibt, wurden in Kigali zweitägige Gespräche angesetzt, um regionale Integration zu stärken und Handelshemmnisse abzubauen. Rechtlich sei man inzwischen gut aufgestellt, so die EAC-Generalsekretärin Veronica Nduva, es hapere jedoch an der Durchsetzung.

Gemeinsam finanzieren die EAC-Mitglieder das Sekretariat, Gesetzgebende Versammlung, den Gerichtshof und andere Institutionen und Programme. Doch sind nur Kenia, Uganda und Tansania zuverlässige Zahler, während DR Kongo, Südsudan, Burundi, Ruanda und Somalia nur Teilbeträge oder gar nichts überweisen. Insgesamt fallen Außenstände von 89,3 Mio. $ an. Abgeordnete der Gesetzgebenden Versammlung sind seit drei Monaten unbezahlt, was Erinnerungen an den Kollaps von 1977 weckt.

Bei der geplanten Vollversammlung im März geht es um die Wahl eines neuen Generalsekretärs. Rotationsbedingt ist Südsudan an der Reihe und Andrea Aguer Ariik Malueth, der gegenwärtige stellvertretende Generalsekretär zuständig für Infrastruktur, Produktivität und Soziales, hat bereits sein Interesse bekundet. Doch wegen der nicht bezahlten Beiträge wird eine Entscheidung gegen Südsudan erwartet. Somalia besteht auf seine Rechte als Mitglied, obwohl es keine Beiträge bezahlt. Außerdem ist der Block im Inneren zerstritten (Ruanda, DR Kongo, Burundi) und befindet sich in einer schweren Glaubwürdigkeitskrise.

Citizen, 17./27.02.2026, EastAfrican, 21./27.02.2026

AU-Gipfel

Vom 14.-15. Februar fand in Addis Abeba der 39. AU-Gipfel statt. Ehrengast war Italiens Premierministerin Giorgia Meloni (um über Flüchtlinge zu reden). Diskutiert wird der Umgang mit Umstürzlern: Seit 2020 hat es zehn Militärcoups gegeben. Die Führung geht über von Angola an Burundi (Évariste Ndayishimiye). Geplant ist ein außerordentlicher Gipfel in Luanda 2026, um neue Strategien zur Konfliktprävention zu entwickeln. Wie bei der EAC ist auch bei der AU die Finanzierung ein Schlüsselthema. Mitgliedsbeiträge decken nur ca. ein Viertel der Kosten, doch die Implementierung etwa von Friedensprozessen erfordert zusätzliches Geld.

Präsidentin Hassan führt am Rande des Gipfels bilaterale Gespräche mit Eswatinis Premierminister Russell Mmiso Dlamini und dem komorischen Präsidenten Azali Assoumani sowie mit der stellvertretenden UN-Generalsekretärin Amina Mohammed und dem Generaldirektor der Arabischen Bank für wirtschaftliche Entwicklung in Afrika Dr. Sidi Ould Tah. Tansania erwartet eine Ehrung als führendes Land in der AU bezüglich der Mutter-/Kind-Gesundheit – in letzten 20 Jahren konnte die Müttersterblichkeit um 80 % und Sterblichkeit der Unter-Fünfjährigen um ein Drittel reduziert werden. Das Land wird einen zweiten Stellvertretersitz für Ostafrika erhalten und seinen Vorsitz im AU-Friedens- und Sicherheitsrat beenden (2022-2026).

Citizen, 13.02.2026, EastAfrican, 21.02.2026

Kommentar von Tee Ngugi: In der AU wollen verdorbene Einzelstaaten eine ehrenwerte Union bilden. Doch von übeltäterischen Mitgliedsländer kann man keine Union der Gerechtigkeit erwarten.

EastAfrican, 27.02.2026