Wirtschaft ‐ 09/2026

Aus Tansania Information
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Rivalität

Die insgesamt schwierige Lage der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), die vor allem an ihrer Finanzierung und der fehlenden Umsetzung von gefassten Beschlüssen krankt, rückt die Rivalität zwischen Kenia und Tansania wieder deutlicher in den Vordergrund. Zwei Raffinerieprojekte (Lamu und Tanga), zwei parallele Transportkorridore (im Norden von Mombasa nach Uganda sowie in der Mitte von Dar es Salaam nach Ruanda, Burundi und darüber hinaus) scheinen die Einheit innerhalb der EAC in weite Ferne zu rücken und das Scheitern ostafrikanischer Solidarität zu zementieren.

EastAfrican, 15.08.2026

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Dr. Brendon J. Cannon, Ostafrikaexperte an der Khalifa University in Abu Dhabi, sieht die unterschiedlichen Ideologien in Kenia und Tansania, die sich nach der Erlangung der Unabhängigkeit dort etablierten, als Hauptursache für die Rivalität zwischen den beiden Ländern. Einst beschuldigte Julius Nyerere Kenia, das Land bevorzuge eine „man eat man“-Ideologie, was den Nachbarn veranlasste, den tansanischen Sozialismus als „man eat nothing“-Gesellschaft zu bezeichnen. Die Hafenprojekte Lamu und Bagamoyo sind Ausdruck der Rivalität und des Streits um das logistische Primat in Ostafrika. Die Binnenländer Uganda, Ruanda und Burundi (wie auch Südsudan mit seinen höchsten nachgewiesenen Ölreserven in Ostafrika und Äthiopien sowie Sambia, Mosambik und DR Kongo) werden von beiden gleichermaßen hofiert. Uganda erweise sich als besonders geschickt, Kenia und Tansania gegeneinander auszuspielen.

AfricaReport, 18.08.2026, TheConversation, 24.08.2026

Normalspurbahn (SRG)

Nachdem Kenia nun doch seine SRG von Naivasha über Kisumu bis nach Malaba an der ugandischen Grenze fortsetzen und bis Juli 2027 fertigstellen will, verlängert Tansania seit Juli seine SRG-Strecke von Dodoma nach Kigoma am Tanganjikasee. Neu geplant, jedoch bisher ohne Terminnennung, ist die Strecke zwischen Tanga und Musoma am Viktoriasee. Uganda verspricht, das Verbindungstück zwischen Kenia und Tansania rund um das Westufer des Viktoriasees. Außerdem plant Tansania im Süden eine Strecke zwischen Mtwara und Mbamba Bay um die Verbindung nach Sambia und Malawi herzustellen. Die Finanzierung sollen Steuereinnahmen, externe Schuldenaufnahme sowie die Beteiligung privater Investoren ermöglichen.

Eine entscheidende Rolle beim Ausbau des Zentralkorridors fällt dem Containerhafen in Bagamoyo (25-fache Kapazität von Dar es Salaam mit Sonderwirtschaftszone von 9.800 Hektar) zu. Ursprünglich sollte der Bau durch China und Oman (2022 ausgeschieden) erfolgen, seit 2025 zeichnen Saudi-Arabien und Tansania für das Mammutprojekt verantwortlich. Der tatsächliche Baubeginn (durch französischen AGL, Tochter der Schweizer Reederei MSC) war im Januar 2026. Die Fertigstellung der ersten drei von 28 Liegeplätzen wird für Ende 2028 erwartet.

EastAfrican, 15./22.08.2026, Bagamoyo.com, 26.08.2026, Guardian, 29.08.2026

Finanzmarkt

In der Hoffnung, den Schilling und Devisenliquidität zu stärken sowie den Kapitalmarkt des Landes auf eine breitere Basis zu stellen, wurde der Staatsanleihenmarkt reformiert und für ausländische Investoren geöffnet. Bisher hatten nur EAC- oder SADC-Einwohner sowie die tansanische Diaspora Zugang. Der Chef der Bank of Tanzania Emmanuel Tutuba erklärt, ausländische Investoren hätten so einen besseren Zugang. Ab sofort hat der tansanische Kapitalmarkt einen Platz auf der internationalen Bühne. Probleme könnten entstehen, wenn ausländische Investoren aufgrund von sich verändernden Marktbedingungen ihr Kapital zurückzögen. Deshalb sei jetzt Transparenz für Investoren das A und O. In der Folge dieser Neuerung seien zukünftig auch Unternehmensanleihen möglich, aber auch hier gebe es das gleiche Risiko. Tansania als Wirtschaftsstandort müsse attraktiv sein, damit ausländische Investoren blieben.

Reuters, 07.08.2026, Citizen, 10.08.2026

Speiseöl

Bisher weist der Handel zwischen Tansania und Indonesien ein hohes Handelsdefizit zu Tansanias Ungunsten auf (Handelsvolumen: 460 Mio. $, Export: 80-120 Mio. $, Import: 316 Mio. $). Aufgrund wachsender geopolitischer Risiken (militärischer und klimatischer Natur) sucht Indonesien nun aber wie andere Länder auch, nach Diversifizierung bei seinen Handelspartnern. Bereits im Mai hatte Indonesien zugesichert, Tansania Zugang zu seinen hochentwickelten Bewässerungstechniken von landwirtschaftlichen Flächen zu gewähren. Investitionen plant das asiatische Land außerdem bei Energie, Dünger, Seife, Palmöl und Speiseöl. Im Gespräch ist eine Anlage zur Speiseölherstellung in Kigoma, die anfangs Rohöl aus Indonesien importieren, aber nach und nach tansanisches Rohöl verarbeiten würde. Beide Länder ringen um ihre Ernährungssicherheit und wollen kooperieren.

Citizen, 18.08.2026